Automobilhersteller müssen dringend ihre Datenschutzpraktiken überdenken: Die Mehrheit der befragten Personen in Deutschland (72 %) gab an, dass sie die Automarke wechseln würden, wenn ihre persönlichen Daten nicht sicher wären. Und das sind sie nicht!
Drei Viertel aller Autohersteller bestätigen, persönliche Daten der Fahrer zu verkaufen.
(Bild: frei lizenziert, SplitShire / Pixabay)
Oft schon haben wir folgende zwei Binsen zum Besten gegeben: Autos sind mittlerweile Edge-Rechenzentren und Daten das neue Öl. Die Kombination aus beidem macht vielen Fahrern Angst: Denn Autos überwachen ihre Fahrer mittlerweile vollständig, um das neue Öl zu fördern, also unsere Daten genau aufzunehmen. Das bestätigt eine neue Studie von Veritas Technologies, die unter dem Titel „Datenschutz in der Automobilbranche: große Erwartungen, geringes Vertrauen“ veröffentlicht wurde.
Es ist offiziell: Autos sind in puncto Datenschutz die übelste Produktkategorie, die wir je getestet haben.
Mozilla Foundation
Die Ergebnisse sind sehr alarmierend. Sie zeigen nämlich, dass die große Mehrheit der Verbraucher (86 %) von den Automobilherstellern angemessene Maßnahmen zum Schutz ihrer persönlichen Daten erwartet. Den gibt es aktuell aber nicht: Eine im September veröffentlichte Untersuchung der Mozilla Foundation deckte auf, dass 17 der 25 weltweit führenden Hersteller in jüngster Vergangenheit von einem Datenschutzvorfall betroffen waren. Keine der Marken wurde in der Studie als zufriedenstellend bewertet, wenn es um den Schutz und den sorgsamen Umgang mit privaten Daten geht. Im Gegenteil: Sie sammeln und vertreiben zum Teil äußerst sensible Daten im großen Stil.
Das sollte den Herstellern zu denken geben: Fast drei Viertel (72 %) der Befragten gaben an, im Falle eines Lecks oder einer Datenschutzverletzung mit Blick auf ihre personenbezogenen Informationen einen Wechsel der Automarke in Betracht zu ziehen. Veritas wollte in seiner Umfrage daher auch ermitteln, wie bewusst sich Verbraucher über die Datenpraxis der Hersteller sind.
Nur die Hälfte der Fahrer sieht klar
Drei von vier Befragten (75 %) geben an, dass sie sich der legitimen Datenerfassung bewusst sind, also der Speicherung von Daten, die zum Nutzen der Fahrerassistenzsysteme benötigt werden. Dazu zählen Informationen, mit denen sich die Fahrzeugentwicklung sowie das Entertainment an Bord verbessern lassen. Weniger als die Hälfte (49 %) ist dagegen der Erhebung und Speicherung sensiblerer Daten gewahr, die für die Anwender nicht unmittelbar von Nutzen sind. Dazu zählen beispielsweise Geolokalisierung, Gesundheitsdaten oder private Bilder.
Wenn es um die Weitergabe und den Verkauf von Daten geht, sind die Fahrzeughalter sogar erschreckend schlecht informiert: Nur zwei von fünf Befragten (43 %) wissen, dass die Autohersteller ihre privaten Daten an öffentliche Einrichtungen oder Strafverfolgungsbehörden weitergeben dürfen. Ebenso sind sich nur zwei von fünf Befragten (43 %) der Tatsache bewusst, dass Automobilhersteller diese Daten auch an andere private Unternehmen weitergeben oder verkaufen können.
Laut Untersuchung der Mozilla Foundation erklärten mehr als die Hälfte der Automobilhersteller, Daten „auf Anfrage“ an die Regierung oder Strafverfolgungsbehörden weitergeben zu können. Hierfür sei nicht etwa eine richterliche Anordnung erforderlich – eine simple „informelle Anfrage“ genüge. Drei Viertel aller Hersteller bestätigte gegenüber der Mozilla Foundation, persönliche Daten zu verkaufen.
Autofahrer wollen Sicherheit, auch bei den Daten
Das darf nicht sein. Die große Mehrheit der Fahrer (84 %) wünscht sich Klarheit darüber, wo und wie die von ihrem Fahrzeug erfassten Daten gespeichert werden. Weniger als die Hälfte (43 %) ist jedoch der Ansicht, dass die Automobilhersteller eine einfache Möglichkeit bieten, ihre Daten direkt im Fahrzeug oder online zu löschen. Das widerspricht den Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
Letztlich hat fast die Hälfte der Befragten (47 %) kein Vertrauen in die Automobilhersteller, wenn es um ihre privaten Daten geht. Jeder Dritte (33 %) ist sogar der Meinung, dass die Automobilhersteller die DSGVO nicht einhalten – und das, obwohl sie für alle Unternehmen und Behörden auf europäischem Boden gilt.
Ralf Baumann, Country Manager Deutschland bei Veritas Technologies.
(Bild: Veritas)
In puncto sicherer Datenspeicherung sind die Befragten kaum zuversichtlicher. Nur etwas mehr als die Hälfte (54 %) ist der Ansicht, dass ihre privaten Daten in ihren Fahrzeugen sicher gespeichert sind. Werden die Daten in der Cloud oder auf den Servern der Hersteller gespeichert, haben die Verbraucher ebenso wenig Vertrauen (51 %). Den Ergebnissen der Mozilla Foundation zufolge gibt es dafür allen Grund: Die Verschlüsselung von Borddaten, eine grundlegende Praxis im Bereich Cybersicherheit, konnte bei keinem der untersuchten Hersteller bestätigt werden. Das lässt Zweifel an deren Zuverlässigkeit aufkommen.
Hersteller müssen reagieren
„Datenschutz ist ein komplexes Terrain, das sich kontinuierlich weiterentwickelt. Aber angesichts der hohen Erwartungen in Bezug auf Datenmanagement und Datenschutz sowohl von Seiten der Verbraucher als auch des Rechtsapparats müssen gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. Sonst verlieren Konsumenten weiter an Vertrauen. Automobilhersteller, die hier gut aufgestellt und transparent gegenüber ihren Kunden sind, können die Komplexität des Themas in einen Wettbewerbsvorteil verwandeln”, erklärt Ralf Baumann, Country Manager Deutschland bei Veritas Technologies.
Stand: 08.12.2025
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Je höher das Einkommen (und damit oftmals auch der Preis eines Wagens), desto höher der Anspruch auf Datenschutz: So verlangen 90 Prozent der Befragten mit den höchsten Einkommen angemessene Maßnahmen zum Schutz persönlicher Daten, während es bei den Befragten mit den niedrigsten Einkommen „nur“ 80 Prozent waren.
„Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Automobilhersteller den Verbrauchern versichern können, dass sie sich vorbildlich verhalten, ihre Praktiken transparent machen und den Nutzern eine bessere Kontrolle über die gesammelten Daten geben. So können sie sich auch gegenüber anderen Herstellern abgrenzen, die in dieser Hinsicht keinen guten Ruf haben. Und sie zeigen ihr Bewusstsein für ein Thema, dass für Verbraucher nachweislich wichtig ist, vor allem für die anspruchsvollsten“, erklärt Ralf Baumann weiter.
Methodik der Umfrage
OpinionWay führte die repräsentative Studie „Datenschutz in der Automobilbranche: große Erwartungen, geringes Vertrauen“ im Oktober 2023 mit 1.505 deutschen Verbrauchern im Alter ab 18 Jahren durch. Die Stichproben wurden nach dem Quotenverfahren auf der Grundlage von Geschlecht, Alter, Einkommen und Wohnregion gezogen.