Moderne Cloud-Architekturen verstehen lernen

IBM eröffnet erste Cloud Garage in Deutschland

| Autor / Redakteur: Stefan Girschner / Florian Karlstetter

2014 wurde die erste IBM Cloud Garage in San Francisco gestartet. Der nun zwölfte Standort wurde im April 2018 in München eröffnet und versteht sich als experimentierfreudige Werkstatt für moderne Cloud-Architekturen und Best Practices.
2014 wurde die erste IBM Cloud Garage in San Francisco gestartet. Der nun zwölfte Standort wurde im April 2018 in München eröffnet und versteht sich als experimentierfreudige Werkstatt für moderne Cloud-Architekturen und Best Practices. (Bild: gemeinfrei (jniittymaa0 / pixabay) / CC0)

Die Firmengründung in einer Garage gehört zur Legende heutiger Weltkonzerne wie Apple, Amazon, Google oder Disney. Steve Jobs und Steve Wozniak starteten Ende der 1970er-Jahre im kalifornischen Cupertino in just einer solchen die Entwicklung des ersten Apple-Computers. Auch die spätere Online-Buchhandlung Amazon nahm hier ihren Anfang, allerdings in Bellevue, Washington. Das ganz besondere Garagen-Feeling nutzt IBM für sein Lösungsangebot namens "Cloud Garage".

2014 wurde die erste IBM Cloud Garage in San Francisco gestartet. Der nun zwölfte Standort wurde im April 2018 in München eröffnet.

Die Umgebung, in der Menschen arbeiten, hat einen erheblichen Einfluss auf die Arbeitsergebnisse. Hierbei ist erwiesen, dass die Resultate aus der Arbeit innovativer werden, wenn sie in einer kollaborativen Umgebung tätig sind, in der sie auch über den Tellerrand hinaus blicken können.

Genau diese optimalen Voraussetzungen sollen mit der IBM Cloud Garage geschaffen werden. Im Zuge der neuen Herausforderungen durch die Digitalisierung ist die Zeit vorbei, wo Unternehmen eher schwerfällig Anwendungen entwickelten und es Wochen oder Monate dauerte, die spezifischen Anforderungen zu definieren, bevor diese umgesetzt endlich werden konnten.

Cloud-Lösungen erhöhen Flexibilität und Agilität

Die Mehrheit der Unternehmen möchte Cloud Computing nicht mehr nur dazu nutzen, um Kosteneinsparungen zu erzielen und Innovationen sicher entwickeln zu können. Sie will mit einer Cloud-Plattform insbesondere für große Datenmengen und künstliche Intelligenz gerüstet sein.

Ende 2017 veröffentlichte IBM gemeinsam mit Vanson Bourne eine Studie zum Einsatz von Cloud in Unternehmen. Demnach erklärten 99 Prozent der befragten IT- und Business-Entscheider, dass Cloud-Lösungen ihrem Unternehmen Vorteile bieten können. 74 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland bestätigten, dass sie Cloud-Lösungen im Einsatz haben. Als Vorteile nannten sechs von zehn Befragten Flexibilität und Agilität, für 46 Prozent standen Kostensenkungen im Vordergrund.

Aus der Studie geht auch hervor, dass der Cloud-Einsatz zur Chefsache wird. So entscheidet nicht mehr allein die IT-Abteilung über die Implementierung einer Cloud-Lösung. 60 Prozent der Befragten erklärten, dass vermehrt CSOs in den Prozess involviert seien und erheblichen Einfluss auf die endgültige Entscheidung nähmen.

Vom Minimalprodukt zur ausgereiften Geschäftsanwendung

Mit der Cloud Garage bietet IBM nun ein neuartiges Lösungskonzept für Design, Entwicklung und Management von Anwendungen, die die Benutzer schnell begeistern sollen. Ziel des Ansatzes ist es, sämtliche Beteiligten, also Designer, Produktmanager, Entwickler und Architekten von Kundenseite mit Experten von IBM zusammenzubringen und dann gemeinsam innerhalb einiger Wochen ein Minimum Viable Product (MVP) zu entwickeln.

Hierunter ist eine minimal funktionsfähige Iteration eines Produkts zu verstehen, die entwickelt wird, um mit geringem Aufwand einen bestimmten Kundenbedarf zu erfüllen und auch ein Feedback darauf zu ermöglichen. Frank Theisen, Vice President IBM Cloud für die Region DACH, erläutert die Bedeutung von MVPs: "Wir haben Kunden, die haben einen digitales Transformationsprojekt über zwei oder drei Jahre und definieren im Garagenkonzept zehn bis 15 MVPs, die dann Bausteine des gesamten Digitalisierungsprojektes sind. Die Digitalisierung soll nicht in einem großen Big Bang erfolgen, sondern in einzelnen Schritten, die auch konsumierbar sind."

Kombination verschiedener Methoden und Praktiken

Ein Beispiel für ein MVP sind Chatbots, also digitale Assistenten für einen bestimmten Anwendungszweck. Mittelfristig sollen daraus neue Business Cases und Anwendungen entstehen. Einer der wichtigsten Bestandteile ist die von IBM konzipierte und auch häufig eingesetzte Methode des "Enterprise Design Thinking". Dazu kommen agile Entwicklungs- und DevOps-Praktiken – im Gegensatz zu der früher häufig angewendeten Wasserfallmethode.

Mithilfe der DevOps-Zielsetzungen erfolgt dann im letzten Schritt die Transformation der Garage gemäß der firmenspezifischen Anforderungen, mit einem Zeitaufwand von über drei Monaten. Als Technologien können Unternehmen Cloud-Services von IBM, wie künstliche Intelligenz, Internet of Things, Analytics und Blockchain, nutzen.

Offenes Konzept

"Wir wollen unseren Kunden eine Arbeitsumgebung bieten, die Innovationen erleichtert, insbesondere um neue Themen schnell angehen zu können", erklärt Frank Theisen. "Der Vorteil liegt nicht nur in der besonderen Arbeitsumgebung, sondern auch darin, dass man verschiedene Bereiche des Unternehmens, wie die IT-Abteilung und Fachabteilungen, zusammenbringen kann. Hierbei kombinieren wir Public Cloud, Private Cloud und KI-Komponenten."

Das Cloud-Garage Konzept ist dabei völlig offen und richtet sich demnach nicht nur an Bestandskunden, sondern insbesondere an Unternehmen, die bisher keine Cloud-Lösungen von IBM, sondern anderen Anbietern nutzen. Dies stellt aber auch kein Hindernis dar, da immer mehr Unternehmen Multi-Cloud-Plattformen im Einsatz haben. Die Finanzgruppe Deutscher Sparkassen- und Giroverband entwickelte beispielsweise mithilfe der Cloud Garage eine zentrale Immobiliendatenbank, die auch über eine App abrufbar ist.

Einführung einer Cloud-Lösung erhöht Sicherheit

Besonderes Augenmerk legen Unternehmen bei der Nutzung von Cloud-Diensten auf Datensicherheit und Datenschutz. Sicherheit ist zugleich die am häufigsten genannte Hürde bei der Implementierung, wie 57 Prozent der Befragten in der Studie von IBM und Vanson Bourne erklärten. 87 Prozent befürchten zudem, dass ihr Unternehmen Ziel eines Cyber-Angriffs wird.

73 Prozent sind hingegen sind davon überzeugt, dass durch die Einführung von Cloud-Diensten die Sicherheit im Unternehmen erhöht oder zumindest nicht beeinträchtigt wird. Und nur neun Prozent glauben, dass die Cloud-Einführung die Sicherheit im Unternehmen senken würde.

Das kognitive Zeitalter fordert einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten

Im Januar 2017 veröffentlichte Ginni Rometty, die Vorstandsvorsitzende von IBM, eine Reihe von Prinzipien für das kognitive Zeitalter, zu denen auch die Verantwortung im Umgang mit Kundendaten gehört. Was das Thema Datenbesitz angeht, werden Kunden unter anderem nicht dazu verpflichtet, die Rechte an ihren Daten abzutreten, um Leistungen von IBM in Anspruch zu nehmen.

In den Fällen, wo es kein einheitliches Konzept für Datenschutz gibt, versichert IBM, immer die jeweiligen Gesetze und Vorschriften in den Ländern, in denen der jeweilige Kunde tätig ist, einzuhalten. Darüber hinaus unterstützt IBM digitale Handelsabkommen, die grenzüberschreitende Datenströme ermöglichen, wie auch die Limitierung der Datenlokalisierung.

Der IT-Konzern bestätigt darüber hinaus, generell keinen Zugang zu Kundendaten bereitzustellen, die sich außerhalb der gesetzlichen Zuständigkeit einer Regierung befinden, bis auf diejenigen Anfragen, die durch international anerkannte juristische Maßnahmen erfolgen.

Was die Datenverschlüsselung betrifft, verspricht IBM, weder Backdoors in die eigenen Produkte einzubauen noch staatlichen Behörden Quellcodes oder Verschlüsselungscodes zur Verfügung zu stellen, um auf Kundendaten zuzugreifen. Außerdem soll die Nutzung international anerkannter Verschlüsselungsstandards und -algorithmen anstelle der durch Regierungsbehörden empfohlenen Standards bevorzugt werden.

Ausblick

Auf der Cebit im Juni 2018 kündigte IBM an, die Einsatzmöglichkeiten der eigenen Cloud-Lösungen zu erweitern. Demnach plant das Unternehmen, 18 neue Verfügbarkeitszonen für die Public Cloud-Angebote in Europa, Asien und Nordamerika einzuführen. Die nahtlose Anbindung einer Public Cloud in die bestehende Private Cloud bietet Anwenderfirmen viele Vorteile. So lassen sich beispielsweise Analysetools aus der IBM Cloud auf eigenen Servern und mit lokalen Daten nutzen.

* Diesen Beitrag haben wir von unserem Schwesterportal CloudComputing-Insider übernommen.

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