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Flash im Fokus der Expertendiskussion Das All-Flash-Rechenzentrum – und inwiefern lebt Tape?

Ein Gastbeitrag von Federica Monsone* 12 min Lesedauer

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Nach zwei Jahrzehnten Flash-Geschichte ist es an der Zeit, einige grundlegende Fragen zur Zukunft der Technik zu stellen. Eine Expertenrunde erläutert, wann das All-Flash-Rechenzentrum zur alltäglichen Realität wird, wo sich Flash auf der Technologiekurve befindet und wann der nächste, wegweisende neue Festkörperspeicher als Ergänzung oder Nachfolger von Flash auf den Markt kommen könnte.

Festplatten und Tapes sind nach wie vor aus den Datacentern nicht wegzudenken. Oder wer hätte gedacht, dass die Menge an Festplatten, die von Hyperscalern gekauft wird, die Menge der heutigen Flash-Laufwerke übersteigt?(Bild:  Dragon Claws - stock.adobe.com)
Festplatten und Tapes sind nach wie vor aus den Datacentern nicht wegzudenken. Oder wer hätte gedacht, dass die Menge an Festplatten, die von Hyperscalern gekauft wird, die Menge der heutigen Flash-Laufwerke übersteigt?
(Bild: Dragon Claws - stock.adobe.com)

Es ist etwa 20 Jahre her, dass Flash-Speicher – in seiner äußerst dominanten NAND-Variante – erstmals Einzug in die Rechenzentren von Unternehmen gehalten hat. Seitdem hat die Technik die Datenspeicherung verändert. So ist die Leistung bei einer Vielzahl von Anwendungen erheblich gestiegen, weil Flash-Medien die viel langsameren, rotierenden Festplatten als Standardmedium für die primäre Datenspeicherung ersetzt haben.

Als Flash in den späten 1990er-Jahren erstmals in Rechenzentren Einzug hielt, wurde die Technik lediglich zur Speicherung einer Teilmenge von Daten für eine Teilmenge leistungsempfindlicher Anwendungen verwendet; denn sie war teuer. Doch als die Flash-Preise immer weiter fielen und Flash zur Speicherung von Daten für eine immer breitere Palette von Anwendungen verwendet wurde, begannen Branchenbeobachter zu fragen, wie lange es dauern würde, bis Flash die Festplatte vollständig verdrängt haben werde und so genannte All-Flash-Rechenzentren entstünden.

Tape ist nicht tot (und die Festplatte wird auch bestehen)

Zwei Jahrzehnte später haben wir diese Frage unserer Expertenrunde gestellt. Alle Fachleute waren sich einig, dass Flash die Festplatte noch viele Jahre lang nicht vollständig verdrängen wird, und die Mehrheit gab zu Protokoll, dass das All-Flash-Rechenzentrum auf absehbare Zeit eine Seltenheit bleiben wird. Andere Antworten fielen jedoch überraschend anders aus.

Alfred Chase Hui, Vice President of International Business bei Dapustor, einem Anbieter von Flash-Laufwerken, System-on-a-Chip-Prozessoren und anderen Edge-Produkten, fasst die wichtigsten Faktoren für die Beantwortung dieser Frage zusammen: „Es ist vernünftig zu erwarten, dass sich All-Flash-Rechenzentren in Zukunft immer mehr durchsetzen werden.“ Er setzt aber auch hinzu: „Der Übergang zu All-Flash-Rechenzentren kann jedoch aufgrund von bestimmten Faktoren (Kosten, Kompatibilität, Leistungsanforderungen) einige Zeit dauern.“

Andere Experten weisen insbesondere auf zwei Ursachen mit Blick auf die unbestimmte Zukunft der Festplatte hin:

  • den fünf- bis siebenfachen Preisunterschied pro Terabyte Kapazität zwischen Flash und Festplatte und
  • den Bedarf von Unternehmen, große und ständig wachsende Datenmengen zu speichern, die nicht aktiv genutzt werden, etwa für KI/ML- und Analysetraining, Archivierung, Compliance sowie Backups.

Shawn Meyers, Field CTO bei Tintri, einem Hersteller von Speichersystemen, die auf virtualisierte Umgebungen zugeschnitten sind, gibt zu Protokoll: „Der Bedarf an kostengünstigem Archivierungsspeicher, zu dem vielerorts immer noch Tape gehört, wird bleiben. Man braucht schnellen Speicher nur für Dinge, an denen man aktiv arbeitet, und nicht für Dinge, die man nur für den späteren Gebrauch aufbewahrt.“

Die Menge an Festplatten, die von Hyperscalern gekauft wird, übersteigt die Menge der heutigen Flash-Laufwerke.

Shawn Meyers

Meyers’ Kommentar ähnelt den Aussagen anderer Teilnehmer unserer Expertenrunde, die man zusammenfassend als das „Tape didn’t die“-Argument bezeichnen könnte. Trotz der Vorhersagen zum Ende von Tape in den letzten zwei Jahrzehnten hat die Nutzung von Tape – zumindest in Bezug auf das schiere Volumen der darauf gespeicherten Daten – eher zu- als abgenommen, da immer größere Mengen an kalten oder selten zugänglichen Daten gespeichert werden müssen.

Die Tape-Fans

Peter Donnelly, Director of Products bei Atto Technology, einem Anbieter von Speichernetzwerken, teilt die Ansicht, dass All-Flash-Rechenzentren nicht sinnvoll seien und dass es immer einen Bedarf an mehreren Speicherebenen geben werde. Er fügt hinzu, dass aufkommende Technologien wie KI/ML dieses Argument noch verstärkten.

Donelly sagt: „Unternehmen benötigen Zugang zu riesigen Speicherpools, etwa für das Training beim maschinellen Lernen, aber sobald dieses abgeschlossen ist, müssen die Daten auf kostengünstigere Speichertechnologien ausgelagert werden. Es mag zwar kontraintuitiv erscheinen, aber man kann durchaus argumentieren, dass aufkommende KI-Anwendungen den Bedarf an zweit- und drittklassigen Speichersystemen wie Festplatten und sogar Tape erhöhen.“

Coby Hanoch, CEO und Gründer von Weebit Nano, einem Entwickler von Speichermedien der nächsten Generation, teilt die Ansichten mit Blick auf Tape und fügt einen weiteren Grund hinzu, warum er glaubt, dass All-Flash-Rechenzentren nie wirklich weit verbreitet sein werden: Alternative Solid-State-Technologien in Rechenzentren werden zum Einsatz kommen.

Ich bezweifle, dass es jemals reine Flash-Rechenzentren geben wird.

Coby Hanoch

Das klingt dann, selbst auf einen endlosen Zeithorizont gesehen, so: „Ich bezweifle, dass es jemals reine Flash-Rechenzentren geben wird, und zwar aus mehreren Gründen. Es wird immer einen Bedarf an Tape oder Festplatten geben, einfach weil sie riesige Datenmengen auf billige Weise offline speichern können, und es wird eine wachsende Menge an Daten geben, auf die nur selten zugegriffen wird, die aber dennoch gespeichert werden müssen. Und wenn Flash die Rechenzentren übernimmt, werden die neueren NVMs [nichtflüchtige Speicher] wie etwa ReRAM und MRAM Teile der Rechenzentren beherrschen.“

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