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Interview mit Jens Bussmann, Google, über die "große Abfrage"

Jetzt liefert ein Google-Service die Antworten auf alle Business-Fragen

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Kann ich auch Daten aus sozialen Netzwerken mit meinen eigenen Unternehmensdaten korrelieren?

Bussmann: Sie können in unseren Service Big Query alle Daten, die sie haben, einstellen und abfragen. Insofern können Sie natürlich auch alle statistischen Daten, die sie aus anderen Online-Werbequellen besitzen, mit einbeziehen. Das geht nicht nur mit DoubleClick-Datensätzen, sondern mit beliebigen Datensätzen anderer Werbeanbieter. Bei unserer Display-Werbung DoubleClick wären das mehrere Gigabyte, die der Kunde pro Tag bekommt. Das kann mit eigenen Daten in Big Query verbunden, aggregiert und ausgewertet werden. Soweit dem Kunden die Daten von anderen Werbedienstleistern zur Verfügung gestellt werden, ist deren Auswertung für uns kein Problem.

Besteht auch die Möglichkeit Daten direkt über anwendungsspezifische Schnittstellen einzubeziehen und dann kontinuierlich die Informationen zu analysieren?

Bussmann: Sie können z. B. über eine REST-API die Daten in Big Query hochladen. Manche unserer Technology-Partner wie Talend oder Informatica bearbeiten mit ETL-Software (Extract, Transform, Load) unterschiedlichste Datenbestände, normieren diese und laden dann die aufbereiteten Daten auf unseren Service hoch. Sie können ebenfalls SAP, Oracle oder andere ERP-Datensätze mit Social Media Streams von Facebook, Twitter kombinieren und automatisiert, mindestens aber halbautomatisiert, importieren.

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Wäre es möglich mit dem Big-Query-Service auch Daten in Echtzeit zu analysieren wie das inzwischen von vielen Experten propagiert wird?

Bussmann: Sie haben bei uns immer einen kleineren Zeitverzug, da die Daten nicht im Stream analysiert werden, sondern erst einmal hochgeladen werden müssen. Für Echtzeitanalysen ist unser Tool nicht konzipiert. Bei uns „fährt“ der Anwender Ad-hoc-Analysen gegen den Datenbestand und bekommt innerhalb von Sekunden Ergebnisse geliefert.

Muss man Spezialisten beschäftigen, um Standardabfragen zu erstellen, die dann jeder per Mausklick abrufen kann?

Bussmann: Es gibt mehrere Vorgehensweisen. Google bietet ein Webinterface an. Dort wird mit einer SQL-ähnlichen Abfragesprache gearbeitet. Dann gibt es noch ein Command-Line-Tool, es gibt auch Tools von Partnern, die eine grafische Schnittstelle bereitstellen. Zum Beispiel QlikView von der Firma QlikTech, Tableau Software oder BIME, die per Drag-and-Drop-Menüs arbeiten, die auf ungeschulte Endbenutzer zugeschnitten sind. Eine komplexere Möglichkeit bietet die Google App Engine, mit der man eigene Abfrage-Frontends programmieren kann. Der Nutzer muss also nicht zwingend Datenbank-Know-how besitzen, um mit unseren Services Antworten zu bekommen. Jeder kann sofort Erfolgserlebnisse haben. Das ist schon immer der Grundgedanke unserer Dienste.

Glauben Sie, dass die Datenanalyse im Zuge des Big Data Hypes alle Firmen erreichen wird, oder ist das doch nur eine Domäne der großen, die sich das leisten können?

Bussmann: Im Grunde ist Datenanalyse für jedes Unternehmen relevant. Es braucht jedoch eine Zwecksetzung, da sich mit falschen Fragestellungen aus großen Datenmengen alles Mögliche rauslesen lässt. Aber es gibt umgekehrt keine Frage, die nicht beantwortet werden könnte. Während die Analyse von Verkaufstransaktionen etwas für den Einzelhandel ist, lassen sich Logdaten von Maschinen für Benutzungstrends und Qualitätssicherung etc. verwenden, die Auswertung von Telemetriedaten, also von Messdaten über Funk, wird sicherlich ein großes Feld werden, denken Sie an Autos, oder ein generelles Thema über alle Branchen hinweg, ist die Auswertung von Kundendaten, um diese gezielter anzusprechen.

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