Mit der Bereitstellung von Exchange SE starten viele Unternehmen auch die Migration zur neuen Exchange-Version. Da der erweiterte Support von Exchange 2016 und von Exchange 2019 im Oktober diesen Jahres ausläuft, haben Admins auch nicht viel Zeit dazu.
Der erweiterte Support für Exchange 2016 und 2019 endet im Oktober 2025. Microsoft stellt mit Exchange Server SE eine neue abonnementbasierte Version vor, die zahlreiche technische und lizenzrechtliche Veränderungen mit sich bringt. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Fakten für die Migration zusammen.
(Bild: KI-generiert)
Seit Juli 2025 ist Microsoft Exchange Server SE und Skype for Business Server SE als Subscription Edition offiziell auf dem Markt. Beide Produkte unterliegen der Modern-Lifecycle-Policy mit fortlaufenden Updates statt fixer Versionszyklen.
Microsoft stellt für Testumgebungen auch eine Trial-Version bereit, die bis zu 180 Tage eingesetzt werden kann. Sind die 180 Tage abgelaufen, versendet der Server keine E-Mails mehr, weil der Transport-Dienst beendet wird.
Software-Assurance deckt auch die Aktualisierung von Exchange SE ab
Voraussetzung für den Einsatz ist eine aktive Software-Assurance oder eine Cloud-Subscription für sämtliche Nutzer und Geräte. Gleichzeitig erhöht Microsoft die Preise für sämtliche On-Premises-Serverprodukte wie Exchange, SharePoint und Skype for Business um zehn Prozent. Die Core CAL Suite verteuert sich um 15 Prozent, die Enterprise CAL Suite um 20 Prozent. Diese Änderungen betreffen ausschließlich lokale Installationen und wirken sich nicht auf Cloud-Produkte wie Exchange Online oder Microsoft Teams aus.
Am 14. Oktober 2025 läuft der Support von Exchange 2016 und Exchange 2019 aus. Der Nachfolger Exchange SE (Subscription Edition) steht in den Startlöchern. Die neue Version läuft weiterhin On-Premises, kann aber nicht mehr gekauft werden. Exchange SE ist nur im Abonnement verfügbar. Unternehmen, die eine Software-Assurance (SA) mit Microsoft abgeschlossen haben, können ohne weiteren Kosten zu Exchange SE aktualisieren. Im Rahmen der Migration lassen sich neue Server mit Exchange SE direkt in Organisationen mit Exchange 2016 und Exchange 2019 integrieren. Eine direkte Aktualisierung zu Exchange SE geht nur über einen Server mit installiertem Exchange 2019 CU15.
Neuer Produktschlüssel aktiviert Exchange SE
Hier reicht es aus, im Exchange-Admin-Center bei „Server“ in den Eigenschaften über „Allgemein“ den Produktschlüssel von Exchange SE einzutragen. Dadurch ändert sich die Version einer installierten Exchange-2019-CU15-Installation zu Exchange SE RTM. Die neuen Funktionen von SE kommen mit dem CU1, das Ende des Jahres erscheinen soll und sich direkt auf Exchange SE installieren lässt. Der Exchange-SE-Produktschlüssel kann auch in der Exchange Management Shell hinterlegt werden:
Nach dem Wechsel sollte der Server neu gestartet werden, zumindest der Informationsspeicher-Dienst. Auch das geht in der PowerShell; eine Exchange-Management-Shell-Sitzung ist dabei nicht notwendig:
Restart-service msexchangeis
On der Wechsel erfolgreich war, ist in der Spalte „Version“ des Serverobjektes im Exchange Admin Center zu sehen oder in der Exchange Management Shell mit:
Es ist natürlich auch möglich, Exchange SE auf einem neuen Server in die Organisation einzubinden. Sinnvoll ist es hier, gleich auf Windows Server 2025 als Betriebssystem zu setzen, um den maximalen Supportzeitraum auszuschöpfen. Denn wenn auf einem Server bereits Exchange installiert ist, sollte das Betriebssystem nicht aktualisiert werden. Das ist zwar technisch möglich, allerdings unterstützt Microsoft dieses Szenario nicht.
Migrationszenarien: Swing oder Inplace/Swing
Ab Juli haben Admins etwa drei Monate Zeit, zu Exchange SE zu wechseln. Da hier oft auch neue Hardware zum Einsatz kommen wird, vor allem aufgrund eines Wechsels zu Windows Server 2025 oder zumindest zu Windows Server 2022, haben Admins verschiedene Wege.
Bei der Swing-Migration wird ein separater Server mit Exchange 2019 CU15 auf neuer Hardware und unter Windows Server 2022 oder 2025 installiert. Anschließend erfolgt die Integration in die bestehende Organisation. Exchange SE lässt sich später durch einfachen Produktschlüsselwechsel aktivieren. Dieses Vorgehen ist besonders sinnvoll, wenn gleichzeitig die Serverplattform modernisiert werden soll.
Die Kombination aus Inplace-Upgrade und Swing-Migration, auch Inplace/Swing genannt, kommt dort zum Einsatz, wo bestehende Server mit Exchange 2019 CU15 bereits laufen. Hier genügt es, den Produktschlüssel zu ändern, um den Server technisch in eine SE-Instanz zu überführen. Da Microsoft jedoch keine Betriebssystem-Upgrades auf Servern mit installiertem Exchange unterstützt, lässt sich die Plattform in diesem Fall nicht erneuern. Die Swing-Komponente ermöglicht es, parallel einen neuen Server mit Windows Server 2025 aufzubauen und langfristig zu betreiben. Beide Varianten setzen zwingend CU15 voraus, das unter anderem das Active Directory für Exchange SE vorbereitet und die technische Grundlage für spätere Feature-Aktualisierungen wie das geplante CU1 bildet. Wer frühzeitig zu Windows Server 2025 wechselt, profitiert zusätzlich von dessen AD-Erweiterungen und langfristigem Support.
Stand: 08.12.2025
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Diese Lizenzen spielen im Rahmen der Migration eine wichtige Rolle
Im Rahmen der Migration müssen Unternehmen drei verschiedene Bausteine bei der Lizenzierung beachten. Zunächst müssen Unternehmen den Server selbst als Exchange SE Standard oder Enterprise lizenzieren, genauso wie bei Exchange 2016/2019. Unternehmen, die auf Microsoft 365 E3/E5 setzen und „Extended Use Rights“ in Anspruch nehmen können, dürfen lokal Exchange SE ohne weitere Kosten betreiben.
Voraussetzung dafür ist, dass der Exchange-Zugriff ausschließlich durch Nutzer erfolgt, die mit einem aktiven Microsoft-365-E3- oder -E5-Plan lizenziert sind. Die Extended Use Rights gelten dabei nur für den Zugriff auf Serverprodukte wie Exchange SE, nicht jedoch für Serverlizenzen selbst. Diese müssen separat vorhanden sein, sofern keine Volumenlizenz mit aktiver Software-Assurance vorliegt. Für Unternehmen, die ausschließlich Cloud-basierte Dienste einsetzen und dennoch hybride Funktionen wie das Verzeichnis-Synchronisationsobjekt oder das Management von Empfängerattributen benötigen, lassen sich mit den Extended Use Rights lokale Exchange-SE-Instanzen lizenzrechtlich korrekt betreiben. Eine Mischform aus Cloud-basierter Produktivnutzung und lokalem Verwaltungsserver ist damit weiterhin möglich, ohne zusätzliche CAL-Kosten für lokal installierte Exchange-Instanzen.
Wer Exchange SE über SA abonniert hat, braucht Exchange-CALs für die Nutzer. Auch hier gibt es weiterhin Standard- und Enterprise-CALs. Nutzer, die eine Enterprise-CAL zugewiesen bekommen, haben zum Beispiel Zugriff auf das Archiv, verschiedene Compliance-Funktionen und andere Features. Es ist auch an dieser Stelle sinnvoll, zu prüfen, ob bereits Microsoft 365 E3/E5 lizenziert vorliegt. In diesem Fall liegen meistens auch bereits CALs für Nutzer bereit, weitere CALs sind dann nicht mehr notwendig.
Die Lizenzierung wird damit also nicht einfacher, und es ist sehr sinnvoll, im Rahmen der Migration zu Exchange SE die Lizenzen durch einen Profi prüfen und optimieren zu lassen. Lokale Exchange-Server, die mit Exchange Online verbunden sind, können als Hybrid-Connector-Server eingesetzt werden. Sollen allerdings Exchange Edge Server genutzt werden, brauchen diese eine Lizenz und können die Lizenzierung dafür über das Microsoft 365 Admin Center steuern.
Migrationspfade zu Exchange SE: zwischen Move Mailbox und Inplace-Upgrade
Ein direktes Inplace-Upgrade von Exchange Server 2016 auf Exchange SE ist nicht möglich. Stattdessen müssen Unternehmen neue Exchange-SE-Server auf aktueller Hardware bereitstellen und die Postfächer per „Move Mailbox“ übertragen. Bei größeren Umgebungen kann dieser Vorgang jedoch zeitintensiv sein. Ein alternativer Weg führt über Exchange Server 2019. Durch eine Vorab-Migration auf Exchange 2019 CU15 erhalten Unternehmen mehr Zeit für die Umstellung, da CU15 technisch bereits Exchange SE RTM entspricht und Windows Server 2022 sowie 2025 unterstützt.
Ist Exchange 2019 CU15 im Einsatz, lässt sich der Wechsel zu Exchange SE über ein Inplace-Upgrade durchführen – vorausgesetzt, die zugrundeliegende Plattform bleibt für die nächsten Jahre tragfähig. Ist das Betriebssystem jedoch veraltet oder die Hardware überaltert, bleibt die Migration per Move Mailbox dennoch möglich. Auch in solchen Fällen kann ein Inplace-Wechsel in Erwägung gezogen werden, sofern keine Altversionen von Exchange parallel betrieben werden.
Neben den technischen Möglichkeiten spielen zwei zentrale Faktoren eine Rolle. Erstens die Lizenzierung: Zwischenversionen müssen korrekt lizenziert werden. Zwar existieren Evaluierungsversionen, doch sie unterliegen funktionalen Beschränkungen etwa bei der Anzahl von Datenbanken oder bei der Integration in DAGs. Auch CALs sind notwendig, sofern sie nicht bereits über Microsoft 365 E3/E5 abgedeckt sind. Zweitens der Faktor Zeit: Eine Move-Mailbox-Migration dauert ungleich länger als ein Inplace-Upgrade und ist deshalb vor allem im Hinblick auf das erwartete CU1 für Exchange SE unter Zeitdruck problematisch.
Erschwerend kommt hinzu, dass Inplace-Upgrades keine Betriebssystemwechsel erlauben und Hardwareanpassungen risikobehaftet sind, vor allem bei Servern ohne DAG-Struktur. Mischformen mehrerer Exchange-Versionen im Forest sollten im Vorfeld bereinigt werden. Auch veraltete CU-Stände müssen zwingend auf den aktuellen Stand (Exchange 2016 CU23, Exchange 2019 CU14/CU15) gebracht werden. Szenarien wie Cross-Forest-Migrationen oder Ex- und Import über PST-Dateien gelten als unpraktikabel und entziehen sich einer professionellen Migrationsstrategie. Wer den Migrationsdruck reduzieren will, sollte erwägen, einen Großteil der Postfächer nach Exchange Online zu verschieben. Die verbleibende Migration auf Exchange SE lässt sich so erheblich schlanker gestalten.