Kommentar von Marcus Stier, Crossroads Europe

Langzeitspeicherung auf Tape hat Zukunft

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Der Recall

Wie kommt nun so eine Datei zurück vom Tape zum Anwender oder zur Applikation? Fordert die Applikation oder der User eine Datei an, liefert die Auslagerungs-Appliance sofort den Dateianteil des Platzhalters zurück. Somit entsteht ein geöffneter Datenstrom. Gleichzeitig wird das LTFS Tape in ein verfügbares Laufwerk geladen und auf die richtige Position gespult. Sobald das passiert ist, wird die Datei in den bereits offenen Datenstrom eingehängt. Die Geschwindigkeit des Datenstroms entspricht nun dem Lesen von Tape.

Parallel zu diesem Vorgang wird die Datei auch in den Cache der Appliance geladen. Priorität sollte aber immer die anfordernde Applikation sein. Dadurch geht der Recall bedeutend schneller vonstatten, als man dies aus der Vergangenheit von verschiedenen Lösungen her kennt. Die Applikation erhält keinen „Timeout“. Sie erhält die Daten, welche sie angefordert hat, in einer endlichen Zeit.

Sollte die Applikation die Datei nicht mehr benötigen, wird sie, wenn sie nicht geändert wurde, aus dem Cache nach vorhandenen Regeln wieder entfernt und der Platzhalter wieder generiert. Die Datei ist weiterhin auf dem Tape vorhanden. Sollte sie verändert worden sein, wird die Datei zuvor nach den Regelwerken wieder auf Tape migriert.

Monitoring und Self-healing

Ein wesentlicher Punkt bei der Auslagerung auf Tape ist die Lesbarkeit der Tapes noch nach vielen Jahren. In modernen Appliances werden Tapes nach integrierten Regelwerken und Funktionen immer wieder automatisch auf Lesbarkeit und Fehler überprüft.

Das Interessante ist, dass diese integrierten Funktionen ein Tape selbstständig umkopieren können, sofern der Verdacht auf Fehler besteht. Somit ist die Lesbarkeit der Tapes immer gegeben. Diese Aktionen laufen selbstverständlichen nebenher und verschwenden keine zusätzlichen Ressourcen. Die gleichen Funktionalitäten sorgen aber auch dafür, dass ein Medienwechsel zum Beispiel auf eine neue Bandtechnik automatisiert durchgeführt werden kann.

Setzt man heute zum Beispiel ein LTO-5 Tape ein und es kommen die LTO-6 Tapes auf den Markt, so wird ein neues Laufwerk in die Library eingebaut und das Umkopieren kann beginnen. Wahlweise mit den Tapes, die so oder so aufgrund der Analysen umkopiert werden müssten, oder eben nach eigenen Kriterien. Mussten vor Jahren noch Migrationspläne und Projekte erstellt werden, so geht das mit den neuen Systemen vollautomatisch.

Ausfallsicherheit

Ausfallsicherheit ist auch bei Auslagerungslösungen immer wieder ein Thema. Es ist nicht so dringlich, wie beim aktiven Online Storage, aber es ist vorhanden. Nur weil eine Datei über Jahre nicht genutzt wurde oder nicht gebraucht wurde, bedeutet das nicht, dass sie unwichtig ist.

Die Replizierung ist in diesem Zusammenhang ein Punkt, der betrachtet werden sollte. Am sichersten ist eine Replizierung von zwei Auslagerungssystemen über Standorte, mindestens jedoch über zwei Brandschutzzonen hinweg. Noch besser ist es, wenn die Auslagerungs-Appliance zusätzlich nicht nur eine Kopie der Datei auf ein Tape schreiben kann, sondern noch eine zweite Kopie in eine zweite Library.

Zur Ausfallsicherheit gehört aber auch, dass die Daten lesbar sind, wenn die Appliance vielleicht nicht verfügbar ist. Hier kommt erneut das LTFS ins Spiel. Solange ein funktionierendes LTO-5-Laufwerk verfügbar ist, können die Daten, welche auf das LTFS Tape geschrieben wurden, an jedem beliebigen Rechner gelesen werden. LTFS zeigt sich wie ein Filesystem mit Strukturen und Dateien.

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