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Tour de France und Deutschland Tour ARD archiviert Material vom Radsport auf Silent Bricks

Redakteur: Dr. Jürgen Ehneß

Der Saarländische Rundfunk ist verantwortlich für die Übertragung der internationalen Radsportveranstaltungen in der ARD. Archiviert werden die Aufnahmen auf Silent Bricks von Fast LTA.

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Faszination Radsport: Bei der Tour de France fallen Jahr für Jahr gewaltige Mengen an Filmdaten an.
Faszination Radsport: Bei der Tour de France fallen Jahr für Jahr gewaltige Mengen an Filmdaten an.
(Bild: ©Thomas Launois - stock.adobe.com)

„Le Tour“ – das ist für Franzosen ein Begriff wie „Noël“ (Weihnachten) und „Pâques“ (Ostern). Obwohl der letzte französische Gewinner der Tour de France 1985 gefeiert wurde, ist die Begeisterung für dieses Sport-Event ungebrochen und kommt dort schon fast einer religiösen Verehrung gleich. Auch in zwei Millionen Zuschauern, die 2018 der Live-Übertragung in der ARD folgten.

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Zuständig für die Berichterstattung ist der Saarländische Rundfunk, der im öffentlich-rechtlichen Senderverbund der ARD alle internationalen Radsportveranstaltungen wie auch die Deutschland Tour abdeckt. Seit über 30 Jahren ist Stefan Krieger dabei, heute für die technische Leitung und die Planung zuständig. Die zuletzt immer größeren Datenmengen konnten teilweise nicht archiviert werden.

Gedreht wird auf XDCAM HD 422, für die Archivierung des umfangreichen Materials sind die Scheiben mit maximal 128 Gigabyte aber zu klein. Um für die künftigen Saisons gerüstet zu sein, entschied man sich für die Anschaffung eines kompakten und mobilen Systems und fand dafür das Silent-Brick-System von Fast LTA. Auf einem Silent Brick mit 16 Terabyte Nettokapazität lässt sich so ein komplettes Radsportjahr archivieren.

Faszination Radsport

Radsport ist eine besondere Sportart. Anders als bei Fußball oder Skifahren müssen die Zuschauer nicht direkt zu einem Veranstaltungsort fahren. Die Veranstaltung kommt bei den Zuschauern vorbei und ist kostenlos – und das meistens im Sommer und in den schönsten Landschaften.

Das dürfte einen Teil der Faszination ausmachen, der insbesondere für die Tour de France gilt. Dass es dabei auch Skandale und Skandälchen gibt, ist ein weiterer Aspekt, wenn man den Mythos erklären will.

„Außerdem gibt es in Deutschland über 18 Millionen Radfahrer, für die die sportlichen Höchstleistungen faszinierend sind“, sagt Stefan Krieger, Technischer Leiter für den Bereich Radsport beim Saarländischen Rundfunk (SR). Er selbst ist seit 30 Jahren dabei und hat in dieser Zeit alle Höhen und Tiefen der Sportart kennengelernt. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Radsportveranstaltungen jedes Jahr stattfinden und nicht, wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele nur alle 4 Jahre. Das macht die Veranstaltungen für die Fans zu festen Bestandteilen im Jahresverlauf – so wie Weihnachten und Geburtstage.

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Die Lösung

Die Herausforderung

Die Videoarchive der vergangenen Radsportveranstaltungen wie der Tour de France oder der Deutschland Tour mobil verfügbar zu machen: Das war die Aufgabe für eine Neuanschaffung eines Archivsystems beim Saarländischen Rundfunk (SR). Die zuletzt immer größer werdenden Datenmengen waren teilweise nicht archivierbar. Die bisher gebräuchlichen XDCAM-Scheiben hatten nur eine geringe Speicherkapazität. Um für die künftigen Saisons gerüstet zu sein, entschied sich der SR für die Neugestaltung des Archivsystems. Ziel war es, kompakt so viel Videomaterial wie möglich verfügbar zu machen, um den Redakteuren einen größeren Spielraum bei der Berichterstattung zu geben.

Die Branche

Fernsehsender

Die Lösung

1 Silent Brick Drive

2 Silent Bricks (24 TB brutto)

Anwendungen/Software

Videoarchiv für digitales Material im HD 1080i50-Format

Das Silent Brick System ist eine flexible Speicherarchitektur auf Basis herausnehmbarer Speichercontainer, den Silent Bricks, die mit handelsüblichen Festplatten oder SSDs bestückt sind. Dabei kombinieren die Münchener Storage-Experten eine ganze Reihe fortschrittlicher Technologien mit dem Ziel, dass keinerlei Daten verloren gehen können. Das Kernstück ist dabei das transportable Speichermedium, der Silent Brick, der bis zu 24 TB (brutto) speichern kann – wahlweise mit Dual- oder Triple-Parity – oder durch Erasure-Coding mit vier Redundanzen absichert. Das Silent-Brick-System kann beliebig bis über mehrere Petabyte Kapazität erweitert werden.

Angefangen hat Stefan Krieger als Cutter. Mit der Zeit wuchsen die Aufgaben, und aktuell verantwortet er die komplette Technik, die für die Live-Übertragung und die Aktivitäten am Rande, wie Interviews und Zusammenschnitte für die Sportschau, nötig sind. „Wir mussten immer sehr flexibel sein“, sagt er rückblickend. „Mit der Digitalisierung sind die Anforderungen aber überproportional gestiegen.“ Das betrifft insbesondere die Archivierung der Aufnahmen.

Vom Band zu XDCAM

Früher wurden die Bänder nach den Veranstaltungen im Zentralarchiv überspielt und dann wiederverwendet. Berichte konnten mit der nötigen Zeit erstellt werden. Durch die Zunahme an Einstellungen und Kameras sowie den steigenden Bedarf an Hintergrundmaterial ist auch der Speicherbedarf gestiegen.

Bis vor Kurzem legten Stefan Krieger und seine Kollegen die zu archivierenden Beiträge auf XDCAM ab. Pro Scheibe konnte so bei einer Kapazität von 128 Gigabyte nur maximal fünf Stunden Material gespeichert werden. Bei drei Wochen Veranstaltung summierte sich die Anzahl der Disks sehr schnell auf bis zu 60 Scheiben. Da die Menge der Daten aber weiter zunehmen wird, musste eine neue Lösung Abhilfe schaffen.

Ein Radsportjahr auf einem Silent Brick

Zusammen mit dem auf Lösungen für Video und Fernsehen spezialisierten Systemhaus Media Online stellten Stefan Krieger und seine Kollegen von der SR-Technik eine Bedarfsanalyse auf. Ziel sollte es sein, so viel Sendematerial wie möglich so mobil wie möglich vorzuhalten. Bei der Analyse verschiedener Speichersysteme kam man sehr schnell auf Fast LTA.

Media Online ist Authorized Partner von Fast LTA und kennt die Systeme des Münchener Herstellers sehr gut. Auf dem Silent-Brick-System lassen sich große Datenmengen auf offline-fähigen Modulen, den Silent Bricks, abspeichern. Diese sind dann sicher einzeln transportierbar.

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Interview mit Stefan Krieger, Technischer Leiter für den Bereich Radsport beim Saarländischen Rundfunk (SR)

Stefan Krieger ist beim Saarländischer Rundfunk für die technische Umsetzung der Live-Berichterstattung von Sport-Events im Radsportumfeld zuständig. Er ist für diesen Bereich technischer Leiter und begleitet die Tour de France seit über 30 Jahren.

Storage-Insider: Herr Krieger, Sie blicken auf eine lange Zeit bei der Tour de France zurück. Welches persönliche Highlight gab es für Sie in den vergangenen 30 Jahren?

Stefan Krieger, Saarländischer Rundfunk: Ein spezielles Highlight kann ich hier nicht nennen. Die Tour de France an sich ist das Highlight. Die unterschiedlichen Landschaften der Regionen in Frankreich machen die Veranstaltung so interessant. Jedes Jahr sind die Etappen in reizvollen Gegenden, und ich kann jedes Jahr etwas Neues kennenlernen. Das macht die Tour nie langweilig und erhält die Spannung – selbst nach so langer Zeit. Natürlich sind es auch die Geschichten und Menschen, die es immer wieder interessant machen.

Storage-Insider: Wie viele Stunden Material werden bei einer Tour de France produziert?

Stefan Krieger: Das ist nicht ganz genau zu spezifizieren. Denn das französische Fernsehen produziert im Auftrag des Veranstalters das internationale Material, und wir ergänzen das durch eigene Interviews und Hintergrundberichte. Insgesamt würde ich aber von zirka 120 bis 150 Stunden ausgehen, die da zusammenkommen.

Storage-Insider: Wie viele Kameras und Ü-Wägen sind im Einsatz?

Stefan Krieger: Da wir ja sehr mobil sein müssen, sind das bei uns gar nicht so viele. Wir haben einen Ü-Wagen im Einsatz, in dem wir die Technik vorhalten und die Berichte und Einspieler – unter anderem für die Sportschau und Tagesschau – schneiden. Für die Aufnahmen sind immer zwei drahtlose Kameras dabei, die mit unseren Redakteuren spannendes Hintergrundmaterial und Interviews aufnehmen. Das französische Fernsehen, das die Hauptübertragung durchführt, ist da natürlich groß aufgestellt. Hier gibt es allein drei Hubschrauber und fünf Motorräder mit Kameras. Zusätzlich ungefähr zehn bis 20 statische Kameras für Start, Ziel und weitere wichtige Punkte der jeweiligen Etappe.

Storage-Insider: Wie kam beziehungsweise kommt das Material zurück zum Sender und dort ins Archiv?

Stefan Krieger: Das passiert primär über Satellit und auch per Internet über eine interne Lösung. Das französische Fernsehen stellt die Übertragung der EBU [European Broadcasting Union], der die ARD angehört, zur Verfügung. Unser Archiv, das wir zusammen mit dem SWR in Baden-Baden haben, übernimmt dieses Signal direkt auf die dortigen Server.

Storage-Insider: Welche Software und Hardware werden zum Playout der Clips im Ü-Wagen eingesetzt?

Stefan Krieger: Hier nutzen wir klassisch Avid für das Schneiden der Beiträge. Die Silent Bricks sind hier in das Avid-Netzwerk als Datenspeicher eingebunden, und unsere Cutter greifen direkt auf die archivierten Aufnahmen zu.

Storage-Insider: Welche Software wird zur Verwaltung der Archive eingesetzt?

Stefan Krieger: Die ARD setzt hier schon sehr lange auf die etablierte FESAD-Datenbank. Die einzelnen Szenen und Highlights werden darin verschlagwortet und mit Time-Code versehen. So können wir sie für die aktuelle Berichterstattung zügig herausfinden.

Storage-Insider: Was überzeugt am meisten an den Silent Bricks?

Stefan Krieger: Das Hauptargument ist die kompakte Vorhaltung eines ganzen Radsportjahres auf nur einem Brick. Bisher mussten wir hier 60 XDCAM, also optische Scheiben, mitnehmen. Das Silent-Brick-System ist mit seinen 24 Terabyte also quasi für unsere Zwecke maßgeschneidert.

Die Lesegeräte, die Silent Brick Drives, können platzsparend mit nur einer 19-Zoll-Höheneinheit in jedem Übertragungswagen installieren werden. „Von der Art und Weise her funktioniert das wie früher mit Betacam-Bändern, nur mit dramatisch höherer Kapazität“, sagt Stefan Krieger.

Bei der Hochrechnung der benötigten Speichergröße stellte sich heraus, dass auf die 24-Terabyte-Version (16 TB netto bei höchster Sicherheitseinstellung) des Silent Bricks die Aufzeichnungen eines ganzen Radsportjahres passen sollten. „Das System ist also wie maßgeschneidert für unseren Einsatz“, freut sich Stefan Krieger. Da nun auf die XDCAM-Scheiben verzichtet werden kann, ist die Anschaffung der Silent Bricks im Vergleich sogar günstiger.

Um weitere Daten ebenfalls verfügbar zu halten, entschied sich der Saarländische Rundfunk für die Anschaffung von zwei Silent Bricks, da das Silent Brick Drive zwei Slots zur Verfügung stellt. Ein Silent Brick wird für die Archivierung der Aufnahmen genutzt, der andere enthält Grafiken, Fotos, Musik und Jingles, die regelmäßig bei Einspielern eingesetzt werden. Jedes Jahr wird ab sofort ein weiterer Silent Brick beschafft und ist dank der geringen Maße problemlos im Ü-Wagen oder im verfügbaren Koffer transportierbar.

Flexibel alle Aufnahmen dabei

Stefan Krieger ist mit dem neuen Einsatzszenario zufrieden. Ab sofort können über die Verschlagwortung in der ARD-übergreifend genutzten FESAD-Datenbank spektakuläre Ereignisse, Orte und Interviews mit Gewinnern und Verlierern den Redakteuren vor Ort unmittelbar zur Verfügung gestellt werden. Die Zuschauer erhalten damit eine noch abwechslungsreichere Berichterstattung von den beliebten Sport-Events.

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