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Abschied von Storage Pure Storage erfindet sich als Everpure neu

Von Dr. Dietmar Müller 6 min Lesedauer

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Ein Name als Programm: Mit der Umbenennung in Everpure vollzieht das Unternehmen eine Neuausrichtung, weg vom puren Storage, hin zum ganzheitlichen Datenmanagement in der Enterprise-Cloud. Passend dazu hat man 1touch übernommen. Mitgründer und Chief Visionary Officer John Colgrove beleuchtet im Gespräch mit Storage-Insider exklusiv die Hintergründe.

Pure Storage (oder schlicht „Pure“) stand für reinen Flash-Speicher. Everpure richtet den Fokus nun auf ganzheitliches Datenmanagement.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Pure Storage (oder schlicht „Pure“) stand für reinen Flash-Speicher. Everpure richtet den Fokus nun auf ganzheitliches Datenmanagement.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Pure Storage ist Geschichte – ab heute schlägt das Unternehmen als Everpure ein neues Kapitel auf. Das Ziel: Daten nicht mehr nur abzulegen, sondern sie aktiv zu managen. Es gibt ein neues Unternehmens-Design, eine neue Website et cetera. Für John Colgrove, Mitgründer und Chief Visionary Officer von Pure Storage, ist dieser Schritt im Gespräch mit Storage-Insider folgerichtig, da traditionelle Speicherarchitekturen mit den Anforderungen moderner Workloads schlicht überfordert seien. Das neue Everpure wolle Datensilos sprengen und Ressourcen vereinheitlichen, um die künstliche Intelligenz (KI) mit den richtigen Informationen zu füttern.

„Wir haben vor 16 Jahren angefangen mit FlashArrays, FlashBlade, all diesen Storage-Produkten und haben uns nun in die Enterprise Data Cloud (EDC) hochgearbeitet“, so Colgrove. „Mit immer mehr KI gewinnt das Thema des Datenmanagements zunehmend an Bedeutung, weil Unternehmen wissen müssen, wo sie welche Daten dafür vorhalten, wofür sie genutzt werden und wer darauf zugreifen kann. Welche Large Language Models (LLMs) wurden damit trainiert? Unternehmen müssen mehr als früher wissen, was sich in ihren Daten versteckt und ob sie souverän sind.“

Der Markenwechsel spiegele den evolutionären Wandel vom reinen Speicherspezialisten zum Daten-Strategen wider. „Das hat uns zur Überlegung gebracht, unsere Marke auszudehnen und verstärkt in diesem neuen Gebiet tätig zu werden, weswegen wir auch den Namen von Pure Storage in Everpure ändern werden“, so Colgrove weiter. „Wir haben uns verschiedene Namen überlegt, haben uns aber für Everpure entschieden, weil wir damit Kontinuität zum Ausdruck bringen. Pure steht für viele gute Dinge, allen voran Zuverlässigkeit der Produkte und hervorragenden Kundendienst, und das soll eben für immer so sein, auch wenn wir von reinen Storage-Produkten weggehen und den Markt für Dataset- und Data-Management betreten.“

Die Architektur der Freiheit: Enterprise Data Cloud

Die strategischen Vorboten waren bereits im Juni vergangenen Jahres sichtbar, als das Unternehmen die EDC-Architektur vorstellte. Mit ihr können IT-Teams Daten über On-Premises, Public Clouds und Hybrid-Szenarien hinweg zentral steuern. Pure-CTO Rob Lee brachte es im September bei der Präsentation neuer Features auf den Punkt: Nicht die Speicherung, sondern das Management von Daten bereite ein Fundament für den Einsatz von KI.

„Im heutigen KI-Zeitalter ist der Datenzugriff entscheidend. Die Verwaltung Ihrer Daten, nicht nur deren Speicherung, ist die neue Grundlage für KI-Bereitschaft“, so Lee. „Der Erfolg hängt davon ab, dass Ihre Daten überall sicher und jederzeit leicht zugänglich sind – mit einer einheitlichen und konsistenten Benutzererfahrung, in Echtzeit, skalierbar und für jede Arbeitslast.“

Der neue Name ist zudem eine Hommage an das 2015 eingeführte Evergreen-Modell. Damals brach Pure mit dem „Forklift Upgrade“-Dogma der Branche. Statt alle drei Jahre die Hardware mühsam per Gabelstapler auszutauschen, bot Pure unterbrechungsfreie Updates und modulare Controller. „Das funktionierte, weil unsere Chassis und Backplanes von Anfang an auf extreme Langlebigkeit ausgelegt waren“, so Colgrove. Heute bildet dieses Modell die Basis für die Service-Defined Infrastructure, deren Speerspitze das STaaS-Modell Evergreen//One bildet.

Fokus Dataset-Management: wissen, was im Speicher liegt

Bis zur Hausmesse Pure Accelerate im Juni in Las Vegas wolle Everpure vor allem im Bereich Dataset-Management nachlegen. Dabei gehe es primär um intelligentes Tracking und Klassifizierung: „Wir analysieren automatisch bei jedem Snapshot und Backup, ob es sich um Finanzdaten oder sensible persönliche Infos handelt“, erklärt Colgrove. „Wir gehen tief in die Segmente hinein – bis hin zu den Trainingsbereichen der Modelle –, um festzustellen, wo Daten physisch liegen. Das wird in komplexen Umgebungen immer schwieriger.“ Daraufhin werde eine Analyse vorgenommen, um die Daten entsprechend zu klassifizieren. „Das wird automatisch bei jedem Snapshot, bei jedem Backup und bei jeder Sicherheitsüberprüfung passieren.“

Für Everpure sei Dataset-Management die Pflicht, Data-Management die Kür: Erst wenn die Rohdaten über ihren Lebenszyklus hinweg gepflegt seien, könnten KI-Modelle und Analyse-Tools verlässlich und rechtskonform auf reproduzierbare Datensätze zugreifen. Oder um es mit Charles Giancarlo, Chairman und CEO, zu sagen: „Mit unserer Plattform verwandeln Kunden ihre globale Speicherumgebung in eine EDC und stärken gleichzeitig ihre KI- und Datensicherheitsstrategien.“

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Plattformoffenheit: Management über die eigenen Grenzen hinaus

In einem zweiten Schritt gehe es dann um das Datenmanagement, also die Zuweisung von Daten an die richtigen Empfänger. Das soll so weit flexibilisiert werden, dass künftig beispielsweise HR auf Finanzdaten zugreifen kann, während Sales sich mit relevanten Personaldaten ausstattet. „Dafür wird es in den ersten beiden Quartalen des Jahres Neuerungen in Pure1 und EDC geben“, so Colgrove.

Diese seien nicht zwangsläufig an Pure-Arrays gekoppelt – zur neuen Strategie gehöre die Plattformoffenheit. Über die eigenen Speicherprodukte hinaus will der Firmengründer künftig das Dataset- und Datenmanagement auch auf die Hard- und Software der Wettbewerber ausdehnen. Ankündigungen dazu erwartet er für die Hausmesse Pure Accelerate im Juni in Las Vegas. „Das wird aber keinen Paukenschlag geben; unsere Strategie entfaltet sich vielmehr in Form mehrerer Features und Funktionen über das Jahr verteilt.“

Alles neu – und doch vertraut

Was für Folgen hat der neue Name für die Hardware-Strategie? Wird sie künftig anders aussehen? Colgrove bejaht dies nur insofern, als dass die Arrays künftig über einen noch größeren Funktionsumfang verfügen werden. „Wenn ich mich mit CIOs unterhalte, stelle ich immer wieder fest, dass sie sich nicht für die Art von Speicheranbindung interessieren – Fibre Channel oder Ethernet: egal. Genauso wie der Durchsatz und vieles mehr. Das Einzige, was sie wissen wollen, ist: Wo liegen meine Daten? Wer hat darauf Zugriff? Wie sicher sind sie? Diese Fragen können wir mit unserer neuen Strategie zielsicher beantworten.“

Grundsätzlich aber gelte, dass man die bestehenden Standbeine wie die Hardware-Produkte nicht abtrennen werde. Die neue Strategie sorge „lediglich“ für neue Software, die die Kapazität und den Funktionsumfang der Hardware erweitere. Auch die Struktur des Unternehmens soll unangetastet bleiben: „Wir ändern nichts an unserem Customer-Service-Model, nichts an unserem Evergreen-Model, wir hören auch nicht mit dem Verkauf von FlashArrays und FlashBlades auf. Wir vertreiben weiter unsere Kubernetes-Datenmanagement-Plattform Portworx“, so der Chefvisionär.

Für den operativen Umbau zeichnet laut Colgrove die Digital-Experience-Unit unter Führung von Prakash Darji verantwortlich, an der Struktur der Firma soll sich aber grundsätzlich nichts ändern. Dann hat man also die Firma nur neu lackiert, könnte man denken, doch für Colgrove ist es mehr als ein Austausch der Etiketten: „Vor 16 Jahren haben wir Storage neu erfunden. Heute denken wir das Datenmanagement neu. Everpure ist das nächste Kapitel.“

Der neue Name gilt ab heute, Montag, dem 23. Februar 2026. Ab dem 5. März wird das Unternehmen offiziell als Everpure an der New Yorker Börse gelistet – das Tickersymbol PSTG bleibt als Ankerpunkt für die Anleger erhalten.

Übernahme von 1touch

Parallel zum neuen Namen gab das Unternehmen außerdem bekannt, dass es eine endgültige Vereinbarung zur Übernahme von 1touch getroffen wurde. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Stamford, Connecticut, und starken Wurzeln sowie R&D in Israel ist ein Experte für das Thema „Dataset-Management“ und die Klassifizierung von Daten – und damit für Everpure eine logische Ergänzung. Das Hauptprodukt Kontxtual kann Datenflüsse netzwerkbasiert in Echtzeit analysieren und sogar „Schattendaten“, also Datensätze, die ohne Wissen der IT-Abteilung in der Cloud oder auf lokalen Servern erstellt wurden, finden. Wenn Colgrove also davon spricht, dass Everpure künftig automatisch versteht, ob Daten zur Finanz- oder Personalabteilung gehören, kommt die Technologie von 1touch mit ins Spiel.

„Mit 1touch gehen wir den nächsten Schritt, um Unternehmen nicht nur dabei zu helfen, die Kontrolle über ihr wertvollstes Kapital – ihre Daten – zu erlangen, sondern diese Daten auch zu verstehen, zu verbessern und in einen Kontext zu setzen, um daraus verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen“, kommentierte CEO Giancarlo. „Daten sind das Lebenselixier des KI-Zeitalters, aber ohne die richtigen Kontrollen und den richtigen semantischen Kontext bleiben sie eine ungenutzte Ressource“, fügte Ashish Gupta, CEO und Präsident von 1touch, hinzu.

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