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Gefahren von Big Data, der Digitalisierung und Industrie 4.0, Teil 1

Künstliche Intelligenz könnte das Ende der menschlichen Rasse bedeuten

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Die Entwicklung erfasst auch Computer, die schon klein sind: Bereits ein iPhone 4 von 2011 enthielt mehr Rechenkapazität, als die US-Weltraumbehörde NASA im Jahr 1969 insgesamt zur Verfügung hatte. Nehmen wir an, die Kundendatenbank eines Unternehmens benötigt 100 Gigabyte Speicherplatz, so passt diese auf einen Daumennagel-großen Chip im Wert von 39,50 Euro – mithilfe des Mobilfunkstandards LTE lässt sich diese Datenmenge innerhalb von 24 Stunden ans andere Ende der Welt übertragen. Mit der künftigen „5G“-Technik, die ab diesem Jahr eingeführt werden soll, dauert die gleiche Übung keine anderthalb Minuten mehr. HP denkt aber bereits über Handys mit einer Speicherkapazität von 100 Terabyte nach.

Sprache als Passwortersatz

Zur Interaktion mit der jeweiligen Intelligenz sollen die Nutzer ihre Stimme nutzen – dabei müssen aber weder die Kunden geschweige denn die Nutzer irgendwelche Hardware einkaufen: Die Intelligenz ist „allgegenwärtig“ und immer per Telefon erreichbar. Dafür entwickeln IBM und Apple derzeit 100 Programme, exklusiv für die mobilen Geräte aus dem Apfel-Imperium.

Die Stimme ist so einmalig, dass sie zu unserer forensischen Identifikation genutzt werden kann. Die Technik kann aber mehr – etwa die emotionale Verfassung des Sprechers erkennen oder das Gesprochene simultan übersetzen. Die Protagonisten empfehlen, die Sprache deshalb als Passwortersatz. Wissenschaftler warnen aber, dass Stimmprofile nicht nur gestohlen, sondern der Person auch noch beliebige Worte (per Sprachsynthese) in den Mund gelegt werden könnten.

Das Ende der Call Center?

Geht es jedenfalls nach IBM, so soll Watson das Ende der Call Center einläuten. Der Konzern fordert schon mal dazu auf, herauszufinden „wie Watson Branchen wie das Gesundheitswesen, Finanzwesen, Marketing und Servicebereiche verändert“. Zu letzteren zählen offenbar die Architekten – sie können Statik- und Designvorschläge erhalten; der Chefsyndikus von Big Blue stellt den Anwälten einen „digitalen Assistenten“ mit einer „gewaltigen, eigenständigen Datenbank“ in Aussicht, „die alle internen und externen Informationen enthält, die für die täglichen Aufgaben nötig sind.“

Weitere Beispiele gibt es aus dem Immobiliengewerbe und dem Tourismusgeschäft. Im September vergangenen Jahres hat IBM eine „mächtige Datenanalyse für jedermann“ angekündigt: Jedes Unternehmen könne jetzt Antworten auf Fragen erhalten wie: „Was sind die Erfolgsfaktoren meines Verkaufs?“ oder „Welche Verträge werden am wahrscheinlichsten abgeschlossen?“.

Grenzenloser Informationsaustausch?

Es scheint, als ob Amelia und Watson alles aufnehmen, was ihnen anvertraut wird. Das kann problematisch werden: Wer früher nacheinander im Call Center seiner Bank, bei seiner Krankenkasse und bei seinem Telefonunternehmen angerufen hatte, konnte wenigstens darauf hoffen, dass die drei Call Center sich nicht kennen und keine Informationen untereinander austauschen.

Bei einer künstlichen Intelligenz ist das anders: Wer kann schon garantieren, dass der Bank-Watson sich nicht mit dem Gesundheits- und dem Telefon-Watson austauscht? Etwa: „Ach ne, lass mal lieber – der Kunde hat kein Geld, der kann ja nicht einmal den Eigenanteil für seine Operation bezahlen!“ „Ja, würde ich auch nicht machen – der zahlt ja nicht mal mehr seine Telefonrechnungen!“ Oder ist Watson ohnehin nur eine vielfältig gespaltene Persönlichkeit?

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