Mobile-Menu

Datenquellen und -ziele bidirektional verketten Fivetran kauft Census und Tobiko

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Mit Zukäufen stärkt und verbreitert der ETL-Spezialist Fivetran sein Angebot: Census ermöglicht Reverse-ETL, Tobiko ist auf SQL-Transformation spezialisiert. Das Ziel: eine möglichst vollständige bidirektionale Kette zwischen Datenquellen und -zielen.

Fivetran, Spezialist für ETL (Extract, Transform, Load), erweitert sein Angebot mit Hilfe von Firmenzukäufen.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Fivetran, Spezialist für ETL (Extract, Transform, Load), erweitert sein Angebot mit Hilfe von Firmenzukäufen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Fivetrans Spezialität ist die Datenaufbereitung und -verteilung (ETL – Extract, Transform, Load) in Unternehmen, um sie beispielsweise für fortgeschrittene Analytik zugänglich zu machen. Dabei gehört die Firma zu den Unternehmen, die die Transformation auf dem Zielsystem der Datensammlung – in der Regel einem Data-Lake – vornehmen.

Das spart viel Zeit bei der Datenübertragung und sorgt dafür, dass die Daten tatsächlich für das Zielsystem passen. Zu Fivetrans großen Assets gehört seine Fähigkeit, schnell Konnektoren für neue Quellen und/oder Ziele zu bauen. Dafür arbeitet der Anbieter mit AI-Methoden.

Bildergalerie

Drei Aufkäufe 2025

Innerhalb eines Jahres hat der Anbieter nun gleich dreimal Firmen eingekauft, um sein Angebotsspektrum abzurunden respektive zu erweitern. Der wichtigste Expansionsschritt erfolgte dabei erst kürzlich: Fivetran und dbt Labs schließen sich zusammen.

Im Merger-Statement beschreibt sich dabei Fivetran als Spezialist für automatisierte Datenverschiebungen; dbt Labs gibt das eigene Tätigkeitsgebiet mit Datentransformation an. Allerdings sieht der Markt beide durchaus als Konkurrenten.

Fivetran und dbt Labs fusionieren

Der Chef von Fivetran, George Fraser, wird CEO der neuen Firma, der bisherige CEO von dbt Labs, Tristan Handy, fungiert als Co-Gründer und Präsident. Die jährlich wiederkehrenden Einnahmen (Annual Recurrent Revenue, ARR) der beiden Firmen gemeinsam liegen bei 600 Millionen US-Dollar.

Als Grund des Mergers werden die großen Marktveränderungen im Datenökosystem genannt, die KI verursacht. Der Markt brauche verlässliche, offene und interoperable Produkte, die mitwachsen, verkündete Fraser.

Die Transaktion wurde bereits von den Aufsichtsräten beider Firmen sowie den Aktionären bestätigt. Allerdings haben die Regulierungsbehörden noch nicht zugestimmt. Außerdem wurden einige nicht benannte Bedingungen für den Vollzug des Mergers erwähnt. Bis alle Konditionalitäten beseitigt sind, operieren beide Firmen weiter getrennt.

Census: ETL rückwärts

Schon im Mai erwarb Fivetran Census, eine US-Gründung aus dem Jahr 2018 mit rund 70 Beschäftigten.

Das Unternehmen war noch nicht profitabel. Auch über den Kaufpreis möchte Fivetran nicht reden, schließlich befindet sich die Firma in Privatbesitz. Der Ex-CEO Boris Jabes soll bei Fivetran in Vertrieb, Marketing und Strategieentwicklung mitwirken. Die Belegschaft wurde übernommen.

Maßgeschneiderter Output

Census bringt seine Tools für Reverse-ETL ein. Was das ist, beschreibt Jabes so: „Wir können die analysierten Daten respektive die Analyseergebnisse an die Bereiche zurückverteilen, wo dann aufgrund der Analyseergebnisse direkt gehandelt werden soll.“

Dabei könne der Output so maßgeschneidert werden, dass er exakt den handlungsleitenden Bedürfnissen der Empfänger entspreche. „Man kann zum Beispiel herausbekommen, wer über unterschiedliche Billing-Systeme hinweg die aktivsten Anwender sind, mit denen gleichzeitig am meisten umgesetzt wird.“ Diese Klientel könne dann besonders sorgfältig bedient werden oder spezielle Vorteile erhalten.

Census-Weiterentwicklung: noch Hausaufgaben bei SAP, Workplace und Service Now

Census kann „Dutzende analytische Datenbanken als Quelle und buchstäblich Hunderte Business-Apps als Ziel“ (Jabes) unterstützen. Wie üblich wird das Portfolio ständig erweitert. Auf dem Fahrplan steht verbesserte Unterstützung für SAP, Workplace und Service Now. „Hier können wir einiges, aber noch nicht genug“, meint Jabes selbstkritisch.

Außerdem sei es auch möglich, eigene Konnektoren zu schreiben. Etwa wenn ein Unternehmen plant, seine analytischen Fähigkeiten direkt an die Manufacturing-Control-Systems anzubinden. Denn diese gehören selbst noch nicht zu den unterstützten Zielen.

Integration läuft

Die Integration zwischen den beiden Firmen läuft bereits; angefangen hat sie mit den Billing-Systemen. Beide Systeme laufen zudem reibungslos miteinander in einem Umfeld.

„In drei bis sechs Monaten wird die Integration zwischen unseren Lösungen für die Anwender sichtbar werden“, verspricht Jabes. So werden die bisher getrennten Nutzerschnittstellen zusammengeführt.

Debugging von einem Ende zum anderen

Ein weiterer Vorteil: Alles, was mit einem ELT-Prozess zusammenhängt (Pipeline, Schutz- und Authentisierungsmaßnahmen, Transport der Daten, Transformation), lässt von einem bis zum anderen Ende mit Census von Fehlern befreien.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Data-Storage und -Management

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Außerdem ist es mit Census möglich, Daten auch dann schon in Analysen zu verwerten, wenn die Daten noch nicht endgültig im Data Lake gelandet sich. Das sei wichtig für gezielte Werbung. Jabes: „Wenn ein Unternehmen einen Gegenstand bewirbt und ein angepeilter Kunde diesen Gegenstand dann kauft, sollte die Online-Werbung dafür sofort aufhören.“ Das lasse sich mit seinem System erreichen.

SaaS mit Standort auch bei AWS in Deutschland

Census bietet seine Lösung als Software-as-a-Service (SaaS) an. In Europa liegt der Service bei AWS EU Central in Deutschland. Die Kundendaten allerdings bleiben nur dann in der Cloud, wenn die Kundschaft dort einen Data-Lake betreibt. Ansonsten werden sie nur dort verarbeitet, lagern aber dort, wo die jeweiligen Kunden es wollen, also wohl oft On-Prem. Census selbst, so betont Jabes, halte so wenig wie möglich Daten von seinen oder über seine Kunden.

Der zweite Aufkauf, der erst am 3. September von Fivetran vermeldet wurde, betrifft das auf Multi-Engine-Transformation spezialisierte Unternehmen Tobiko Data. Entwickelt hat die Firma das SQL-Tool SQLGlot und darauf aufbauend mit SQLMesh eine Alternative zu dbt.

SQL-Logik verstehen mit SQLGlot

Das grundlegende Produkt ist SQLGlot. Das Tool versteht und verarbeitet SQL-Logik, validiert SQL-Code und unterstützt diverse SQL-Dialekte. Damit lassen sich auch kundenspezifische Python-Makros bauen.

Auf SQLGlot basiert SQLMesh. Die Software kann in alles, was SQLGlot kann; darüber hinaus kann es auch in SQL oder Python geschriebene Datentransformationen ablaufen lassen und die Daten bereitstellen. Der Hersteller garantiert für die Prozesse jederzeitige Sichtbarkeit und Kontrolle. Integriert sind auch inkrementelle Modelle.

Mehr Funktionen mit Tobiko Cloud

Wer seine Daten auf die Tobiko Cloud lädt, erhält darüber hinaus einen komplett gemanagten Status- und Datenkatalog, professionelle Tools für die Zusammenarbeit im Team, ein Steuerungs-Dashboard, einen Leistungs- und Kostentracker für die Datawarehouses Snowflake und BigQuere und weitere Funktionen.

Tobiko beansprucht, die Semantik von SQL zu verstehen, so dass der Einfluss von Änderungen sofort sichtbar wird und Fehler gegebenenfalls schon beim Kompilieren beseitigt werden können. Spalten-Updates werden nur in nachgelagerten Dateien wirksam und pflanzen sich nicht nach oben fort.

Bildergalerie

Datenverträge schützen Konsistenz

Daten im Unternehmen werden durch automatische Datenverträge miteinander verknüpft. Das garantiert, dass auch bei neuen Datenbanken et cetera keine Inkonsistenzen in der Datenumgebung entstehen.

Abzuwarten bleibt, wann und wie die Funktionen von Tobiko sich im Produktportfolio von Fivetran wiederfinden. Darüber war zunächst nichts zu erfahren. Vorsichtshalber betont Fivetran in einem Blogpost zur Akquise, man werde die Partnerschaften zu dbt und Coalesce wie gehabt fortsetzen.

Fazit

Fivetran hat sein Potential im ELT-Markt durch die beiden Aufkäufe definitiv erhöht. Inwieweit der Hersteller diese Position nutzt, um sich von bisherigen Partnern unabhängiger zu machen, wird die Zukunft zeigen.

(ID:50595160)