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Interview

Archivierung ist kein beliebtes Thema

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Von Anwenderseite gibt es inzwischen Kritik an der Blackbox CAS (Content Addressable Storage). Bei technischen Updates sei die Migrationsgeschwindigkeit durch die externe Anwendung zu langwierig. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Spies: Die Migrationsgeschwindigkeiten werden bedingt durch die steigenden Datenmengen immer größer. Andererseits steigt die Leistungsfähigkeit der Systeme. Das ist kein besonderer Engpass. Ein Problem sehe ich eher in der Verfügbarkeit von Technik für die alten Archive. Für 8-Zoll-, 5,25-Zoll-Disketten oder analoge Diktiergeräte gibt es keine Laufwerke mehr. Diese Situation ist auch auf alternde Archivierungstechnik übertragbar.

Nur wenige Daten müssen vor unternehmensfremden Zugriffen geschützt gelagert werden. Was spricht für oder gegen eine Online-Archivierung?

Spies: Eine ganze Menge. Kosten, die Skalierbarkeit und die Professionalität von großen Rechenzentren sind Pluspunkte für die Online-Archivierung. Auf der anderen Seite ist die Abhängigkeit vom Anbieter zu beachten. Die Verträge müssen eine Ausstiegsklausel aufweisen, die festlegt, wie man wieder an seine Daten kommt, oder die mir die Möglichkeit gibt, zu einem anderen Provider zu wechseln.

Was machen Sie im Falle der Insolvenz ihres Anbieters? Den Wechsel wird ein Insolvenzverwalter oder ein Nachfolgeunternehmen nicht kostenlos durchführen.

Spies: Die Daten sind in diesem Fall ja nicht einfach weg, sondern der Zugriff ist nur durch „rechtliche Engpässe“ eingeschränkt. Das ist anders als bei einem Katastrophenfall, wenn es kein Backup-Rechenzentrum gibt. Schwierig ist natürlich auch die Situation, ein großes Archiv bei einer drohenden Insolvenz oder einem Merger über die Standleitung zurück zu sichern. Solche Fragen sind sicherlich mit dem Provider im Vorfeld zu klären.

Welche Funktionen fehlen den Online-Archiven für die Lagerung von geschäftskritischen Inhalten?

Spies: Eigentlich fehlt nichts, sofern Anbieter und Kunde ihren Geschäftssitz im selben Land haben. Problematisch ist vielleicht im Laufe der Zeit die Anbindung des Archivs an Online-Anwendungen. Ein Beispiel wäre E-Mail. Ich persönlich möchte immer alles – auch alte nicht gelöschte Emails- im Zugriff haben. Wenn das nicht über alle Archive, egal wo sie sind, funktioniert, werde ich in meiner unternehmerischen Freiheit eingeschränkt. Dieses Problem ist noch nicht ausreichend geklärt. Die Anforderung die Archive online zugreifbar zu haben wird sich zunehmend verstärken. Das gleich gilt für eine gradlinige Skalierbarkeit. Es gibt heute nette kleine Appliances, die Archivdaten für zwei, drei Jahre aufbewahren können. Aber wenn man dann später eine zweite, dritte Appliance kaufen muss, dann möchte ich nicht den Revisor erleben, der damit zurecht kommen muss.

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