StorOne will für Storage das werden, was VMware für Server ist: eine umfassende Virtualisierungsplattform. Basis dafür ist ein neu entwickelter Storage-Stack. Das soll unter anderem RAID und Ransomware-Abwehr vereinfachen.
StorOne hat sich vorgenommen, eine umfassende Virtualisierungsplattform für Storage zu werden.
(Bild: spainter_vfx - stock.adobe.com)
„Wir machen das für Storage, was VMware für Server geschafft hat“, sagt Gal Naor, CEO und Mitgründer von StorOne während der Präsentation seiner Firma anlässlich einer IT Press Tour in Israel. Das 2011 gegründete israelisch-US-amerikanische Unternehmen beschäftigt derzeit rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Kundschaft sitzt noch vor allem in den USA und Japan.
Die europäische Expansion hat zwar mit zwei britischen Distributoren, darunter Spinnaker, und einigen Partnern sowie einem zwei- bis dreiköpfigen Team pro Land – auch in Deutschland – bereits begonnen. Sie soll aber in diesem und dem kommenden Jahr Fahrt aufnehmen. „Wir heuern gerade Leute dafür an“, so Naor. Beginnen will das Unternehmen dabei in Frankreich.
StorOne hat für seine One Storage Engine den gesamten Storage-I/O-Stack neu geschrieben, um Silos, schlechte Auslastung und andere Macken von Speicherumgebungen auszubügeln. „Wir haben acht Jahre lang daran gearbeitet und halten über 50 Patente“, fasst Naor zusammen. Das Ergebnis sei die „vollständige Abstraktion zwischen physischer und logischer Storage-Ebene“.
Der VSC (Virtual Storage Container) als Grundeinheit
Verkörpert wird diese Abstraktion durch sogenannte VSCs, virtuelle Storage-Container. Diese logischen Einheiten beziehen sich auf Workloads und deren Storage-Bedürfnisse. Von der darunter liegenden Hardware sind diese Container komplett unabhängig. Sie können sich auch über mehrere Hardware-Einheiten erstrecken.
Pro Storage-Container lassen sich alle wichtigen Eigenschaften definieren: die Zahl der Replikationen, die Frequenz der Snapshots, die unterstützten Protokolle, die Reihenfolge und Kapazitäten der gewünschten Storage-Tiers, Verschlüsselung und weitere Eigenschaften. Das System sucht sich dann unter den angebundenen Ressourcen diejenigen, die zu den Anforderungen passen.
Auch die Blockgrößen lassen sich auswählen. Zur Verfügung stehen derzeit 4K und 512 Bytes für VMware. „Wir können auch jede andere, aber dafür gibt es im Moment keine Nachfrage“, erklärt Jeff Lamothe, leitender Produktmanager.
VSCs lassen sich zu kundenspezifischen Gruppen zusammenfassen. Das ist besonders für Managed Service Provider eine verlockende Funktion. Denn sie können so jedem Kunden eine VSC-Gruppe einrichten und darin die verschiedene Workloads durch einzelne VSCs abbilden, auf die dann die VMs mit den Workloads zugreifen. Diese Kundengruppe gehört zu den Abnehmern von StorOne in den USA.
VSCs (rechts) beziehen die gesamte angeschlossene Storage-Hardware (unten) ein. Ihre Eigenschaften richten sich nach den Anforderungen der Applikationen. Das System wird durch die One Storage Engine zusammengebunden.
(Bild: StorOne)
Jede Form von Storage eingeschlossen
Die Lösung bindet jede Form von Primär- und Sekundär-Storage ein – vom JBoD über klassische Arrays bis zur Cloud-Storage, von HDD über QLC-Flash bis zu NVMe-SSDs. Schnelle Speichermedien werden beim Tiering nicht als Cache benutzt, sondern ganz regulär zum Lesen und Schreiben. Deshalb ist auch eine Batteriesicherung, beim Cache üblich, hier nicht vonnöten. Speicherbänder lassen sich vorläufig noch nicht einbinden.
Wurden Daten nach längerem Nichtgebrauch auf tiefere Tiers verschoben und werden dann abgefragt, greift StorOne nicht etwa über den Cache, sondern direkt auf das Medium zu, auf dem die Daten gerade liegen. Die Speichermedien speichern die Daten der unterschiedlichen VSCs einträchtig nebeneinander. Sie sind aber logisch komplett voneinander getrennt. Separate Systeme für einzelne Workloads erübrigen sich so. „Wir erreichen damit Auslastungen von um die 90 Prozent“, freut sich Naor.
vRAID: Erasure-Coding statt Spare-Disks
Die Verteilung der Daten erfolgt per Erasure-Coding, weshalb StorOne mit vRAID auch gleich noch seine eigene RAID-Definition erfunden hat. Sie funktioniert bei Blocks, Files und Datenobjekten gleichermaßen.
StorOnes vRAID braucht weder gleichartige Disks in einer RAID-Gruppe, noch sind Ersatz-Disks einzuplanen. Deshalb kann die vRAID-Gruppe Medium für Medium erweitert werden. Der Redundanzlevel ist theoretisch unbegrenzt, die Wiederherstellung sehr schnell. „Wir schaffen das bei einer 20-Terabyte-HDD in weniger als drei Stunden“, konstatiert Naor.
Bei der Datenverteilung passen sich die Fragmente der Größe der vorhandenen Medien an. Das erleichtert es, auch ältere Server und Speichermedien in StorOne-Umgebungen einzubeziehen. „Es kommen inzwischen immer mehr Anwender, die StorOne auf bestehender Hardware betreiben wollen, beispielsweise auf bereits ausgemusterten Servern oder Arrays“, sagt Naor. Das sei grundsätzlich möglich und aus der Nachhaltigkeitsperspektive sinnvoll, verlängere aber die Implementierung.
Stand: 08.12.2025
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Auch für ältere Hardware tauglich
Normalerweise verkauft StorOne über seine Partner komplette Hardware-Software-Lösungen aus Server, Storage und Software, verdient aber nur an der Software. Meist verlagern die Nutzer zunächst nur eine Anwendung auf StorOne. „Wenn sie dann merken, wie vorteilhaft es ist und dass sie die Kapazitäten bei voller Performance wirklich ausnutzen können, folgen weitere Applikationen“, erläutert Naor.
„Den wichtigsten Engpass in Systemen bildet heute die wenig leistungsfähige Storage-Software, da sie nicht an moderne Storage-Hardware angepasst ist“, sagt Gal Naor, CEO und Mitgründer von StorOne.
(Bild: StorOne)
Andere beschaffen trotz der Auslastungsvorteile von StorOne für jede Workload eine eigene Umgebung. „Sie brauchen zum Management erheblich weniger Manpower“, erklärt Naor. Fachleute seien schließlich derzeit die denkbar knappste Ressource.
Snapshots unlimited
Snapshots lassen sich für jeden VSC beliebig oft anfertigen, es gibt keinerlei Mengenbegrenzung. Sie werden unveränderbar weggeschrieben: Die Applikationen haben darauf keinen Zugriff. Wo sie landen, wird wiederum VSC-spezifisch über GUI, CLI oder REST-API festgelegt.
Das Journal aller Snapshots lässt sich für jeden VLC, für alle VSCs gemeinsam und nach anderen Kriterien ordnen, beispielsweise in einer Kalenderansicht. Das erleichtert das Auffinden eines bestimmten Snaps erheblich, so dass man nach Ransomware-Angriffen unkompliziert dorthin zurückkehren kann, wo das digitale Ungeziefer noch nicht aktiv war.
Die Reaktivierung von Snaps erfolgt nach dem Vier-Augen-Prinzip, gegebenenfalls mit Multifaktor-Authentisierung und grundsätzlich in eine neue VSC, die dann wiederum statt der bisherigen mit der Applikation verbunden wird. Es ist auch möglich, sie davor auf Viren oder anderes digitales Ungeziefer zu scannen.
Backup: Kooperation mit wichtigen Anbietern
Bei Backups arbeitet StorOne mit Veeam, Rubrik, Commvault und Hycu zusammen. In StorOne sind zudem Algorithmen eingebaut, die Ransomware-spezifische Veränderungen und Verhaltensweisen erkennen und abblocken. Damit sei, so Produktmanagement-Chef Jeff Lamothe, „ein hundertprozentiger Schutz gegen Ransomware gewährleistet.“
Werden Daten an andere Orte repliziert, bilden sie auf jeder Seite einen eigenen VSC, der jeweils auf unterschiedlichen Medien liegen und mit unterschiedlichen Regeln betrieben werden kann. Beispielsweise ist es möglich, den replizierten VSC auf Cloud-Storage zu legen. Bei Bedarf wird er einfach mit „seiner“ Workload verbunden, um nach Verlust der Primär-Site den Betrieb wieder hochzufahren.
Kosten pro gefülltem Slot
Das Preismodell von StorOne berechnet jeden belegten Speicherslot. Die Kapazität spielt dabei keine Rolle. Wird also eine ältere Platte durch ein Medium mit höherer Kapazität ausgetauscht, bleibt der Preis gleich.
StorOne ist als On-Premises-Variante, aber auch bei Microsoft Azure sowie in Zukunft bei AWS, Google und weiteren Anbietern erhältlich. Blueprints gibt es unter anderem für Storage-Medien von Seagate, WD, Intel, Dell, HP und Lenovo.
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Datenmigration – so funktioniert der Storage-Umzug
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(Bild: Storage-Insider)
Im Zuge der Digitalisierung ändern sich die Anforderungen an Storage-Systeme. Sie müssen leistungsfähiger, skalierbarer und insgesamt flexibler sein. Unternehmen führen neue Systeme wie etwa All-Flash-Arrays ein, verlagern Dienstleistungen der IT-Abteilung in die Public- oder Hybrid-Cloud, ziehen sogar das Rechenzentrum um und erkennen möglicherweise die Chance oder die Notwendigkeit, IT-Services und Storage-Infrastruktur zu konsolidieren.