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Bitkom-Langzeitstudie IT-Fachkräftemangel: Vervierfachung bis 2040

Von Ira Zahorsky 3 min Lesedauer

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663.000 IT-Fachkräfte werden 2040 in Deutschland fehlen. Damit rechnet der Bitkom auf Basis einer Langzeitstudie. Welche Maßnahmen sind notwendig, um diese dramatische Prognose abzuwenden und die notwendige Digitalisierung weiter voranzubringen?

Der Kampf um IT-Spezialisten wird sich in den kommenden Jahren verschärfen, so der Bitkom.(Bild:  snyGGG - stock.adobe.com)
Der Kampf um IT-Spezialisten wird sich in den kommenden Jahren verschärfen, so der Bitkom.
(Bild: snyGGG - stock.adobe.com)

Besonders rühmlich verläuft die Digitalisierung in Deutschland nicht. Das liegt auch daran, dass es hinten und vorne an IT-Fachkräften mangelt. „Ohne IT-Spezialistinnen und -Spezialisten verspielt Deutschland seine digitale Zukunft“, ist Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst überzeugt. Einer Langzeitstudie des Bitkom zufolge sollen im Jahr 2040 rund 663.000 IT-Fachkräfte fehlen – 510.000 mehr als 2024. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, braucht es Wintergerst zufolge eine „ambitionierte Gesamtstrategie“. „Der Fachkräftemangel ist kein Naturereignis. Wir müssen auf niemanden warten oder auf etwas hoffen, wir müssen selbst aktiv werden“, so seine Lösung. In welchen Bereichen muss gehandelt werden?

Frauen und junge Menschen für IT begeistern

Hier wäre zunächst einmal die Politik gefragt. Entsprechende bildungspolitische Maßnahmen wie ein Pflichtfach Informatik, mehr Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft sowie zusätzliche Informatik-Lehrstühle könnten das Interesse an IT-Berufen weiter erhöhen. 27.000 weitere IT-Spezialisten erhofft sich der Bitkom dadurch bis 2040.

Ohne IT-Spezialistinnen und -Spezialisten verspielt Deutschland seine digitale Zukunft.

Dr. Ralf Wintergerst, Bitkom-Präsident

Mit speziellen Bildungsangeboten für Frauen könnte auch diese Gruppe stärker in den Bereich Informatik einsteigen und 25.500 Fachkräfte beitragen. „Es gibt keinen wirklichen Grund, warum nicht genauso viele Frauen einen IT-Beruf anstreben und ergreifen sollten wie Männer“, meint Wintergerst. Doch Vorurteile und Klischees sind häufig noch die Realität, die Frauen abschreckt. Hier sind auch die Unternehmen gefragt, den Mitarbeitenden Teilzeitarbeitsstellen und Kinderbetreuung anzubieten, um flexibler zu sein.

Ebenso liegt die Abbrecherquote in Informatik-Studiengängen mit 42 Prozent deutlich über dem Durchschnitt aller Studiengänge (27 %). Könnte diese auf 20 Prozent reduziert werden, stünden dem Bitkom zufolge bis 2040 rund 55.000 zusätzliche IT-Fachkräfte zur Verfügung.

Freiwillig länger arbeiten

Genau am entgegengesetzten Altersspektrum setzt eine weitere Maßnahme an. Mit IT-Fachkräften, die über das Renteneintrittsalter hinaus freiwillig weiter arbeiten möchten, stünden weitere 68.500 Spezialisten zur Verfügung. „Die IT bietet häufig Arbeitsbedingungen, die eine Tätigkeit auch im Alter ermöglicht, und viele Beschäftigte würden auch gerne länger arbeiten“, weiß Wintergerst. Doch: „Arbeiten jenseits der 65 ist allerdings häufig weder für die Unternehmen noch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiv.“ Die Regierung muss hier finanzielle Anreize setzen, um diese Gruppe länger im Berufsleben zu halten. Unternehmen müssen für die entsprechende Weiterbildung sorgen. Der Bitkom-Präsident sieht aber noch einen weiteren Handlungsbedarf: „Wir müssen gerade in den besonders jugendorientierten Tech-Unternehmen eine Kultur entwickeln, die Ältere als wichtigen Teil von Diversität begreift und das auch lebt.“

Quereinsteiger

Bereits ein Viertel aller Fachkräfte in der IT-Branche sind Quereinsteiger. Dieser Anteil könnte dem Bitkom zufolge bis 2040 um 50 Prozent erhöht werden, was 129.500 zusätzlichen Spezialisten entspricht. Notwendig seien dazu die Förderung von Quereinstiegsprogrammen und Bootcamps, der Ausbau von Beratungsangeboten sowie finanzielle Unterstützung. Diese Maßnahmen obliegen jedoch nicht nur der Politik. „Auch die Unternehmen selbst müssen in ihre Zukunft investieren und Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen sowohl von aktiven als auch von potenziellen Beschäftigten massiv ausbauen“, fordert Wintergerst.

Zuwanderung

Selbst wenn die vorgenannten Maßnahmen bis 2040 optimal verliefen, bliebe eine Fachkräftelücke von rund 338.000 Personen. „Wir werden mit dem inländischen Potenzial und der bisherigen Zuwanderung die IT-Fachkräftelücke nicht schließen können“, glaubt der Bitkom-Präsident. Deutschland müsse als Arbeits- und Lebensmittelpunkt für IT-Fachleute viel attraktiver werden, denn die internationale Arbeitgeberkonkurrenz ist groß. Neben einer deutlichen Entbürokratisierung und Beschleunigung der Einwanderung, schlägt der Bitkom vor, Ausländerbehörden zu Willkommensagenturen umzubauen und das internationale Marketing für den IT-Standort Deutschland zu verstärken. „Xenophilie statt Xenophobie, darum muss es gehen“, so Wintergerst.

Positive Prognose für 2040

Mit einer schnellen Umsetzung aller Maßnahmen ließe sich die Fachkräftelücke in der IT bis 2040 praktisch schließen. Bleiben die Maßnahmen auf aktuellem Niveau, stünden etwa 120.000 zusätzliche IT-Spezialisten zur Verfügung. Hier spielt der vergleichsweise geringe Altersdurchschnitt in den IT-Berufen dem Arbeitsmarkt noch in die Hände.

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Der Fachkräftemangel ist kein Naturereignis. Wir müssen selbst aktiv werden.

Dr. Ralf Wintergerst, Bitkom-Präsident

„Diese zunächst positive Ausgangslage bedeutet aber auch, dass die demografische Entwicklung die IT nach 2040 umso härter trifft. Umso wichtiger ist, dass wir jetzt die Weichen stellen und erfolgreich gegensteuern“, fordert Wintergerst.

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