Wenn von Daten die Rede ist, wird häufig zuerst die schiere Menge an Informationen betont, die wir heutzutage überall erschaffen – im nächsten Atemzug geht es dann meist um die zunehmende Bedeutung von KI, da mit ihr die Nachfrage nach diesen Daten weiter steigt. Cloud-Plattformen bieten mittlerweile eine bequeme Möglichkeit, diese riesigen Datenmengen zu speichern. Der Nachteil dabei: Die Daten sind stärker dezentralisiert als je zuvor.
Der Autor: Bart Koek ist Field CTO bei Immuta.
(Bild: Immuta)
Für Datennutzer ist es daher nicht nur schwierig, die benötigten Informationen zu finden und darauf zuzugreifen – oft fehlt ihnen auch schlicht das Wissen darüber, dass diese Daten überhaupt existieren.
Derzeit gehen nur sechs Prozent der deutschen Unternehmen davon aus, das Potenzial der ihnen zur Verfügung stehenden Daten vollständig auszuschöpfen. Um tatsächlich Mehrwert aus ihren Daten zu gewinnen, müssen sie deshalb ihre Daten sammeln, kategorisieren und verwalten. Der erste Schritt in diese Richtung ist ein Datenkatalog. Aber: Was oft als Patentlösung angesehen wird, könnte durchaus auch ein Hindernis darstellen.
Alle Daten an einem Ort
Die Idee der Datenkataloge basiert auf dem einfachen Prinzip, Ordnung in große Datenmengen zu bringen. Datenkataloge bieten Rahmenbedingungen und Schnittstellen, um Metadaten zu erfassen und zu verwalten, die wiederum Auskunft über die Herkunft, Zuverlässigkeit, Qualität und Sensibilität von Daten und Datenprodukten geben.
Einfacher ausgedrückt, lassen sich in Datenkatalogen alle Informationen über die von einer Organisation gespeicherten Daten einsehen. Damit werden sie zu einem leistungsstarken Werkzeug, etwa für Dateningenieure, die die Datenprodukte ihrer Organisation erstellen. Man kann sich den Datenkatalog dabei wie eine große Bestandsliste an Materialien vorstellen, mit der Mitarbeiter schnell und einfach die richtigen Komponenten für ihr nächstes Datenprojekt finden. Für Organisationen, die ihre Daten optimal nutzen wollen, sind Datenkataloge daher von entscheidender Bedeutung.
Der Datenmarktplatz
Mittlerweile benötigen allerdings immer mehr Nutzergruppen einen effizienten Zugriff auf Daten, um fundierte und rasche Entscheidungen treffen zu können. Oftmals erweisen sich bürokratische IT-Governance-Ansätze und die Einschränkungen bestehender Identitätsmanagement-Prozesse dabei als Hürden – es kann teilweise Monate dauern, bis die Zugriffsrechte auf bestimmte Daten freigegeben werden.
Mit der zunehmenden Bedeutung dieser Datenkonsumenten innerhalb einer modernen Datenstrategie sollten Unternehmen bei ihren Daten-Tools über einen reinen Katalogansatz hinaus denken. Eine Möglichkeit bietet etwa ein interner Datenmarktplatz. Viele Datenexperten denken hier oft direkt an den externen Verkauf von Informationen, dabei bieten interne Marktplätze vor allem Vorteile im Hinblick auf die Auffindbarkeit, Zugänglichkeit und Verwaltung von Daten. Einige Organisationen verwenden den Begriff „Datenaustausch“ dabei synonym zu „internem Datenmarktplatz“. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um ein und dasselbe: eine Plattform, die unter Berücksichtigung der unternehmensweiten Governance und Sicherheit Daten für Datennutzer leichter zugänglich macht.
Es geht jedoch nicht nur um die Auffindbarkeit von Daten. Entscheidend für den Erfolg eines Marktplatzes ist auch die Bereitstellung von Datenprodukten. Dabei handelt es sich um einen Prozess, über den Nutzer Datenplattformen oder BI-Tools verwenden können. Ohne eine effiziente Bereitstellung wäre ein Datenmarktplatz kaum mehr als ein Katalog und somit nur halb so nützlich. Es wäre in etwa so, als würde man im App Store die perfekte App finden. Aber anstatt sie einfach herunterladen zu können, müsste man den Entwickler um Zugang bitten, inklusive der entsprechenden potenziellen Wartezeit.
Der entscheidende Unterschied zwischen einem Katalog und einem Marktplatz liegt darin, dass sie zwei verschiedene Funktionen erfüllen: Kataloge sind ideale Werkzeuge für Dateningenieure, die Datenprodukte entwickeln. Marktplätze dagegen stellen die beste Möglichkeit dar, Datenkonsumenten direkt mit den benötigten Datenprodukten zu versorgen. Diese internen Marktplätze unterstützen so datenbasierte Initiativen und letztlich die Umsetzung der Unternehmensziele.
Die Wahl des richtigen Ansatzes
Doch was ist für moderne Unternehmen nun die richtige Wahl? Die Antwort: Datenkatalog und Datenmarktplatz.
Eine reine Katalogstrategie versucht zwei verschiedene Nutzertypen gleichzeitig zu bedienen, nämlich Dateningenieure und Datennutzer, was sich nachteilig auf beide auswirkt. Sich nur auf einen Datenkatalog zu verlassen, bedeutet für Dateningenieure zwar, dass sie die passenden Daten für ihre Produkte identifizieren können. Allerdings fehlt ihnen hier die Möglichkeit, auf Daten direkt zuzugreifen oder diese miteinander auszutauschen. Auch wesentliche Funktionen wie die Datenumwandlung, das Qualitätsmanagement und die Nachverfolgung der Datenherkunft sind hier oftmals nicht integriert. Für Endnutzer gestaltet es sich wiederum viel schwieriger, die für sie relevanten Informationen zu finden, denn sie werden auch mit allen Zwischendaten konfrontiert, die Dateningenieure zur Erstellung ihrer finalen Datenprodukte verwenden.
Stand: 08.12.2025
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Die Ergänzung eines Datenkatalogs durch einen umfassenden Datenmarktplatz, der es ermöglicht, Datenprodukte zu veröffentlichen, zu finden und auf sie zuzugreifen, vereint die Vorteile beider Ansätze. Dateningenieure können die Kataloge nutzen, ohne alles in der Datenplattform dokumentieren zu müssen. So können sie sich voll und ganz auf die Entwicklung und Bereitstellung ihrer Datenprodukte konzentrieren. Die Datenkonsumenten wiederum haben durch den Marktplatz die Möglichkeit, die benötigten Datenprodukte zu finden und von automatisierten Zugriffs- sowie Governance-Regelungen zu profitieren.
Mehrwert aus der Kombination von Katalogen und Marktplätzen
Ein Ansatz nach Schema F reicht nicht aus, um Daten zu sammeln und für alle im Unternehmen nutzbar zu machen. Durch die Kombination von Datenkatalogen und internen Datenmarktplätzen können Unternehmen von den Vorteilen beider Ansätze profitieren. Datenkataloge schaffen Ordnung und Struktur, während Marktplätze den direkten, effizienten Zugriff auf Datenprodukte erleichtern. So können Unternehmen das volle Potenzial ihrer Daten ausschöpfen, was datengetriebene Entscheidungen fördert und die strategische Ausrichtung stärkt.