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Neue Markttrends und moderates Wachstum Spannende Zukunft der Halbleiterindustrie

| Autor / Redakteur: Stefan Herr, Sascha Rahman * / Rainer Graefen

Megadeals in den letzten Jahren führten und führen zu Konsolidierungen im Halbleitermarkt. Der Vertrieb wandelt sich vom Komponenten- hin zum Systemverkauf. Wer zukünftig erfolgreich sein will, muss sich neu positionieren.

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Wafer: Der Halbleitermarkt befindet sich im Wandel
Wafer: Der Halbleitermarkt befindet sich im Wandel
(Bild: Clipdealer)

Unternehmen müssen die wenigen organischen Wachstumsquellen in der Halbleiterindustrie konsequent nutzen und sich den hieraus ergebenden Handlungsfeldern stellen. Wer langfristig erfolgreich sein will, muss das Potenzial disruptiver Technologien und neuer Märkte im Internet der Dinge (IoT) erkennen.

Bildergalerie

Lässt sich der frühere Erfolg aus dem Mobile-Consumer-Segment replizieren?

In den 90er- und auch noch in den frühen 2000er-Jahren waren Wachstumsbooms mit jährlichen Umsatzsteigerungen zwischen 30 und 40 Prozent für Halbleiter-Player eher die Norm als die Ausnahme. Befeuert durch das Consumer-Geschäft bei PCs, Laptops und Mobiltelefone wuchsen viele kleinere Technologieunternehmen zu Giganten im Halbleitergeschäft. Seit 2011 müssen die Erwartungen aus dem Consumermarkt allerdings stark zurückgeschraubt werden. Die Wachstumsfeier scheint vorüber: Von 2015 bis 2020 wird nur noch mit einer durchschnittlichen jährlichen Steigerungsrate von 3,4 Prozent gerechnet.

Die dynamische Start-up-Atmosphäre ist vielfach Geschichte: Aktuell umfasst die gesamte gereifte Industrie bereits eine Marktgröße von über 350 Mrd. Euro. Zwischen den Unternehmen herrscht derzeit ein Verdrängungswettbewerb. Mega-Deals bestimmen die Industrie und konsolidieren den Markt. Ist das das Ende der Outperformance? Ganz und gar nicht. Die Projekterfahrung zeigt: Auch organisch ergeben sich dynamische Markttrends, welche die Erfolge aus dem Mobile-Consumer-Bereich in Zukunft replizieren können. Unternehmen müssen sich jedoch die grundlegende strategische Frage stellen: Wo kommt das Wachstum zukünftig her und wie kann die drohende Stagnation vermieden werden? Hierbei werden insbesondere drei Wachstumsquellen eine zentrale Rolle spielen (Bild 1, siehe Bildergalerie).

Neue disruptive Technologie Silizumkarbid – der Tipping Point naht

Als produktseitige Quelle für neues künftiges Wachstum werden derzeit Leistungshalbleiter aus Siliziumkarbid (SiC) gehandelt. Sie gelten als disruptive „Marktbrecher“ im Vergleich zu Halbleitern aus regulärem Silizium, da sie als schneller, robuster und effizienter bezeichnet werden. Einige wenige Player im Markt haben sich bereits eine günstige Startposition verschafft. Aufgrund starker mittelfristiger Wachstumsprognosen bietet das derzeitige Marktvolumen im noch jungen Produktsegment (etwa 200 Mio. US-Dollar) aber noch jede Menge attraktives Eintrittspotenzial für Second und Third Mover.

Diese Entwicklung vom Hype zur Realität wird innerhalb der nächsten fünf bis acht Jahre stattfinden, insbesondere über die steigende Nachfrage bei der Hybrid- und Elektromobilität, als auch in der regenerativen Stromerzeugung und in gewissen Industrieapplikationen. So wird laut Simon-Kucher-Analysen die weltweite Nachfrage im Technologiebereich SiC und in der Schwestertechnologie Galliumnitrid (GaN) mit zweistelligen jährlichen Wachstumsraten im Jahr 2025 bei über 3 Mrd. Euro liegen.

SiC und GaN fristen ein prominentes Nischendasein

Derzeit ist die Technologie zunächst noch aufgrund der noch nicht eingetretenen Stückzahlen im Markt kostenintensiver und aufwendiger in der Produktion. SiC und GaN fristen also ein prominentes Nischendasein. Die First-Leader-Unternehmen konnten das Potenzial aber bereits belegen und erste signifikante Design-Wins erzielen. Für die restlichen Hersteller gilt es, ihre Innovationsstrategie deutlich anzupassen, um den Anschluss nicht zu verpassen.

Für eine erfolgreiche Implementierung der Systemlösung von SiC und GaN ist zudem eine vertiefte Marktorientierung in der Neuproduktentwicklung unumgänglich: Halbleiter-Unternehmen müssen sich schon beim Start des Innovationsprozesses, „ab der Phase 0“, mit der Frage beschäftigen, in welchen Applikationen die Kundenbedürfnisse im Hinblick auf hohe Schaltspannung und -geschwindigkeit, geringe Schaltverluste und Minimierung der Baugröße und Gewicht bereits jetzt stark ausgeprägt sind. Nur so ist mit einem kundenseitigen Markterfolg von Design-In zu Design-Win zu rechnen (Bild 2).

Neue Märkte im IoT – den Anschluss nicht verlieren

Eine weitere wichtige Wachstumsquelle ist für die Unternehmen im Halbleiterbereich deutlich schwieriger zu greifen. Der Markttrend zum Thema IoT birgt immenses Potenzial. Halbleiterunternehmen dürfen hierbei keine Zuschauerperspektive einnehmen, sondern sollten sich als Teil der technologischen DNA begreifen, die diesen Marktentwicklungsprozess begleiten. Signifikante Umsatzträger sind insbesondere bei Microcontrollern, Sensorik, Speicher und Konnektivität zu erwarten.

Die Herausforderung derzeit: es gibt keine einzelne sogenannte Killer-App, sondern eine Vielzahl an kleineren Nischen-Opportunitäten, die ein in Summe attraktives Wachstumspotenzial versprechen. Unternehmen, die hier agieren, sind aktuell sehr breit gestreut – es haben sich noch keine marktdominanten Player in diesem stark diversifizierten Markt etablieren können. Besonders interessant sind Applikationen im Bereich „Smart Home“, „Medical Electronics“ oder „Connected Cars“. Diese aktuellen Nischensegmente werden aufgrund von IoT große Bedeutung für die Halbleiterindustrie gewinnen (Bild 3).

Ziel ist eine IoT-Gesamtlösung

Auch im Consumerbereich („Fitness bracelets“, „Smart Watches“) nimmt die Nachfrage zu. Derzeit noch schwer greifbar, aber maßgeblich für den Erfolg der Halbleiterindustrie, ist insbesondere der Integrationsgedanke um Hardware- und Software-Komponenten entlang der Wertschöpfungskette zu vereinen und letztlich eine IoT-Gesamtlösung anzubieten. Halbleiterunternehmen, die bereits jetzt auf die Themen nahtlose Sicherheit, Kommunikationsintelligenz und Ease-of-Use setzen, können hier ihre Positionierung schärfen.

Um konsequent durchzugreifen, muss jedoch eine Priorisierung der Ressourcen hinsichtlich IoT-Wachstumsquellen und bestehenden „Brot und Butter“-Segmenten neu durchgeführt werden. Zudem ist vielen Herstellern das unternehmensspezifische Marktpotenzial dieser Wachstumsquelle noch nicht bekannt. Der Horizont bezüglich des Internets der Dinge scheint derzeit für viele Halbleiterunternehmen noch verschwommen. Greifbarer gemacht werden kann dieser nur durch eine saubere Bestandsaufnahme und –analyse hinsichtlich der IoT-Wettbewerbspositionierung.

* Stefan Herr ist Senior Partner und Global Head der Technology & Industrial Practice

* Sascha Rahman ist Director in der Technology & Industrial Practice,

* beide arbeiten bei der Marketing- und Vertriebsberatung Simon-Kucher & Partners.

* Diesen Beitrag haben wir von unserem Partnerportal Elektronik Praxis übernommen.

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