Speichertipps für Consumer

Defekte bei Festplatten – Ursachen und Lösungen

| Autor / Redakteur: Jennifer Hansen / Dr. Jürgen Ehneß

Das Innenleben einer Festplatte ist fragil und anfällig für Defekte verschiedener Art.
Das Innenleben einer Festplatte ist fragil und anfällig für Defekte verschiedener Art. (Bild: © Photogrevy - stock.adobe.com)

Genau wie alle Hardware-Komponenten eines Computers sind auch Speichermedien störanfällig. Sowohl HDDs als auch die SSDs können verschiedene Defekte aufweisen.

Vor allem Festplatten (HDD, Hard Disk Drive) sind aufgrund ihrer Funktionsweise deutlich anfälliger für diverse Defekte als die auf Halbleitertechnologie basierenden SSDs (Solid State Drive): Ein Abnehmer läuft, ähnlich wie bei einem Plattenspieler, über rotierende Scheiben. Die vielen beweglichen Teile und die Mechanik, die dabei im Einsatz sind, bieten eine Menge Raum für Defekte jeglicher Art. Wir klären darüber auf, wie welcher Defekt sich bemerkbar macht und was im jeweiligen Fall gegen ihn getan werden kann.

Defekte bei SSDs

Ein großer Vorteil von SSDs und somit auch einer der Gründe, warum sie heute bevorzugt in Computer verbaut werden, ist ihre Robustheit gegenüber jeglicher Art von Erschütterung. Ein Defekt, der im Anschluss eine Datenrettung oder Reparatur erforderlich macht, tritt bei ihnen nur in seltenen Fällen auf.

Sollte eine SSD doch einmal defekt sein, liegt der „Fehler“ dann meistens auch nicht beim Nutzer sondern bei einer der verbauten Komponenten. Nicht selten lässt sich das schon nach kurzer Nutzungszeit bemerken, sodass von Garantie und Gewährleistung – Achtung: die Begriffe nicht vermischen! – noch Gebrauch gemacht werden und das Gerät umgetauscht werden kann.

Im Gegensatz zu HDDs kündigen sich drohende Fehler oder potenzielle Ausfälle bei SSDs im Vorfeld allerdings nicht an. Meistens treten sie plötzlich und unerwartet auf, sodass Defekte überraschend zu ärgerlichen Datenverlusten oder zumindest zum vorübergehend eingeschränkten Zugang auf die Daten führen. Da die Datenrettung von SSD nicht nur zeitlich, sondern auch technologisch sehr aufwendig ist, ist es umso wichtiger, regelmäßige Backups zu erstellen.

Die SSD wird nicht mehr erkannt

Der häufigste Defekt einer SSD ist ihr plötzlicher Ausfall. Schuld daran sind in der Regel die eingesetzten SSD-Controller, an denen Überspannungsschäden auftreten können. Diese wiederum können andere potenzielle Defekte erzeugen oder hohe Umgebungstemperaturen schaffen. Da ein SSD-Controller die gesamte Organisation von Daten in den Speicherzellen der NAND-Chips einer SSD regelt, sind Überspannungsschäden an ihm fatal.

Wer keine regelmäßigen Backups erstellt hat, hat schlechte Chancen, wieder an seine Daten zu kommen. Was noch versucht werden kann: einen anderen SATA-Port auf der Computerhauptplatine ausprobieren. Manche Computer besitzen nämlich zwei SATA-Ports auf dem Mainboard. Unter Umständen ist der Anschluss defekt, an den die SSD-Festplatte angeklemmt wurde. Außerdem sollte sichergestellt werden, dass das neueste BIOS-Update für die Hauptplatine vorgenommen wurde. Erkennt der PC die SSD immer noch nicht, kann letztlich noch die AHCI im BIOS deaktiviert werden. Dazu ist das BIOS aufzurufen und dort der AHCI-Modus auf „Disabled“ umzustellen. Die Technik soll eigentlich für eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen System und SATA-Controllern sorgen, zumindest bei älteren Boards bewirkt AHCI jedoch das glatte Gegenteil.

Die SSD wird sehr heiß

Wird die SSD sehr heiß, liegt ebenfalls ein schwerwiegender Defekt vor, der auch auf die Spannungsversorgung des Laufwerks zurückzuführen ist. Mit etwas Glück ist der Zugriff auf die Daten dann noch möglich, allerdings sind die Datentransferraten dabei eingeschränkt – sprich: Alles funktioniert nur noch deutlich langsamer. Meistens erkennt das System die SSD aber auch in diesem Fall gar nicht mehr.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Unsicherheiten aufgrund zu heißer SSDs können sein:

  • Ein Tool herunterladen, mit welchem sich die Temperatur der SSD auslesen lässt, um sicherzustellen, ob die SSD wirklich zu heiß geworden ist. Temperaturen bis 60 Grad Celsius liegen noch im Toleranzbereich und sind unbedenklich.
  • Ist die SSD heißer, können der Computer ausgeschaltet und das Stromkabel entfernt werden. Anschließend sollte das Gehäuse des PCs oder Notebooks geöffnet und geprüft werden, ob sämtliche Lüfter frei liegen. Eventuell ist die Hitze einfach ein Lüfterproblem.

Auch Staub kann die Lufteinlässe und/oder den Lüfter blockieren. Regelmäßiges vorsichtiges Saugen des Computers und der PC-Komponenten verhindert durch Staub produzierte Überhitzungen.

Defekte bei HDD-Festplatten

Bei hörbaren Defekten von HDDs ist in jedem Fall ein Experte zurate zu ziehen.
Bei hörbaren Defekten von HDDs ist in jedem Fall ein Experte zurate zu ziehen. (Bild: © D. Ott - stock.adobe.com)

Selbst wenn eine HDD gezielt für bestimmte Einsatzbedingungen und nach Zuverlässigkeit ausgewählt wurde, kommt es nicht selten vor, dass die Festplatte nach einiger Zeit einen Defekt aufweist. Dass die HDD nicht erkannt wird, ist wie auch bei der SSD der wohl häufigste Defekt.

Und im Grunde empfehlen sich auch hier die bereits beschriebenen Maßnahmen: Zunächst ist im BIOS des Notebooks, Servers oder PCs zu überprüfen, ob die betroffene Festplatte innerhalb der angezeigten angeschlossenen Geräte erscheint. Erscheint die HDD hier nicht, sollten die Anschlüsse und das Datenkabel wie auch das Stromkabel am Plattenanschluss auf Schäden oder Kontaktprobleme überprüft werden. Ändert dies nichts, sollten Nutzer nach anderen Fehlerbildern der HDD suchen. Diese machen sich meist durch unterschiedliche Störgeräusche bemerkbar.

Verschiedene Störgeräusche bei HDDs und ihre Ursachen

1. Festplatte schleift und kratzt

Wenn die HDD schleifende oder kratzende Geräusche von sich gibt, handelt es sich meist um einen direkten Kontakt der Schreib-/Leseeinheit mit den rotierenden Magnetscheiben im Inneren der Festplatte. Dieser Defekt kann zum einen durch einen Festplatten-Headcrash in Form einer schwerwiegenden Erschütterung des Laufwerks oder einfach auch durch Verschleiß der Festplattenmechanik entstehen.

Durch den beschriebenen Kontakt kann es zur Entstehung kleinster Partikel kommen, die wiederum erneut unter die Schreib-/Leseköpfe geraten können. Das führt zu weiteren Beschädigungen.

Schleif- und Kratzgeräusche sind demnach sehr ernst zu nehmen. Am besten ist das Gerät nach Feststellung der Störgeräusche sofort abzuschalten und nicht zu verwenden, bis man sich an einen professionellen Datenrettungsservice gewandt und von ihm eine Analyse eingeholt hat. Dieser nämlich kann eine kostenlose Diagnose für die Festplatte vornehmen und die genaue Fehlerquelle analysieren. Außerdem wird durch die Experten, falls der Datenzugriff bereits eingeschränkt ist, eine Liste aller wiederherstellbaren Dateien erstellt.

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2. Festplatte klickt und klackert

Klickende oder klackernde Geräusche an der HDD können beim Anschalten des PCs oder Notebooks durchaus einmal vorkommen und sind noch kein Grund zur Sorge. Kritisch allerdings werden diese Störgeräusche, wenn sie während des Arbeitens oder direkt nach dem Anschalten dauerhaft wahrzunehmen sind.

Diverse Ursachen können für Klickern und Klackern an der HDD verantwortlich sein:

  • Die Leseeinheit der HDD ist aufgrund elektrostatischer Entladung beschädigt,
  • der Lesekopf der Festplatte ist physikalisch defekt,
  • der Lesekanal auf der Platine/PCB der HDD ist defekt,
  • der VCM-Treiber der Festplatte ist beschädigt,
  • das Laufwerk ist stark erschüttert worden,
  • es liegen Defekte an der Mechanik vor,
  • es sind fehlerhafte Sektoren auf den Magnetscheiben der Festplatte entstanden.

Da bei einer HDD auch im Falle von Klicker- und Klackergeräuschen die Gefahr eines Datenverlustes droht, ist auch hier nicht lange zu warten. Eine Datensicherung, falls noch möglich, sollte die erste Maßnahme sein. Von Selbstversuchen der Reparatur ist auch hier abzusehen – nur ein Profi ist in der Lage, die genaue Ursache auszumachen und zu beheben.

3. Festplatte fiept und piepst

Ein Piepsen oder Fiepen an Festplatten entsteht meistens durch den sogenannten VCM-Treiber der HDD. Dieser VCM-Treiber ist ein spezifisches Bauteil, das mit einer Spule verbunden ist. Sie findet sich in vielen Geräten, die über eine Motor- oder Sensorsteuerung verfügen. Die Funktion des VCM lässt sich in etwa mit einem elektronischen Vorverstärker vergleichen. Liegt ein Problem mit der Schreib-/Leseeinheit der Festplatte vor und lässt diese sich nicht aus ihrer Position lösen, so wird die elektrische Spannung durch den VCM erhöht. Die Folge: Die HDD piepst oder fiept.

Regelmäßige Backups auf mindestens eine externe Festplatte sind für die Datensicherheit in jedem Fall ratsam.
Regelmäßige Backups auf mindestens eine externe Festplatte sind für die Datensicherheit in jedem Fall ratsam. (Bild: © studio v-zwoelf - stock.adobe.com)

Kurz gesagt: Eine piepsende Festplatte versucht, mit dem größtmöglichen elektrischen Kraftaufwand die Schreib-/Leseeinheit über den VCM anzusteuern. Dies ist ein eindeutiges Signal für ein ernsthaftes Problem der HDD, das man als Nutzer nicht ignorieren sollte. Auch hier gilt: Die Festplatte schnellstmöglich, nach einer Datensicherung, ausschalten und sich an einen Experten wenden. Praktische Sofortmaßnahmen und „einfache“ Tipps lassen sich an einem Punkt, an dem HDDs eindeutig ungesunde Geräusche machen, leider nicht mehr geben. Lediglich zum grundsätzlichen Umgang mit HDDs können wir abschließend noch einmal Folgendes betonen:

  • Externe Festplatten sollten vor dem Herunterfahren des Systems korrekt von diesem abmeldet werden, bevor der Computer ausgeschaltet oder vom Strom getrennt wird.
  • Sowohl bei externen als auch bei den in PCs und Notebooks verbauten HDDs ist jegliche Art von Erschütterung oder Stößen unbedingt zu vermeiden. Notebooks mit verbauten HDDs sind in angeschaltetem Zustand am besten nicht einmal herumzutragen. Falls doch, ist große Vorsicht geboten.
  • Zwar können auch SSDs irgendwann verschleißen, sie sind aber deutlich beständiger als HDDs. Letztere sind im regelmäßigen Turnus auszutauschen. Vor allem aber sind wichtige Daten nicht nur zentral auf einer einzelnen Platte, sondern mit Backups auf verschiedenen Festplatten (und/oder in der Cloud) zu speichern.

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