Wie entwickeln sich Start-ups? Teil 2: Igneous

Unstrukturierte Daten als Service verwalten

| Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter* / Dr. Jürgen Ehneß

Alles eine Frage der Ablage: von Backup und Archivierung zum „Unstructured Data Management as-a-Service“.
Alles eine Frage der Ablage: von Backup und Archivierung zum „Unstructured Data Management as-a-Service“. (Bild: © renxokuken - stock.adobe.com)

Vor einem Jahr haben wir Igneous Inc. als Start-up vorgestellt, das eine Plattform für das Backup und die Archivierung unstrukturierter Daten entwickelt hat. Mittlerweile hat die Firma ihr Angebot erweitert und versteht sich nun als erster Anbieter von „Unstructured Data Management as-a-Service“ (UDMaaS).

Das Datenwachstum – und hier insbesondere die Menge an unstrukturierten Daten – vergrößert sich immer mehr und wird sich in Zukunft noch steigern, da immer mehr Informationen von Maschinen erzeugt werden. „Um diese Datenberge heute und in Zukunft verwalten zu können, muss man wissen, wo sie abgelegt sind. Und man muss sie zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Stelle bringen“, beschreibt Shaun Walsh, seit August 2018 Vice President Channel and Alliance bei Igneous, das Szenario. Und dafür, ist sich Walsh sicher, taugten die herkömmlichen Werkzeuge nicht, denen es an den drei wichtigsten Eigenschaften mangele: Skalierung, Suchfunktionen und Mobilität.

Shaun Walsh, Vice President Channel and Alliances bei Igneous.
Shaun Walsh, Vice President Channel and Alliances bei Igneous. (Bild: Igneous)

„Das Zeitalter der Applikation ist der Ära des Workflows gewichen“, behauptet Walsh. „Der Workflow erzeugt Produkte, Dienstleistungen und verwertbare Geschäftsanalysen“, konstatiert der Manager und fordert deshalb, die alten Datensilos aufzulösen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Dazu hat die Firma eine Hard- und Software-Lösung entwickelt, die als Service angeboten wird.

Scale-out-fähige Nanoserver

Beim Anwender wird Igneous-eigene Hardware als Secondary-Storage installiert. Sie besteht aus Nanoservern – also Plattenlaufwerken mit ARM-CPUs – die je Gerät 284 Terabyte (TB) an Daten fassen und nach dem Scale-out-Prinzip erweitert werden können. Dazu kommen Application-Service-Router als Data-Mover, die die Daten indizieren und entweder an die hauseigenen Speicher oder Public Clouds (von AWS, Google oder Microsoft) weiterleiten.

Walsh glaubt, dass die Fähigkeiten, Daten einfacher zugänglich zu machen, leichter zu nutzen und besser zu finden, ab 2019 und darüber hinaus Hauptaufgaben der IT sein werden. „Dies wird neue Herausforderungen sowohl für den Schutz der Daten, das Sicherheitsmanagement als auch für die Einhaltung der Privatsphäre mit sich bringen.“

Unstrukturierte Daten bislang schlecht verwaltet

Unstrukturierten Daten sind nach Meinung von Igneous bislang nämlich schlecht bis gar nicht gemanagt. Die vielen Files und Daten lagern jahrelang auf vielen, alten NAS-Speichern verschiedener Hersteller an unterschiedlichen Orten. Der Workflow läuft über private und Public-Cloud-Systeme und sogar über Organisationen hinweg. Das alles führt dazu, dass die Informationen praktisch unsichtbar und schwer zu schützen sind und nur schwierig zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort gelangen.

Schlechtes Management von unstrukturierten Daten.
Schlechtes Management von unstrukturierten Daten. (Bild: Igneous)

Um Abhilfe bei der Misere zu schaffen, hat Igneous drei Module entwickelt: „Datadiscover“, „Dataprotect“ und „Dataflow“. Mit Datadiscover sollen die gespeicherten Daten gefunden, organisiert und überhaupt verstanden werden. Dazu scannt die Software permanent die Datensätze und klassifiziert Files und Object-Storage-Daten, egal, wo sie sich befinden.

Backup-and-Recovery-Lösung

Das zweite Modul – Dataprotect – ist in etwa das, was die Firma im vergangenen Jahr präsentierte: eine einfache, automatisierte und effiziente Lösung für Backup und Recovery. „Eine einzige Lösung für jeden Speicherort, jedes Protokoll und jede Cloud“, verspricht der Hersteller. Unterstützt werden NAS-Speicher von Dell/Isilon, Netapp, Pure Storage und Qumulo sowie die Schnittstellen NFS, SMB und S3/Object und die gängigen Clouds von MS Azure, AWS und Google.

Dataflow schließlich erlaubt es IT-Teams, mit einer selbst zu bedienenden und automatisierten Verschiebung der Datensätze Analysen und Simulationen durchzuführen, und zwar überall dort, wo die Datensätze gebraucht werden. Die Gesamtlösung wird in Form eines Jahresabonnements angeboten, das auf dem Datenvolumen basiert, das in der Igneous-Lösung über das Partnernetzwerk verwaltet wird.

Jahresrückblick

Wie beschrieben, hat Igneous im vergangenen Jahr sein Lösungsangebot erweitert und neu strukturiert. Die Lösung für Backup und Recovery, mit der das Start-up-Unternehmen aus Seattle erstmals 2017 für Aufsehen gesorgt hat, nennt sich jetzt Dataprotect. Sie wurde ergänzt um die Module Datadiscover und Dataflow. Zusammen soll sich daraus eine einzigartige Verwaltungsplattform für unstrukturierte Daten ergeben.

Das Angebot von Igneous: „Unstructured Data Management as-a-Service“ umfasst die drei Module Datadiscover, Dataprotect und Dataflow.
Das Angebot von Igneous: „Unstructured Data Management as-a-Service“ umfasst die drei Module Datadiscover, Dataprotect und Dataflow. (Bild: Igneous)

Im August 2018 kündigte das Unternehmen für die Dataprotect-Software die direkte Unterstützung der File Fabric von Qumulo (QF2) sowie die Multiprotokollunterstützung für Dell/EMCs Isilon OneFS an, das für Anwender gedacht ist, die sowohl NFS- als auch SMB-Daten auf Isilon speichern. Zeitgleich wurde bekannt gegeben, dass nicht nur Flashblade-NAS von Pure Storage, sondern auch dessen Object-Storage unterstützt wird. Alle Erweiterungen nutzen die APIs von Igneous, die einfaches Set-up, Verwaltung und Wartung versprechen.

Im Oktober präsentierte Shaun Walsh dann das Vertriebsprogramm von Igneous: „Wir setzen zu 100 Prozent auf Vertriebspartner und arbeiten mit VARs, Direct-Marketing-Resellern (DMR) und Managed-Service-Providern zusammen.“ Das Partnerprogramm basiert auf den drei Säulen: Wachstum, garantierten Margen und Einfachheit. Gesucht werden also Vertriebspartner, die sich mit den Problemen unstrukturierter Datenberge beschäftigen.

Kommt ein Vertrag mit einem Anwender zustande, dann garantiert Igneous dem Vertriebspartner feste Margen. Zudem müssen sich die Partner keinen komplizierten Trainings unterwerfen, um die Zulassung zu erhalten.

Die Architektur der UDMaaS-Lösung.
Die Architektur der UDMaaS-Lösung. (Bild: Igneous)

Ende Oktober 2018 stellte das Start-up seine Studie „The State of Unstructured Data Management Report“ vor, für die 200 IT-Verantwortliche in datenintensiven Unternehmen Nordamerikas befragt wurden. 59 Prozent der Befragten verwalten je mehr als zehn Milliarden Files und kämpfen mit einem durchschnittlichen Wachstum von jährlich 23 Prozent. Das stammt zum großen Teil von maschinengenerierten Informationen, etwa Sensordaten.

Durchschnittlich lagern die Informationen der Befragten auf sieben NAS-Speichern, eines von drei Unternehmen betreibt mehr als zehn Filer, und eine von zwölf Firmen nutzt mehr als 50 NAS-Speicher. Für die Befragten gehören der Zugriff auf und die Einsicht in die Daten zu den wichtigsten Aufgaben im Unternehmen – und sind dabei so schwierig zu erreichen, dass sich die Manager selbst nur unzureichende Performance-Noten gaben. Dabei sind die gespeicherten Daten für die Unternehmen mittlerweile wichtiger als die eigene Marke, geistiges Eigentum oder physische Vermögenswerte.

*Kriemhilde Klippstätter ist freie Autorin und Systemischer Coach (SE) in München.

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