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Kannibalisierung
Ein neues Marktsegment will Toshiba mit der Enterprise SSD (eSSD) erschließen. Ein Geschäft mit zwei Gesichtern. Die Halbleiterfestplatte hat schon die 0,85, 1 und 1,3-Zoll Festplatten überrollt und dürfte damit mehr Forschungsgelder vernichtet haben als sie in den nächsten Jahren an Umsatz einbringen wird.
Ähnlich könnte es den Toshiba-Festplatten mit 1,8-Zoll-Formfaktor gehen, die aktuell mit 320 GByte Kapazität nur knapp über der Samsung-SSD mit 256 GByte liegt. Eine weitere Unwägbarkeit stellen Entwicklungen wie Web-Betriebssysteme à la Chrome OS dar.
Diese werfen sehr grundsätzlich die Frage auf: Brauchen mobile Devices überhaupt noch eine 2,5-Festplatte oder reicht in wenigen Jahren nicht der Funkkanal vollkommen aus?
Festplatten sind unverzichtbar
Solch negative Gedanken vertrieb dann Georg Dietsch, Verkaufsdirektor EMEA der SDD-Division bei Toshiba, der in seiner Präsentation die Zukunftschancen der Branche und speziell der „neuen“ Toshiba begutachtete.
Als Wachstumsmärkte will sich Toshiba in den Marktsegmenten Enterprise mit schnelldrehenden 2,5-Zoll SAS-HDDs, Home Entertainment und Externe Festplatten wachsen, in den Segmenten Automotive und Mobile (PC Assembly) will man die guten Positionierungen verteidigen. Hoffnungsfroh schaute Dietsch auch auf das Datenwachstum.
Das „digitale Universum“ wächst demnach zwischen 2007 bsi 2011 von 281 auf 1.773 Exabyte. Der digitale Schatten jedes Menschen aus persönlichen und „Überwachungsdaten“ ist daran ziemlich exzessiv beteiligt. Dietsch rechnete auch vor wie aus einer kleinen E-Mail mit 1,1 MByte Attachment ein Speicherbedarf von 51,5 MByte erwächst.
Platz, Strom, Kühlung sprechen für Disk-Austausch
Festplattenhersteller leiten aus solchen Phänomenen verständlicherweise rosige Zeiten für sich ab. Der Kapazitätsbedarf führt laut Toshiba-Prognose zu einem jährlichen Wachstum von 16,7 Prozent bei mobilen Festplatten.
In Stückzahlen ausgedrückt muss Toshiba die Produktionskapazitäten im Zeitraum von 2008 bis 2012 von 213 auf 395 Millionen HDDs steigern. Ein wenig unscharf blieb bei diesen Aussichten die Rolle der 3,5-Zoll Festplatten.
Diese von Fujitsu übernommene Produktsparte wird bis mindestens Ende 2010 weiter aufrecht erhalten, Toshiba bleibt aber bei dem seit langem praktizierten Bekenntnis treu: „Wir sind nun im Übergang von 3,5 auf 2,5 Zoll.“
Nicht gänzlich abtun wollte man zwar die Rolle des 3,5-Zoll Formfaktors für die Massenspeicherung im Home Entertainment und bei der Datenarchivierung. Nichtsdestotrotz würde der Privatanwender seine installierten Festplatten nicht mehr austauschen, sondern lieber einen Stapel von externen Festplatten an eSATA- und USB-Schnittstellen anschließen.
Und der professionelle Anwender würde auf die bei mobilen Festplatten nicht zu unterbietenden Parameter Platz, Stromverbrauch und Kühlbedarf setzen. Bei annähernd gleichen Kosten pro GByte würde sich der ROI von 2,5-Zoll SAS-Festplatten verglichen mit der 3,5-Zoll-Konkurrenz häufig schon in wenigen Monaten einstellen.
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