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Datenspeicher unter Druck Vom HDD-Engpass zur SSD-Knappheit?

Von Barbara Gribl 3 min Lesedauer

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Die KI-getriebene Nachfrage nach Speicher sorgt für HDD-Knappheit, Preissteigerungen und längere Lieferzeiten. Hersteller passen Preise und Logistik an. Betreiber weichen teils auf SSDs aus.

Der KI-Boom lässt HDDs knapp und teuer werden – Lieferzeiten steigen, viele Betreiber weichen auf SSDs aus. Hersteller reagieren mit höheren Kapazitäten und Technologien wie HAMR bis hin zu 100‑TB‑Festplatten.(Bild: ©  Siwakorn1933 - stock.adobe.com)
Der KI-Boom lässt HDDs knapp und teuer werden – Lieferzeiten steigen, viele Betreiber weichen auf SSDs aus. Hersteller reagieren mit höheren Kapazitäten und Technologien wie HAMR bis hin zu 100‑TB‑Festplatten.
(Bild: © Siwakorn1933 - stock.adobe.com)

Den Festplattenmarkt schränken derzeit Knappheit und Preissteigerungen ein, verursacht durch die erhöhte Nachfrage von KI-Serverbetreibern. Die großen Serverbetreiber benötigen mehr Speicherplatz für KI-Anwendungen und kaufen daher massiv Festplatten, was dazu führt, dass die Lieferzeiten für solche Produkte erheblich angestiegen sind. Hersteller wie beispielsweise Western Digital haben angefangen, die Preise zu erhöhen und ihre Logistik umzustellen, was die Situation weiter erschwert.

Angesichts der aktuellen Engpässe ziehen viele Betreiber nun Solid State Drives (SSDs) als Alternative in Betracht, sogar für Speichereinsätze, die traditionell mit Festplatten besetzt waren. Doch eben auch diese Entwicklung könnte wiederum bald zu Knappheit und Preiserhöhungen bei SSDs führen, da die Nachfrage steigt.

Obwohl der Preisanstieg derzeit hauptsächlich bei speziellen HDD-Modellen für den Einsatz im Server zu beobachten sind, könnten in Zukunft auch Verbraucherprodukte von den Engpässen und Preisaufschlägen betroffen sein, wenn Hersteller ihre Produktion weiter auf den Bedarf der Serverbetreiber ausrichten.

Auswirkungen der gestiegenen Nachfrage von KI-Serverbetreibern

Der Anstieg der Nachfrage führt vorübergehend zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Hersteller, Händler und Endverbraucher von Server-HDDs (zum Beispiel Rechenzentren) sollten deshalb ihren Bedarf vorausschauend und längerfristig planen.

„Die gestiegene Storage-Nachfrage lässt sich in Exabytes messen. Marktprognosen gehen von einem weltweiten Datenspeichervolumen von fast 20.000 Exabytes im Jahr 2029 aus, was nahezu einer Verdoppelung gegenüber 2025 entspricht“, erläutert Larry Martinez-Palomo, VP und Head of EMEA Storage Products Division bei Toshiba Electronics Europe. Um dieser Nachfrage nachzukommen, legt Toshiba die Priorität auf die Produktion von Festplatten mit zunehmend höheren Speicherkapazitäten. Dafür sind Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in die Fertigung entscheidend.

Durch den zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz wächst auch der Bedarf an leistungsfähigen und großvolumigen Speicherlösungen rasant. KI-Anwendungen benötigen und erzeugen enorme Datenmengen – sei es beim Training, Testen oder im laufenden Betrieb. Rainer Kozlik, Director Sales Europe bei Seagate, weiß: „Unternehmen setzen deshalb verstärkt auf Festplatten mit immer größeren Kapazitäten, die nicht nur viel Speicherplatz bieten, sondern auch im Hinblick auf Energieeffizienz, Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit überzeugen.“

Einer aktuellen Studie von Seagate und Recon Analytics zufolge berichten 96,7 Prozent der befragten IT-Fachleute von einem gestiegenen Speicherbedarf durch Künstliche Intelligenz. Zudem erwarten 61 Prozent, dass sich der Bedarf an Cloud-basiertem Speicher bis zum Jahr 2028 mehr als verdoppeln wird – ein deutliches Zeichen für das Ausmaß dieses Wandels.

Laut einer Seagate-Studie wird sich der Bedarf an Cloud-basiertem Speicher bis 2028 mehr als verdoppeln.

Seagate reagiert auf den stark steigenden Bedarf an Speicherlösungen mit gezielten Investitionen in modernste Speichertechnologien. „Außerdem arbeitet wir an Festplatten mit Kapazitäten von bis zu 100 Terabyte, die auf innovativen Verfahren wie HAMR (Heat-Assisted Magnetic Recording) und Nanophotonik basieren“; erklärt Kozlik. Mit diesen hochkapazitiven Festplatten können Rechenzentren mehr Daten auf der gleichen Fläche speichern, wodurch Energieverbrauch und Kühlungsaufwand sinken und das Management der Infrastruktur vereinfacht wird.

„Im Server-Storage-Bereich liegt der Preis pro Terabyte einer SSD ungefähr bei dem Sieben- bis Zehnfachen einer HDD“, führt Martinez-Palomo aus. Für Anwendungen, die keine SSD-Geschwindigkeit erforderten, sei es für ein Rechenzentrum daher wirtschaftlicher, auf HDDs zurückzugreifen.

Auswirkungen der Marktveränderungen auf Verbraucher

Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage betrifft sowohl Unternehmen als auch Verbraucher. „Der Nachfrage-Anstieg geht jedoch überwiegend auf KI-Anwendungen in Rechenzentren zurück, sodass diese voraussichtlich stärker betroffen sein werden als Verbraucher“, prognostiziert Martinez-Palomo.

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Herstellerstrategien für die gestiegene Nachfrage nach Speicherlösungen

Welche Strategien können nun Hersteller entwickeln, um auf die gestiegene Nachfrage nach Speicherlösungen zu reagieren? Eine der nachhaltigsten Strategien ist gewiss die Investition in innovative Technologien, um noch größere Speicherkapazitäten bei Festplatten zu ermöglichen. Seagate treibt beispielsweise an seinem Standort Derry/Londonderry (Nordirland) die Entwicklung von Hightech-Aufzeichnungsköpfen und Halbleiter-Lasern voran.

Kozlik erläutert: „Dabei zählt nicht nur, wie viel Speicherplatz zur Verfügung steht, entscheidend ist auch, dass die Lösungen zuverlässig, langlebig und flexibel genug sind, um den hohen Anforderungen moderner Rechenzentren und KI-Anwendungen gerecht zu werden.“ Kooperationen mit lokalen Partnern und die Unterstützung durch Förderprogramme können dabei die Innovationskraft zusätzlich beschleunigen. „Für Hersteller wird es immer wichtiger, technologische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und ihre Lösungen kontinuierlich weiterzuentwickeln, um auch künftig den rasant wachsenden Ansprüchen an die Datenspeicherung gerecht zu werden“, so Kozlik abschließend.

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