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Die Krise als Chance: Blaupausen für die IT-Zukunft IT-Finanzierung in Krisenzeiten

| Autor / Redakteur: M.A. Jürgen Höfling / Ulrike Ostler

In Krisenzeiten wie der jetzigen spielen IT und Telekommunikation eine noch wichtigere Rolle als sonst. Dabei sollte die IT-Finanzierung so kreativ gestaltet werden, dass sie nicht nur den Geschäftsbetrieb in der Krise absichert, sondern Chancen für die Zukunft schafft.

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Finanzierungsinstrumente für Rechenzentrumsequipment sollten Liquidität schonen und Chancen für die (IT-)Zukunft schaffen.
Finanzierungsinstrumente für Rechenzentrumsequipment sollten Liquidität schonen und Chancen für die (IT-)Zukunft schaffen.
(Bild: Uwe_Wagschal_pixelio.de)

Im Moment steht nicht nur die gesamtgesellschaftliche Infrastruktur auf der Kippe, wenn die Geldströme abrupt versiegen, sondern auch Teilinfrastrukturen wie Rechenzentren. Datacenter-Lieferanten tun deshalb gut daran, die Maßnahmen der staatlichen Organe durch ähnliche Initiativen in ihrem Wirkungsbereich zu begleiten und zu verstärken. Das ist im Interesse der Allgemeinheit, aber natürlich auch im puren Eigeninteresse.

Originalton Dell Technologies Deutschland: „Gerade im Bereich der Server-, Storage- und Netzwerkprojekte sehen wir großes Interesse für die Null-Prozent-Finanzierung in Verbindung mit einem Zahlungsaufschub.“ Originalton Hewlett Packard Enterprise: „Kunden können zum Beispiel ihre eigene IT-Infrastruktur per Rückmietverkauf in flüssige Mittel umwandeln.“

Und auch der Infrastruktur-Software-Anbieter Nutanix stimmt in solche Töne ein: „Das Nutanix Special Financial Assistance Program sieht für teilnehmende Partner verlängerte Zahlungsziele vor und vergrößert dadurch den finanziellen Spielraum für ihr Geschäft. Darüber hinaus bieten wir Kunden verbesserte Finanzierungsoptionen im Rahmen der Nutanix Financial Solutions.“

Zahlungsaufschub, Nullzins, Lösungsintelligenz

Zumindest die großen Hersteller im IT-Bereich bieten seit Beginn der „Corona“-Einschränkungen eine breite Palette von Finanzierungsinstrumenten, um ihren Partnern und Kunden und nicht zuletzt auch sich selbst einen geordneten Geschäftsbetrieb zu sichern. Entsprechende Instrumente sind ein Zahlungsaufschub von 180 Tagen, geringe bis gar keine Zinsen, individuelle Zahlungspläne, Inzahlungnahme vorhandener Anlagen, kostenlose Zertifizierungen und vieles mehr. Partner und Kunden dürften auch mit Finanzierungsvarianten, die hier nicht genannt sind, bei den Herstellern von Datacenter-Equipment auf offene Ohren stoßen, denn es ist im Interesse beider Seiten, dass „Corona“ nicht dauerhafte Verwerfungen im gesamten IT-Bereich erzeugt.

Gerade zurzeit muss die Datacenter-Ausrüstung auf dem neuesten Stand sein, damit die Nutzer wiederum ihre Kunden, die mehr als sonst die Taschen zuhalten (müssen), vernünftig bedienen können. Andererseits wird man als IT-Nutzer verstärkt fragen, was wirklich notwendig sei und ob man bestimmte Optimierungen nicht auch allein mit organisatorischen Veränderungen und mehr „Klasse als Masse“, sprich: mehr Lösungsintelligenz, erreichen könne.

Telearbeit und Rechenzentrumsinfrastruktur neu gedacht

„Krise“ ist ja letztlich immer auch Chance. In der Organisation der Arbeitswelt heißt das beispielsweise, dass die „Krise“ die Digitalisierung vorantreibt. Die allerorten eingeführte Telearbeit ist ein besonders prägnantes Beispiel für den „Fortschritt durch Krise“ und für neue Lösungen.

Thomas Huber, Director Channel OEM Sales Nutanix Deutschland und Österreich: „Mehr denn je spielt die IT-Abteilung eine entscheidende Rolle dabei, den Geschäftsbetrieb mittels Telearbeit aufrechtzuerhalten.“
Thomas Huber, Director Channel OEM Sales Nutanix Deutschland und Österreich: „Mehr denn je spielt die IT-Abteilung eine entscheidende Rolle dabei, den Geschäftsbetrieb mittels Telearbeit aufrechtzuerhalten.“
(Bild: Nutanix GmbH)

„Mehr denn je spielt die IT-Abteilung eine entscheidende Rolle dabei, den Geschäftsbetrieb mittels Telearbeit aufrechtzuerhalten“, sagt Thomas Huber, Director Channel & OEM Sales bei Nutanix in Deutschland und Österreich. Huber weist in diesem Zusammenhang auf das Angebot „Nutanix Fasttrack for VDI“ hin, mit dem „Unternehmen und Organisationen mit bestehender Virtual-Desktop-Infrastruktur (VDI) Tausende von Telearbeitsplätzen einrichten und die notwendige Infrastruktur für den sicheren und medienbruchfreien Zugriff auf Unternehmensapplikationen und Desktops bereitstellen“ könnten. Das Angebot enthalte spezielle Anreize für Partner und honoriere damit die wichtige Rolle, die diese bei der Implementierung derartiger Lösungen spielten.

Roland Goll, Leader Technical Sales DACH bei der Lenovo Datacenter Group: „Die aktuelle Ausnahmesituation bietet sich an, über alternative Formen der Beschaffung von Rechenzentrums-Infrastruktur nachzudenken.“
Roland Goll, Leader Technical Sales DACH bei der Lenovo Datacenter Group: „Die aktuelle Ausnahmesituation bietet sich an, über alternative Formen der Beschaffung von Rechenzentrums-Infrastruktur nachzudenken.“
(Bild: Lenovo DCG)

Ins gleiche Horn stößt Roland Goll, Leader Technical Sales DACH bei der Lenovo Datacenter Group, wenn er sagt: „Die aktuelle Ausnahmesituation bietet sich an, um über alternative Methoden zur Beschaffung von Rechenzentrumsinfrastruktur nachzudenken, die im ersten Schritt keine hohen Investitionen in Hardware verlangen und es gleichzeitig ermöglichen, flexibel und rasch auf sich unvorhergesehen ändernde Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der IT zu reagieren.“

Und Goll fährt fort: „Managed Services, bei denen der Betrieb der Rechenzentrumsinfrastruktur an einen Dienstleister übertragen wird, sieht Lenovo DCG hier als gute Lösung für Unternehmen jeder Größe an.“

Thomas Wirsing, Regional Sales Director, Dell Financial Services bei Dell Technologies Deutschland: „Unsere On-Demand-Angebote und unsere Asset-Lifecycle-Management-Lösungen finden großen Anklang.“
Thomas Wirsing, Regional Sales Director, Dell Financial Services bei Dell Technologies Deutschland: „Unsere On-Demand-Angebote und unsere Asset-Lifecycle-Management-Lösungen finden großen Anklang.“
(Bild: Dell Technologies GmbH)

Liquidität schonen – Liquidität generieren

Für die finanzielle und letztlich auch technische Flexibilität von Rechenzentrumsleistung, die genau nach Verbrauch abgerechnet wird, sieht auch Thomas Wirsing, Regional Sales Director, Dell Financial Services bei Dell Technologies Deutschland, gerade in „Corona“-Zeiten großen Zuspruch: „Unsere On-Demand-Angebote und unsere Asset-Lifecycle-Management-Lösungen finden großen Anklang.“

Gleichzeitig betont Wirsing aber auch ein großes Interesse von Partnerunternehmen an dem „Payment Flexibility Program“ von Dell, in dem die Finanzierungsinstrumente für den Erwerb von Rechenzentrumsequipment gebündelt sind. „Das neue Programm ist sehr erfolgreich und wurde in allen Kundensegmenten gut aufgenommen. Dabei sind alle Unternehmensgrößen und Branchen vertreten, einschließlich Kunden der öffentlichen Hand.“

Patrik Edlund, International Public Relations Hewlett Packard Enterprise: „Unser Unternehmen kauft auch IT-Systeme zurück, die beim Kunden nicht mehr benötigt werden.“
Patrik Edlund, International Public Relations Hewlett Packard Enterprise: „Unser Unternehmen kauft auch IT-Systeme zurück, die beim Kunden nicht mehr benötigt werden.“
(Bild: Hewlett Packard Enterprise)

Auch Patrik Edlund, International Public Relations, HPE, weist neben dem Bündel an Zahlungserleichterungen (Payment Relief Program) besonders auf das Maßnahmenpaket hin, mit dem die Liquidität der Kunden geschont oder sogar gestärkt wird. „HPE Financial Services (HPEFS) hilft Unternehmen, ihre eigene IT in Kapital umzuwandeln, das für den Kauf neuer IT-Lösungen verwendet werden kann. Diese Liquiditätsressource kann auch genutzt werden, um andere Geschäftsbereiche zu unterstützen. HPEFS kauft auch IT-Systeme zurück, die beim Kunden nicht mehr benötigt werden. In den vergangenen zwei Jahren hat HPEFS auf diese Weise mehr als 642 Millionen Dollar in die Budgets der Kunden zurückfließen lassen“, sagt Edlund.

Auch im Mietgeschäft ist HPE aktiv. Edlund nennt hier unter anderem die gerade in dieser Zeit wichtige Kurzzeitmiete von Equipment, beispielsweise von IT-Lösungen, welche die „Belegschaft auch zu Hause arbeitsfähig“ machen. HPE vermietet unter anderem gebrauchte HPE-Technologie für drei bis zwölf Monate. Die Systeme würden ab Werk nach Kundenspezifikationen konfiguriert, hätten Garantieanspruch und seien für den Support von „HPE Pointnext Services“ qualifiziert.

Weichenstellung für die (IT-)Zukunft

Das Fazit der hier dargestellten Finanzierungsinstrumente in „Corona“-Zeiten ist ein doppeltes: Kurzfristig helfen die Instrumente bei der Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs bei Anwendern und Herstellern gleichermaßen. Es werden Arbeitsplätze erhalten und damit Kaufkraft für die nahe Zukunft geschaffen, die notwendig für die wirtschaftliche Erholung ist. Mittel- und langfristig erzeugt die Krise aber auch organisatorische und technische Strukturänderungen sowie Verhaltensänderungen der Gesellschaft allgemein, auf die die IT-Branche reagieren muss und wird.

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