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Portierung auf MVS, AIX und OS/2
Der allgemeine Trend in Richtung von verteilten Systemen war der Grund für den nächsten Schritt, den Tivoli Storage Manager in seiner Produkthistorie nahm. Im Jahr 1992 wurde die Anwendung von Chip Coy und Bill Fischofer in Endicott auf MVS portiert und für die Plattformen VM und MVS in DFDSM umbenannt – somit war das neue Datensicherungsmodul für Workstations ein Mitglied der S/370-DFxxx Speichersoftware-Familie geworden.
Parallel dazu trieben Norm Pass (RINGMASTER-Projekt) und Mike Kaczmarski mit ihren Teams in Kalifornien die Portierung auf AIX und OS/2 als Server voran. Das neue DFDSM-Produkt wurde auch gleich 1992 auf der COMDEX in Las Vegas gezeigt, allerdings unter etwas fragwürdiger Schwerpunktsetzung, wie der Entwickler Barry Fruchtman als Messeteilnehmer beschreibt.
Barry Fruchtman: „One item that may be interesting is that IBM Storage made an appearance at COMDEX in 1992 in Las Vegas with a demonstration of the DFDSM. We demonstrated, AIX, OS/2, and DOS clients backing up and restoring to VM, MVS, AIX and OS/2 servers; The OS/2 clients were running a video at the same time that they were in a loop backing up and restoring. For the few people which looked at the DFDSM sign and stopped to watch, it was an amazing demo, given the capabilities of the time. It was located in the multimedia area of COMDEX, however, so there was a mismatch with the intended audience …“.
Die Anekdote dokumentiert augenzwinkernd, dass die IBM-Messeplaner damals die Bedeutung von Workstation-Datensicherung der Tatsache unterordneten, dass zu gleicher Zeit ein Multimedia-Video auf dem OS/2-PC ablief. Wie aus dem Augenzeugenbericht ersichtlich, gab es 1992 schon die ersten internen Portierungen der DFDSM-Server-Komponente auf die Plattformen AIX und OS/2, die aber erst ein Jahre später als käufliche Produkte unter dem neuen Namen ADSM V1.2 verfügbar wurden.
Weitere Entwicklungen und Produkte
In dieser Zeit gab es noch weitere Entwicklungen und Produkte, die VM und MVS als Serverplattform für Datendienste der Open System Workstations nutzten:
- WLFS/VM – Workstation LAN File Services (Ankündigung Dezember 1992 – später wegen Verfügbarkeit auf MVS in LAN File Services/ESA umbenannt) – eine Anwendung, die einen OS/2 LAN-Server über eine S/370-BMPX-Bus/Tag-Adapterkarte an den VM-Server verband und transparent CMS-Minidisks als Laufwerks-Ressourcen für den OS/2 LAN-Server verfügbar machte. Das geschah mit dem Hintergedanken, die Zuverlässigkeit der Mainframe-Datenhaltung mit den neuen interaktiven und grafischen Möglichkeiten der Workstations synergetisch zu verbinden.
- LANRES/VM und LANRES/MVS (LAN Resource Extension and Services 1992) – die analoge Lösung zu WLFS/VM für Novell Netware Fileserver mit Anschluss entweder über eine BMPX-Kanalkarte, TCP/IP oder eine SNA-LU6.2-Kommunikationsverbindung. Hierbei waren nicht nur Fileservices unterstützt, sondern auch bi-direktionales Drucken.
Alle diese Lösungen wurden damals in der Computer-Presse als ein Versuch gewertet, den bevorstehenden Untergang des Mainframe-Rechners als zentralen Anwendungsserver durch die Verwendung als Open-System-Server-Ressource zu verhindern. Dass die Nutzung des Mainframes als Server bis heute Bestand hat für eine Vielzahl von unternehmenskritischen und plattformübergreifenden Anwendungen (z. B. SAP, Domino, ContentManager etc.) und Diensten (wie TSM), hätte die damaligen „Branchenkenner“ in ihrem Weltbild wohl nachhaltig erschüttert.
Im kommenden Teil: ADSTAR – Aufbruch in die Open-System-Welt
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem IBM-System-Storage-Kompendium. Hier finden Sie das vollständige Kompendium in Form eines Whitepapers.
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