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Interview Archivierung ist kein beliebtes Thema

| Autor / Redakteur: Rainer Graefen / Nico Litzel

Die Datenmenge wächst in gigantischem Ausmaß und kaum einer will sie archivieren. Storage-Insider.de sprach mit dem IDC-Analysten Rüdiger Spies über Archivierungstrends.

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„In überschaubarer Zeit werden wir holografische Speicher haben”, ist sich Rüdiger Spies von IDC sicher.
„In überschaubarer Zeit werden wir holografische Speicher haben”, ist sich Rüdiger Spies von IDC sicher.
( Archiv: Vogel Business Media )

Storage-Insider: Archivierung müsste angesichts der viel beklagten Datenflut doch ein wichtiges Thema sein. Wie stehen Analysten zu dem von Anwendern gern stiefmütterlich behandelten Thema?

Spies: Ja, das Thema Archivierung ist nicht wirklich attraktiv. Da stürzt sich keine Analystenschar darauf. Auch im IT-Bereich ist das kein beliebtes Thema, jeder weiß, man muss das machen, so richtig Lust hat aber keiner dazu. Als Projektleiter kann man damit keine Lorbeeren verdienen.

Wie bewertet man bei IDC Archive mit optischen Medien? Haben diese eine Zukunft?

Spies: Das Marktvolumen für optische Archive auf Film, Microfilm nimmt weiter ab. Das ist aber nicht gleichzusetzen damit, dass dieser Markt völlig verschwindet. So wie es heute noch mechanische Schreib- und Rechenmaschinen gibt, ist Film immer noch ein Aufbewahrungsmedium für revisionssichere Datenspeicherung.

Wie sieht es speziell bei magneto-optischen Medien aus?

Spies: Anders. Die Preisentwicklung ist nicht abgeschlossen. Es gibt hier Medien, die wie beim Film vollständig revisionssicher sind. Der Fall Plasmon zeigt aber deutlich, dass die Anwender diverse Probleme mit magneto-optischen Archiven haben. Vor allem unzureichende Speicherkapazität und zu viel Mechanik in den Jukeboxen werden von Anwendern kritisch gesehen.

Sind da einmalbeschreibbare WORM-Tapes oder -Disks nicht die bessere Wahl?

Spies: Diese Speichermedien gibt es natürlich auch, aber sie halten den strenger werdenden Archivierungsanforderungen des Gesetzgebers nicht stand. Langfristig kommen Disk und Tape für die Archivierung nicht in Frage, da sie nachträglich verändert werden könnten.

Ist es nicht ein größeres Problem für jeden Archivar, dass er innerhalb von fünf bis zehn Jahren die Infrastruktur für sein Archiv vollständig umbauen muss?

Spies: Das stimmt, und das wird sich absehbar auch nicht ändern. Ich denke, dass wir in überschaubarer Zeit holografische Speicher haben werden, die dann mit zugehörigen optischen Methoden die Speicherkapazität pro Volumen weit nach oben treiben.

Sie haben noch Hoffnung? Diese Technik kommt doch seit zehn Jahren nicht in die Gänge.

Spies: Tja, ich denke schon. Die Magnetspeichertechnik macht zwar große Fortschritte, aber die holografischen Medien haben Potenzial. Denken Sie nur einmal an Flachbildschirme und Röhrenmonitore. Beide Techniken haben lange nebeneinander existiert und von einem Jahr auf das nächste gab es praktisch keine Röhrenmonitore mehr. Dann ist der Durchbruch da. Diese Technologiezyklen finden verstärkt bei der Speichertechnik statt. Da bin ich mir absolut sicher. Da wird sehr viel Geld in die Entwicklung investiert, nicht zuletzt weil wir weiterhin ein gigantisches Datenwachstum haben.

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