Anbieter zum Thema
Skalierbarkeit
Einzelne Tapes selbst zu verwalten und gegebenenfalls auf der Suche nach einer Datei ins Laufwerk zu legen, erscheint überschaubar. Nimmt die Zahl der verwendeten Tapes zu, dauert dieser Vorgang unzumutbar lange. Spielt die Dauer des Suchvorganges eine Rolle, so kann LTFS für die Archivierung nur einzelner Tapes verwendet werden. Eine professionelle Verwendung in größerem Umfang scheidet damit aus.
Traditionelle Archiv-Software wie Presstore P4 legt im Gegensatz zu LTFS einen Katalog aller im Archiv verwendeten Tapes an, der jederzeit (auch ohne die Tapes) durchsucht und durchgeblättert werden kann. Konfigurierbare Medien-Previews unterstützen dabei den Nutzer. Dieser kann nach Dateiname, Archivierungszeitpunkt, Ablageort oder auch nach (selbst formulierten) Metadaten suchen. So lässt sich eine Datei binnen Sekunden lokalisieren. Erst beim Auslösen des Restore-Vorgangs wird dann das benötigte Tape (und nur dieses) von der Software angefordert. Handelt es sich um eine Tape Library, so wird das benötigte Tape vollkommen eingelegt.
LTFS scheint die LTO-Technologie und ihr Potenzial selbst zu unterschätzen, indem das Hauptaugenmerk auf die Verwendung als Direct Attached Storage (DAS) an einem Einzelarbeitsplatz gelegt wird. Für den Nutzer eines solchen Arbeitsplatzes ergibt sich ein Ungleichgewicht aus hoher Komplexität und eingeschränktem Nutzungskomfort, der nur ungenügend von den Vorteilen des Mediums ausgeglichen wird.
Sicherlich kommen in naher Zukunft mit dem „Datacenter on the Desktop“ und Technologien wie Thunderbolt Herausforderungen auf den professionellen Einzelplatznutzer zu. Umso einfacher und transparenter diese gestaltet werden, umso eher werden sie auch angenommen werden.
Für wen ist LTFS geeignet?
Fügt man alle erwähnten Eigenschaften und Einschränkungen zusammen, so sollte LTFS derzeit nur in kleinen Umgebungen verwendet werden. Auch dort gilt es, eine konsistente Ablagestruktur einzuhalten sowie eine Dokumentation, was wo zu finden ist. Zudem sollte jeweils doppelt archiviert werden, um einerseits Medien auslagern zu können und andererseits eine zusätzliche Sicherheitsstufe einzuführen.
Die Anzahl der verwendeten Tapes sollte manuell leicht zu verwalten sein. Von einer langfristigen Archivierung mit LTFS ist derzeit abzuraten, denn es liegen zu wenig Erfahrungen bezüglich der Treiberentwicklung und der künftigen Kompatibilität vor.
Als Transportmedium bietet sich LTO-5 wegen seiner hohen Datendichte und Robustheit an. Allerdings ist die Treibersituation vorher zu testen, um Überraschungen zu vermeiden.
Fazit
LTFS ist eine Neuerung für LTO-Tapes. Weder die Grundidee noch die derzeitige Implementierung können überzeugen. Es wirkt so, als habe ein professionelles Medium eine wenig passende Ergänzung auf Privatanwender-Niveau erfahren. Beides passt nicht recht zusammen. Es gäbe genug zu tun, die ganz realen Vorzüge von LTO-Tapes effektiver und breiter zu kommunizieren und neue Anwendergruppen zu erschließen.
Die konkurrenzlos niedrige TCO von Tape gegenüber Disk wäre ein solcher Ansatzpunkt, die herausragende Kombination von Sicherheitsfeatures ein anderer. Auch ließen sich Laufwerke und Libraries für die Zukunft ansprechender und desktopgerechter gestalten. Es gibt also genug zu tun.
Artikelfiles und Artikellinks
(ID:2052353)