Wie bei fast allen Unternehmensveranstaltungen derzeit haben auch im Zentrum der „Fujitsu Experience Days“ in München die Themen KI und Digitalisierung gestanden. Eine interessante Neuigkeit gibt es für SAP-Kunden.
Fujitsu sieht in transparenter und ethischer Künstlicher Intelligenz einen Investitionsschwerpunkt der kommenden Jahre.
(Bild: Fujitsu/Rüdiger)
Fujitsu hatte seine Gäste bei glühender Hitze in die kühlen Eisbach-Studios bestellt. Dort informierte das Unternehmen anlässlich der diesjährigen Experience Days zusammen mit Partner Intel und anderen über neue Trends. Die Keynote am ersten Veranstaltungstag hielt Louis Garnier, der das Plattformgeschäft im deutschsprachigen Raum verantwortet. Er widmete sich einem Streifzug durch die Gemengelage, in der sich die Wirtschaft angesichts der Digitalisierung befindet.
Synergie durch digitale Nachhaltigkeitsinitiativen
Dabei betonte Garnier, dass Digitalisierung es möglich mache, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit synergistisch anzustreben. Denn sieben von zehn Kunden wollten nachhaltige Produkte und Lösungen, ohne dadurch ihren wirtschaftlichen Erfolg zu verlieren. Hier böten geschickte digitale Lösungen die Chance auf einen Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig würden auch die Kunden zufriedener.
Zweites großes Thema sei die gesellschaftliche Akzeptanz der Digitalisierung. In dieser Hinsicht falle Deutschland weiter zurück, sagte Garnier und präsentierte entsprechende Daten einer breit angelegten Studie.
Demzufolge ist Deutschland bei der internationalen Wettbewerbsfähigkeit auf Platz 19 zurückgefallen. Platz 1 hat Dänemark inne, auf Platz 2 finden sich die USA, China ist Fünfter und Österreich immerhin auf Rang 18.
Mehr Speed bei allen wirtschaftlichen Vorgängen
Das liege an zu wenig Digitalisierung, und dies habe mit der gesamten Herangehensweise hierzulande zu tun. Man hinterfrage lieber, als einfach zu machen. Dies sei eine gesellschaftliche Verfasstheit, die sich nicht auf Zuruf ändern lasse, sondern die man in seine Argumentation mit einbeziehen müsse.
„Technologieskepsis in Deutschland ist gesellschaftliche Haltung, mit der man rechnen muss“, sagt Louis Garnier, verantwortlich für Fujitsus Plattformgeschäft im deutschsprachigen Raum.
(Bild: Rüdiger)
Die Geschwindigkeit der Digitalisierung und ihrer Einflüsse auf die Wirtschaft schreite aber unbegrenzt voran. So habe Netflix noch dreieinhalb Jahre gebraucht, um eine Million Kunden zu finden, OpenAI mit „ChatGPT“ gerade fünf Tage. Bei solchen Geschwindigkeiten könne man die Relevanz von Geschäftsmodellen innerhalb von Tagen validieren.
Unbegründet sei die Angst vor der KI. Der heutige Fujitsu Fellow Emeritus und ehemalige Technologiechef Joseph Reger hat am Beispiel der Tiererkennung klargemacht, wie weit es heute mit der KI im Vergleich zur menschlichen Intelligenz stehe: Eine nicht vortrainierte KI brauche mehrere Millionen Bilder Input bis sie beispielsweise eine Katze sicher erkenne – ein Kind verinnerliche das „Konzept Katze“ schon nach wenigen Begegnungen mit diesen Tieren.
Mehr Leistung verspreche die Verbindung zwischen KI und Quantencomputing. Fujitsu setzt hier vorläufig auf den Digital Annealer, der mit digitalen Mechanismen Quantenberechnungen simuliert. Das Gerät kommt beispielsweise zusammen mit KI im Hamburger Hafen zum Einsatz, wo die Logistik optimiert wird. Resultat sind unter anderem 20 Prozent weniger Emissionen.
KI-Transparenz noch mangelhaft
Allerdings, so Garnier, gebe es durchaus Bereiche, in denen noch gearbeitet werden müsse. Bedrohlich sei es etwa, dass mit KI unterfütterte Angriffe im Darknet entwickelt und mit industriellen Methoden vertrieben würden. Hier müsse die Sicherheits-Software aufholen.
Weiter fehle es derzeit noch an Transparenz über den Weg, auf dem eine KI zu ihrer Entscheidung gekommen sei. Deshalb investiere Fujitsu zwei Milliarden Euro in „Trustworthy Explainable AI“, so Markus Seifart, bei Fujitsu Head of Consulting Infrastructure Solutions.
Viele japanische Firmen investieren viel in KI; in Summe überbieten sie die Investitionen von Microsoft und IBM. Siemens findet sich auf Platz 11.
(Bild: Fujitsu/Rüdiger)
Entstehen sollen Frameworks und Tools für die Rückverfolgbarkeit von AI-Entscheidungen. Außerdem sollen die Werkzeuge helfen, ethische Verhaltensweisen der AI sicherzustellen. Solche Mechanismen sollen beispielsweise verhindern, dass marginalisierte Gruppen (Frauen, Migranten, Dunkelhä und so weiter) selektiv benachteiligt werden.
Dazu, wie Anwender KI sehen, präsentierte Garnier Zahlen. Größte Falle sei mit 71 Prozent Nennungen die Datenqualität, 59 Prozent benennen Data Science, 44 Prozent Kultur und Organisation und 42 Prozent die zu knappen Budgets.
Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten
Fujitsu nennt auch weitere Beispiele für den KI-Einsatz bei seinen Kunden. Beispielsweise wird damit am Nürburgring die Rennsicherheit erhöht. Mit der österreichischen Asfinag arbeitet Fujitsu an der Optimierung der Standorte von Ladesäulen. Bei der Bank BBVA realisierte Fujitsu eine Predictive-Maintenance-Lösung, die den Ausfall von Bankautomaten zu 98 Prozent richtig prognostiziert und damit vorbeugendes Eingreifen ermöglicht.
Stand: 08.12.2025
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In einem EU-Projekt mit Fujitsu-Beteiligung geht es um AI-Frameworks zur Analyse von Bewegungsmustern auf öffentlichen Plätzen. Sie sollen auffällige Entwicklungen so schnell erkennen, dass es möglich ist, einzugreifen, bevor Gefährdungssituationen beispielsweise bei Open-Air-Konzerten und Demos eskalieren.
Interessante Storage-Kundenprojekte
Wer sich mit KI beschäftigt, kommt um das Thema Daten nicht herum. Hier hatte Fujitsu wenig Neues im Gepäck, versprach aber immerhin, dass das gesamte Storage-Portfolio, abgesehen von bereits durchgeführten Bereinigungen, weiter fortgeführt und verbessert werde. Auch die bisherigen Partnerschaften, etwa mit Netapp oder Qumulo, sollen wohl weiterlaufen.
Außerdem berichteten Stefan Roth, fürs Speichergeschäft in Zentraleuropa verantwortlich, und René Hübel, Head of Technical Competence Center Europe bei Fujitsu, über einige interessante Kundenprojekte: Für einen Polizeikunden wurde eine digitale Asservatenkammer mittels „Eternus CS 8000“ plus Tape-Auslagerung errichtet. Im Bezirkskrankenhaus Kufstein gelang es, die bis dahin oft hängenden visuellen Anwendungen zur Zufriedenheit der Ärzte zu beschleunigen.
Inspektion und optimale Platzierung von SAP
Besonders wichtig ist für Fujitsu schon lange das SAP-Geschäft. Hier arbeitet man mit der in diesem Sektor weltweit renommierten Universität Magdeburg zusammen.
Schon etwas länger gibt es den gemeinsam entwickelten „System Inspection Service“. Er vermisst innerhalb von vier Wochen bis hin zu mehreren Monaten im Detail eine bestehende Kunden-SAP-Landschaft und gibt am Ende detaillierte, datenbasierte, KI-gestützte Hinweise zu ihrer Verbesserung.
Wohin mit welcher SAP-Instanz? Diese Frage beantwortet der neue, mit der Uni Magdeburg entwickelte Service „Best Place“.
(Bild: Fujitsu/Rüdiger)
Recht neu im Portfolio ist seit etwa Jahresende 2022 der Service „Best Place“. Auch hier war die Universität Magdeburg mit von der Partie. Ziel ist, eine SAP-Installation optimal auf On-Premises, Hybrid-Cloud oder Cloud-Only zu verteilen und jeweils optimal zu konfigurieren.
Das bedeutet bei Cloud-Ressourcen, dass sowohl die Vorbestellung als auch On-Demand-Ressourcen als Alternativen einbezogen werden. Auch der Netzverkehr fließt in die Kalkulation ein.
SAP-Evolution im Zeitraffer
Kunden erarbeiten zunächst ihre SAP-bezogenen Ziele und Indikatoren, etwa im Bereich Sicherheit, Skalierbarkeit, Strategie oder TCO. Anschließend wird die SAP-IT als DNA-Strang konfiguriert und durchläuft genetische AI-Algorithmen.
Am Ende der algorithmischen Evolution, die Millionen von Alternativen bewertet, benennt das System die drei besten Alternativen bezüglich der Kundenziele und beschreibt bei hybriden Lösungen auch gleich, wo welche Komponenten der SAP-Infrastruktur am besten platziert werden und ob dies auf vorbestellten oder On-Demand-Ressourcen geschehen sollte.
Dabei treten oft Kostenunterschiede vom Zwei- bis Dreifachen zwischen einer hybriden und einer reinen Cloud-Installation zu Tage. Bereits erfolgreich eingesetzt hat die Lösung beispielsweise der Kunststoffverarbeiter Rehau.
Fujitsu ist überzeugt, dass schon in einigen Jahren die meisten CIOs der größten Unternehmen weltweit solche datenbasierten Lösungen verwenden werden, wenn sie ihre SAP-Workloads platzieren.