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Private-Cloud-Modelle mit Zuwachs Hat die öffentliche Cloud ausgedient?

Von Henrik Hasenkamp* 4 min Lesedauer

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Während der Gesamtmarkt für die Cloud weiter im Wachstum begriffen ist, stagniert der Zuwachs im Public-Cloud-Segment – teilweise ziehen sich Unternehmen sogar aus der öffentlichen Cloud zurück. Was bedeutet der Trend für die Branche?

Kein Weiterkommen – oder auf Umwegen doch? (Bild:  frei lizenziert:  00luvicecream /  Pixabay)
Kein Weiterkommen – oder auf Umwegen doch?
(Bild: frei lizenziert: 00luvicecream / Pixabay)

Deutschland macht Fortschritte bei der Digitalisierung und setzt auf Cloud-Technologien. Laut KPMG-Cloud-Monitor lag der Anteil der Cloud-nutzenden Unternehmen 2022 bei 84 Prozent – innerhalb der letzten zehn Jahre ist der Anteil damit um knapp 50 Prozent gestiegen.

Nur für drei Prozent kam die Cloud aus verschiedenen Gründen – insbesondere Datenschutzbedenken – nicht in Frage. Vor allem die Beliebtheit der Private Cloud ist in den letzten beiden Jahren von 63 auf 67 Prozent gestiegen. Public Cloud wuchs im selben Zeitraum nur um einen Prozentpunkt.

Diese Entwicklungen widersprechen der allgemeinen These, dass die Public Cloud, insbesondere Hyperscaler wie Microsoft Azure, Google Cloud und AWS immer weiter wächst. Die Gründe für die Abkehr hin zu privaten Cloud-Modellen sind indes vielfältig.

Die Erwartungen an Public Clouds sind groß

Unternehmen wollen bei der Nutzung einer Cloud von ihren Vorteilen profitieren: schnell skalierbare Leistung auf Knopfdruck zu moderaten Preisen. Vor allem aber kommt es Organisationen auf die Leistungsfähigkeit und Stabilität der Services in der Cloud an.

Dieser Anspruch ist berechtigt, laufen in Unternehmen viele kritische Prozesse über die Cloud – ein Ausfall des Dienstes hat somit direkte negative Konsequenzen für den Geschäftsbetrieb. Ein weiteres zentrales Kriterium ist ein ausgereiftes Sicherheits- und Compliance-Konzept des Providers, um Datenpannen und große Schäden bezüglich Umsatz und Reputation im Unternehmen zu verhindern.

Edge benötigt Public Cloud

Edge-Computing-Modelle helfen Unternehmen dabei, im Tagesgeschäft anfallende Daten vorzusortieren, bevor sie zur Weiterverarbeitung an die Cloud weitergeleitet werden. Public Clouds finden deswegen auch in der stetig wachsenden Edge-Welt weiterhin Verwendung.

Bei der Edge handelt es sich um keine Alternative zum Cloud-Computing – vielmehr weitet sie die Möglichkeiten zur Bereitstellung der IT-Infrastruktur aus. Die Verantwortlichen müssen sich in der Praxis also nicht grundsätzlich zwischen Cloud und Edge oder zwischen Public Cloud und Private Cloud entscheiden. Sie sind vielmehr gefordert, für den jeweiligen Use-Case einen passenden Architekturansatz zu finden – wobei in vielen Fällen auch eine Kombination aus zentraler und dezentraler Bereitstellung von IT-Ressourcen vorstellbar und sinnvoll ist.

Das heißt: Es gibt einen immensen Bedarf an IT-Architekturen, die Edge und Cloud verbinden – mit der Public Cloud als integralem Bestandteil. Diese Bereitstellungsform hat das größte Potenzial zu Kosteneinsparungen, das laut Cloud Monitor mit Abstand wichtigste Ziel bei der Umsetzung von Cloud-Strategien.

Dennoch verzichten bislang mehr als 50 Prozent der Unternehmen hierzulande auf die Public-Cloud-Nutzung. Dabei ziehen immerhin 28 Prozent diese grundsätzlich in Betracht und setzen sie nicht um.

Gründe für die Abkehr von der Public Cloud

Gleichzeitig ist der Begriff Public Cloud eng mit Branchenriesen wie AWS, Google und Microsoft Azure verbunden. Diese bieten ihren Kunden standardisierte Angebote zu günstigen Preisen an, mit denen Unternehmen sofort loslegen und ihre Assets in die Cloud verlagern können.

Doch Cloud-Computing besteht aus weit mehr als nur der Bereitstellung von Storage-, Network- und Computing-Leistung: Auch wenn sie viel vereinfacht, sind Unternehmen bei Einrichtung und Betrieb der Cloud auf guten Support angewiesen.

Bei der Integration eines Cloud-Angebots gibt es großes Fehlerpotenzial, weshalb Organisationen schnelle Beratung und Problemlösungen benötigen. Laut Cloud Monitor waren nur 31 Prozent der befragten Unternehmen während der ersten zwölf Monate bei der Migration in die Public Cloud mit ihrem Anbieter zufrieden.

Gut die Hälfte klagte über Probleme bei der Umsetzung von Compliance- sowie Security-Anforderungen. Die Problemlösung ist in vielen Fällen schwierig, da der Support bei Hyperscalern oft ausgelagert ist. Eine Beratung findet in Problemfällen nur indirekt statt.

Was können Unternehmen tun, um sich auf die Zukunft vorzubereiten?

Dennoch: Eine Cloud-Repatriation, also die Rückführung von Daten aus der Cloud in eigene On-Premises-Rechenzentren, lohnt sich für die wenigsten Unternehmen. Gerade mittelständische Unternehmen können von der Cloud profitieren, da sie nicht nur Leistung auf Abruf anbietet: Dadurch dass Aufbau, Wartung und Absicherung von On-Premises-Rechenzentren bei einem Cloud-Betrieb wegfallen, haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter chronisch unterbesetzter IT-Abteilungen mehr Zeit für Aufgaben zur Verfügung, die das Geschäft vorantreiben.

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Darüber hinaus ist die Cloud in den meisten Fällen wirtschaftlicher als ein eigenes On-Premises-Rechenzentrum. Anstatt für neue Hardware Budget aufwenden zu müssen und beim Einbau Betriebsunterbrechungen zu riskieren, reicht ein Klick, und die gewünschte Leistung steht zur Verfügung.

Damit es nicht zum bösen Erwachen kommt, sollten Unternehmen sich an lokale Cloud-Provider halten, die sich neben den Hyperscalern etabliert haben. In puncto Kosten sind sie zwar oft ein wenig teurer, einige bieten allerdings eine minutengenaue Abrechnung nach abgerufener Leistung an. Unternehmen zahlen also nur für die Leistung, die sie wirklich gebraucht haben.

Cloud ≠ Hyperscaler

Zudem können lokale Anbieter einen direkteren und nahbareren Support gewährleisten als ihre großen Pendants, da sie diesen Service nicht an Dritte auslagern. Bei Schwierigkeiten im Implementationsprozess ist somit schnell Hilfe zur Hand, bevor sich die Probleme anhäufen.

Um von den Vorteilen beider Modelle – On-Premises und Public Cloud – zu profitieren, sollten sich Unternehmen mit der Hybrid-Cloud auseinandersetzen. Hier laufen eigene, lokale Rechenzentren im Verbund mit denen eines oder mehrerer Cloud-Provider.

Der Vorteil: Kritische Informationen lassen sich auf lokalen Servern speichern, während für Aufgaben, die größerer Rechen-, Speicher- oder Netzwerkleistung benötigen, flexibel Cloud-Ressourcen hinzugebucht werden können. Da sowohl die eigene Hardware als auch die des Cloud-Providers in virtualisierter Form vorliegen, lassen sich vorhandene Ressourcen schnell und einfach kombinieren.

*Der Autor
Henrik Hasenkamp ist der CEO von Gridscale. Sein Fazit lautet: Obwohl das Wachstum der Public Cloud im Moment stagniert, ist sie noch lange nicht an ihrem Ende angekommen. Vielmehr werden auch in Zukunft Unternehmen auf sie setzen, um ihr Budget und ihre IT-Abteilungen zu schonen. Allerdings sollten und werden sich mehr Organisationen nach Angeboten abseits der großen Provider umschauen und vermehrt auf lokale Dienstleister setzen, um neuere Konzepte wie Edge Computing erfolgreich umzusetzen.

Bildquelle: Gridscale

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