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Die Storage-Branche redet gerne von aktiven Archiven. Ist das nicht nur eine falsche Bezeichnung für einen Diskspeicher mit Suchmaschine und Migrationsfunktionen?
Spies: Für mich ist ein aktives Archiv eine Fundgrube, die die behördlichen Vorgaben erfüllen kann, aber trotzdem durchsuchbar ist. Das ist schon was anderes als eine Festplatte mit Suchmaschine und Migrationsfunktion.
Die SNIA (Storage Networking Industry Association) arbeitet an der Definition einer Archiv-Schnittstelle namens XAM. Uns scheint, da werden wichtige Argumente der ECM-Anbieter für die Langzeitarchivierung gar nicht berücksichtigt?
Spies: Diese Schnittstelle ist hauptsächlich ausgerichtet auf die Kompatibilität zwischen unterschiedlichen Archiven. Es geht zum Beispiel darum, aus einem ERP-System die Rechnungen direkt nach dem Versand in ein Archiv zu verlagern, um Vorschriften wie den GDPdU zu genügen.
Kann denn XAM einer rechtssicheren Speicherung genügen, wenn man Daten zwischen Archivsystemen migriert?
Spies: Bei meinen Anwenderdiskussionen spielt das im Moment praktisch keine Rolle. Ich rede mit Anwendern aktuell vor allem über Datenmanagement sowie Enterprise Content Management (ECM) und erst viel später wird Archivierung zum Thema. Der Fokus liegt bei ECM vor allem auf dem Datenwachstum, die Datenmenge wächst schneller als die Mittel zum Datenmanagement. Anwender und Hersteller kämpfen verzweifelt damit, alles unter einen Hut zu bekommen. Ein Beispiel: In SAPs Enterprise Suite 7 können Daten aus dem Internet direkt in ein Management-Cockpit geholt werden, um zu sehen, wie sich Kunden in öffentlichen Diskussionsforen über die Produkte und die Produktqualität äußern. Daraus können dann Schlüsse über eventuelle Produktionsprobleme gezogen werden. Ob Eingriffe dann erfolgreich zu Verbesserungen geführt haben, lässt sich später wieder nachverfolgen. Die Einbeziehung dieser unstrukturierten Daten aus dem Internet führt allerdings zu einem sprunghaften Anstieg bei Daten, die Transaktionssystemen zugeordnet werden.
Was empfehlen Sie Firmen, die nach einer Langzeitarchivierung suchen? Worauf ist zu achten?
Spies: Es gibt zwei wichtige Punkte. Das eine sind die gesetzlichen Vorschriften, die zu beachten sind, das andere ist die Aufbewahrungsdauer. Im behördlichen Bereich – zum Beispiel beim Bundesarchiv – sind sehr lange Zeiträume abzudecken; da verjährt praktisch nichts. Unternehmen müssen eine klare Strategie bezüglich der geplanten Aufbewahrungsdauer haben, das heißt, sie müssen ein wirkliches Information Lifecycle Management betreiben.
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