Kritik an digitalen Technologien„Digitalscham“: vernachlässigbares Nischenthema oder ernstzunehmender Kritikpunkt?
Von
Melanie Schumann
Die Digitalisierung hat fast alle Lebensbereiche durchdrungen. Passend dazu finden sich immer häufiger mahnende oder sogar lautstark kritisierende Stimmen. Doch müssen diese überhaupt ernstgenommen werden, oder handelt es sich bei der eingeforderten „Digitalscham“ nur um ein typisches Strohfeuer der Netzkultur?
Muss man sich für Herstellung und Betrieb digitaler Systeme schämen, weil unserem Planeten daraus Nachteile entstehen?
Das Bewusstsein vieler Menschen für Themen, die eine breite Bevölkerung betreffen, hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Schwerpunkte dabei sind der Schutz von Klima, Natur und Umwelt.
In einer solchen Zeit dürften viele Leser den Begriff „Flugscham“ kennen: also ein Schamgefühl, das Flugreisende empfinden (sollen), da diese Reiseform sich durch einen besonders hohen CO2-Ausstoß pro Person auszeichnet.
In ähnlicher Manier lässt sich aktuell häufiger der Begriff „Digitalscham“ vernehmen. Doch wo sich die Flugscham tatsächlich nur auf den Klima-Aspekt fokussiert, handelt es sich bei der Digitalscham um einen weiter aufgefächerten Begriff. Was er alles umfasst, zeigen wir in diesem Beitrag ebenso auf wie wir verraten, ob und wie digitale Unternehmen aus dem Storage-Bereich darauf reagieren können.
Digitalscham: Geltungsbereich des Begriffs
Warum sollte jemand Schamgefühle empfinden, weil er auf eine äußerst vielfältige Riege digitaler Technologien zurückgreift? Analysiert man den Kontext des Begriffs Digitalscham, lassen sich mehrere Schwerpunkte ausmachen:
1. Energieverbrauch: Jede digitale Aufgabe verbraucht Energie. Hier werfen Kritiker ein, dass die Nutzung digitaler Technologien einen hohen Stromverbrauch verursacht. Davon ausgehend, müssen mehr fossile Energieträger genutzt werden (mit entsprechenden Auswirkungen auf das Klima).
2. Rohstoffverbrauch: Von Halbleiterbauteilen bis zu Akkumulatoren benötigt jede Technologie Rohstoffe. Vornehmlich konzentriert sich die diesbezügliche Kritik auf die Nutzung (respektive den konkurrierenden Bedarf unterschiedlicher Anwendungen) von seltenen Erden. Allerdings erstreckt sich die Kritik ebenso auf breiter verfügbare Elemente, die jedoch nur durch umweltschädigende und/oder energieintensive Abbau- und Herstellungsmethoden verfügbar sind – beispielsweise Lithium, dessen Abbau zahlreiche Auswirkungen hat.
3. Abfallaufkommen: Viele Hardware-Komponenten haben aus unterschiedlichen Gründen eine vergleichsweise kurze Lebenszeit. Vornehmlich erstreckt sich die Kritik zwar auf Consumer-Elektronik, einige Stimmen kritisieren jedoch generell die geringe „Halbwertszeit“. Im Fokus stehen dabei das allgemeine Abfallaufkommen, die Recyclingrate und die dafür benötigte Energie.
Digitalscham: Bewertung der Kritikpunkte
Kritik ist schnell ausgesprochen. In vielen Kulturkreisen obliegt es dann dem Kritisierten, die Anwürfe zu widerlegen. Werfen wir deshalb einen Blick auf die wichtigsten Kritikpunkte und ihre Hintergründe.
Stromverbrauch
Ja, in der Tat verbraucht jede Form von Digitalisierung Strom. Allerdings ist das Thema definitiv zu vielfältig, um Digitaltechnologien nur anhand dieser einzelnen Tatsache zu kritisieren:
Das Internet ist beim Strom tatsächlich einer der größten Einzelverbraucher der Welt. Zirka zwei Prozent des globalen Energiebedarfs gehen auf den Betrieb des Netzes mit all seinen Sparten und Anwendungen.
Was Rechenzentren für die Cloud anbelangt, so benötigen diese zwar ebenfalls viel Energie. Jedoch: 2021 betrug der Verbrauch ungefähr 71 Terawattstunden. 2015 waren es 61. Und das, obwohl in diesen sechs Jahren die Cloud um ein Vielfaches gewachsen ist.
Jedes Smartphone verbraucht etwa 7,5 Kilowattstunden Energie jährlich, wenn es täglich aufgeladen wird. Schätzungsweise existieren zwischen 6,0 und 6,5 Milliarden Smartphones weltweit.
Allein, was den reinen Stromverbrauch anbelangt, ist die Kritik mitunter berechtigt. Allerdings ist es abermals nötig, zu unterscheiden:
1. Jede digitale Technologie, die eine analoge ersetzt, verbraucht weniger Strom. Sehr viele sind nur derartige Ablösungen.
2. Gerade bei digitalen Großverbrauchern wird längst schon aus Rentabilitätsgründen sehr viel unternommen, um den Stromverbrauch zu reduzieren – etwa durch Rekuperation in Rechenzentren.
3. Ohne Digitalisierung wäre keine regenerative Stromerzeugung möglich. Allein die Steuerung so vieler unterschiedlicher Stromflüsse ist auf analogem Weg nicht zu managen.
An diesem Punkt muss jeder für sich definieren, was er für wichtige und unwichtige Digitaltechnologie erachtet. Vor allem auf der Seite gedankenloser Konsumenten dürfte es jedoch in der Tat sinnvoll sein, nicht alles jederzeit zu nutzen, bloß weil es verfügbar ist.
Zwar sind die benötigten Rohstoffmengen und die Verarbeitungsbedingungen bekannt. Ferner ist natürlich unstrittig, wie sehr sich einige Abbaumethoden negativ auf das Ökosystem auswirken.
Die hauptsächlichen Schwierigkeiten liegen hierbei jedoch nicht so sehr an der Digitalisierung per se, sondern vielmehr der Herangehensweise daran:
Vielfach ist die Rohstoffbeschaffung durch ein völlig intransparentes Netz von Sub-Kontraktoren gekennzeichnet, wodurch es für die Hersteller oft nicht ersichtlich ist, aus welchen Quellen die Rohstoffe stammen und zu welchen Bedingungen sie abgebaut wurden.
Viel Digitaltechnik wird in Nationen hergestellt, die nur sehr geringe Schutzstandards aufweisen.
Ferner sei darauf hingewiesen, dass längst nicht jeder digital genutzte Rohstoff selten ist oder in Konkurrenz zu anderen Nutzungen steht.
Abfallaufkommen
Ja, die weltweiten Elektronikmüllberge füllen sich rasch. Doch abermals wäre es falsch, der Digitalisierung an sich die Schuld zu geben. Denn die Entwicklungen erfolgen hauptsächlich deshalb in so kurzen Zyklen, weil es schlicht eine hohe Nachfrage und einen ebensolchen echten Bedarf nach immer mehr Leistungsfähigkeit und neuen Geräten gibt.
Eine Kritik, die sich zumindest Hersteller sicherlich gefallen lassen müssen, ist jedoch die des Recyclings. Vor allem die seltenen Erden haben in der Tat eine zu geringe Recyclingrate – dies liegt hauptsächlich an den geringen verbauten Mengen und deren komplexer Integration.
Weiter müssen sich Staaten dafür kritisieren lassen, dass sie sich nicht auf einheitliche Recyclingvorgaben verständigen. Hier herrscht ebenfalls Nachholbedarf.
Und nicht zuletzt müssen sich abermals Endverbraucher im Spiegel betrachten. Erneut gilt: Jeder kann selbst bestimmen, ob er ältere Geräte noch länger nutzt. Spätestens mit alternativen Betriebssystemen ist selbst dann noch eine zeitgenössisch (sichere) Verwendung möglich, wenn der Herstellersupport längst eingestellt wurde.
Allerdings darf bei aller Kritik eines nicht vergessen werden. Das gilt für alle drei Digitalscham-Positionen: Die gesamte digitale Branche ist längst dabei, sich mit raschem Tempo umzuwandeln, damit nur noch das benötigt wird, was unabdingbar ist.
Stand: 08.12.2025
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Digitalscham: wie Unternehmen und Betreiber reagieren sollten
Einige der Vorwürfe lassen sich nicht von der Hand weisen. Allerdings wäre es falsch, gar nicht zu handeln – weder im Vorfeld noch nach ausgesprochener Kritik. An dieser Stelle deshalb ein Handlungsleitfaden:
Kritisiert werden kann nur der, der Angriffsflächen bietet. Betreiber von Rechenzentren sollten deshalb ihre Systeme mit einem starken Fokus auf den Schutz von Klima, Umwelt und Natur konzipieren und betreiben. Vielfältigste Möglichkeiten hierzu sind vorhanden und müssen nur genutzt werden.
Ablehnung entsteht häufig durch Unwissenheit. Dagegen sollten Unternehmen von sich aus offensiv kommunizieren und Transparenz zeigen. Das umfasst Verbräuche ebenso wie jede einzelne Anstrengung, um diese zu reduzieren oder zu kompensieren.
Jede Kritik sollte zunächst einmal ernst genommen werden. Allerdings sei angeraten, zwischen berechtigter und unrealistischer Kritik zu unterscheiden.
Zusammengefasst
Die digitale Welt hat zweifellos und erwiesenermaßen Auswirkungen negativer Art auf das Klima, die Umwelt und die Natur. Und sicherlich gibt es digitale Produkte, die zuvor nichtexistente Probleme lösen möchten und daher überflüssig sind. Insofern ist eine gewisse Form von Digitalscham angebracht. Einfach aus dem Grund, weil nur dann die richtige Einstellung zum bewussten Umgang mit diesen Technologien entsteht.
Andererseits fordern einige Menschen eine Digitalscham, hinter der sich eine viel umfassendere Ablehnung von Digitaltechnologien insgesamt verbirgt. Diese Extremform kann sicherlich kein Vorbild sein. Dafür ist die Digitalisierung insgesamt zu wichtig für uns. Zumal nicht vergessen werden sollte, dass ein großer Teil der Digitalisierung nur deshalb besteht, um die Probleme, die durch eine analoge Lebensweise entstanden sind, zu verringern und dadurch den Planeten zu einem besseren Ort für uns zu machen.
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