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Wagnis KI: Datenlöschen will gelernt sein Gesteuertes Vergessen

| Autor / Redakteur: Matthias Breusch / Dr. Jürgen Ehneß

Verwaltungen von Unternehmen und Institutionen speichern x-fach Dateivarianten und Entwürfe. Vieles davon ließe sich löschen. In einer Forschungsgruppe wird bereits an der Automatisierung des Aufräumens getüftelt.

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Speichersysteme entschlacken durch planvolles Vergessen: Wissenschaftler der Universitäten Bamberg und Erlangen-Nürnberg arbeiten an einem interdisziplinären Projekt zur automatischen Löschung irrelevanter Daten.
Speichersysteme entschlacken durch planvolles Vergessen: Wissenschaftler der Universitäten Bamberg und Erlangen-Nürnberg arbeiten an einem interdisziplinären Projekt zur automatischen Löschung irrelevanter Daten.
(Bild: © ajr_images - stock.adobe.com)

Jede einzelne Datei beansprucht Speicherplatz und Energie. Die Informatiker und Arbeitspsychologen der Universitäten in Bamberg und Erlangen-Nürnberg haben sich für ein interdisziplinäres Projekt namens „Dare2Del“ zusammengetan, um das Löschen irrelevanter Daten zu erleichtern, Rechenzentren zu entlasten und letztlich die Arbeitseffizienz zu erhöhen.

Die erste Projektphase ist abgeschlossen: Von 2016 bis 2019 programmierten Dr. Ute Schmidt, Professorin für Angewandte Informatik und kognitive Systeme, sowie ihr Mitarbeiter Michael Siebers ein ebenso lernfähiges wie bedienerfreundliches Programm, das komplexe Algorithmen verarbeiten kann.

Das System lösche Dateien nicht wahllos: Die künstliche Intelligenz beachte Unternehmensvorschriften ebenso wie rechtliche Vorgaben und passe sich zudem den Eingaben der Nutzer an. So könnten beispielsweise immer die letzte und die vorletzte Version einer Datei behalten werden.

In der zweiten Phase bis 2022 geht es nun darum, das System für die Anwender transparent zu gestalten. So soll das Programm beispielsweise bestimmte Dateinamen hervorheben oder durch ein Pop-up erklären, warum es eine Datei zur Löschung vorschlägt.

Die Psychologinnen Prof. Dr. Cornelia Niessen und Kyra Göbel haben parallel ermittelt, dass Anwender während der Arbeit selten Dateien löschen; hauptsächlich sofern sie den Arbeitsablauf behindern. Auch hier könne das lernfähige Programm helfen, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Gegen Ende des Projektzeitrahmens soll eine marktreife Version stehen.

Unterstützt wird das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Sie hat ihr Schwerpunktprogramm mit denglisch-poetischer Sprachkraft betitelt: „Intentional Forgetting in Organisationen“.

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