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(Fast) wie eine Disk
Wird eine LTO-5 Cartridge ins Laufwerk eingelegt (und ist der korrekte Treiber installiert), erscheint ihr Inhalt wie bei einer Festplatte im Explorer oder auf dem Desktop. Der Nutzer hat dadurch direkten Einblick auf den Inhalt des Tapes. Das ist ein Novum und klingt zunächst nach einer Verbesserung, da bisher Tapes, die mit einer Sicherungssoftware beschrieben wurden, nicht von selbst mounten.
Das hätte auch wenig Sinn, da jeder Hersteller sein proprietäres Format auf Tape schreibt. Hierin verbirgt jedoch sich ein Teil der jeweiligen Funktionalität dieser Software sowie eine Cross-Plattform-Kompatibilität, da im Container alle Attribute, ACLs, Extended Finder Attributes etc. Platz finden.
LTFS hingegen hat Schwierigkeiten mit Sonderzeichen – sowohl im Dateinamen als auch im Pfad einer Datei. Extended Attributes sind, so wird gewarnt, nicht immer zwischen Plattformen transferierbar. Damit macht es einen Unterschied, mit welchem OS auf das LTO-Medium geschrieben wurde. Das für einen Datenaustausch zu dokumentieren, obliegt dem User und erschwert eben diesen Prozess.
Schreiben, Lesen, Löschen
Um eine Datei auf das Tape zu schreiben, muss sie nur auf das LTO-Laufwerkssysmbol oder in das Fenster des Tapes gezogen werden. Damit hören die Ähnlichkeiten zur Disk aber bereits auf. Da Tape ein lineares Medium ist, funktioniert der Zugriff anders als bei Festplatten. Dateien werden immer hinten an die Datenpartition angehängt. Das Löschen von Dateien gibt also keinen Speicherplatz frei. Um eine Datei zu löschen und den benötigten Speicherplatz freizugeben, muss man den restlichen Inhalt des Tapes auf Disk zurückschreiben, das Tape initialisieren (löschen) und anschließend den Inhalt wieder zurück auf das Tape schreiben.
Bei einem gut gefüllten Tape mit beispielsweise einem Terabyte kann allein das Auslesen drei Stunden dauern. Das erneute Beschreiben benötigt noch einmal die gleiche Zeit. Verglichen mit der Leichtigkeit eines Löschvorgangs auf einer Festplatte, einem USB-Stick oder einer SSD wirkt das mehr als umständlich. Nutzer sind von diesen Medien einen direkten Zugriff gewohnt. Einen Bruch zwischen Schreiben und Löschen, der das tägliche Handling wesentlich erschwert, kennt man hier nicht. Nutzer können ihn auch nicht verstehen. Klarer wäre hier ein Burn-Prozess gewesen, den die Nutzer von CDs und DVDs her kennen.
Das Medium wird als etwas dargestellt, das es nicht ist und nicht sein kann. In Marketing-Texten klingt das dann so: “The tape can be utilized in a fashion like disk or other removable media including directory tree structures.“ Das führt zu unnötigen Missverständnissen und zur Enttäuschung bei den Anwendern.
Die Zugriffsrechtethematik verkompliziert die Lage weiter. Da der Index auf dem Hostrechner zwischengespeichert wird (in /tmp/ltfs), während das Tape im Laufwerk liegt, muss der User hierfür Schreibrechte haben genauso wie für den Mount Point des LTO-Laufwerkes.
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