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Quesma und AppSense Neue Datenmanagement-Technologien für SQL und Kubernetes

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 5 min Lesedauer

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Daten-Infrastrukturen werden immer komplexer; Datenbanken sind daher unentbehrlich. Ihr Management gehört zu den herausfordernden Aufgaben. Wie gut, dass sich auch die Tool-Landschaft in diesem Bereich immer wieder den aktuellen Anforderungen anpasst. Zwei Beispiele – eines aus dem Bereich SQL, eines aus der Kubernetes-Welt.

Auf Grund der zunehmenden Komplexität der Infrastrukturen steigen auch die Anforderungen ans Datenbank-Management.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Auf Grund der zunehmenden Komplexität der Infrastrukturen steigen auch die Anforderungen ans Datenbank-Management.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Nicht immer müssen Neuerungen aus den USA kommen. Ein Beispiel dafür ist Quesma, ein erst im November 2023 in Warschau gegründetes Start-up, das sich auf einer IT-Press-Tour in London präsentierte. Sein Ziel: den fehleranfälligen Datenbank-Migrationen durch ein neuartiges Datenbank-Gateway ihren Schrecken nehmen. Bislang hat Quesma 17 Kunden und 2,5 Millionen Euro Venture-Kapital aus Polen und Dänemark eingeworben, mit dem die bislang acht Mitarbeiter werken können.

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„Anwender bleiben bei bestehenden Datenbanken, obwohl sie vielleicht gern migrieren würden“, sagt Gründer und CEO Jaceg Migdal. Der Grund: blanke Furcht, es könnte bei der Migration oder der Datenbank-Wartung etwas schief gehen. Wie etwa bei Toyota im Jahr 2023. Dort standen wegen eines misslungenen DB-Wartungsversuchs die Räder in 14 Toyota-Fabriken still.

Suboptimale Datenrecherche

Eine weitere Konsequenz dieser Situation: Nicht immer wird die für eine Aufgabe am besten geeignete DB verwendet, was die Rechercheergebnisse schmälert. Quesmas Datenbank-Gateway soll daran etwas ändern.

Angefangen hat das Unternehmen mit Produkten für Elastic, das trotz mangelnder Eignung häufig für Abfragen genutzt wird, für die ein Data Warehouse besser geeignet wäre. Mittels eines Quesma-Gateways kann nun Elastic mit einer DW-Struktur verbunden werden, wobei das Gateway zwischen beiden Systemen übersetzt oder aber als Abfrage-Frontend fungiert.

Anwendungsbeispiele

Bisherige Kunden nutzen Quesma beispielsweise, um Elastic mit der ebenfalls recht neuen Streaming-Datenbank Hydrolix zu verbinden. Bei einem europäischen Telco-Provider arbeitet Quesma in einem hochsicheren Rechenzentrum und dient dazu, Daten für die Überwachung von TK-Netzen und die Behebung von Netzwerkfehlern aus der Frontend-Datenbank Elastic zu generieren. Bei einem europäischen Reisevermittler verbindet Quesma Clickhouse mit Elastic.

An den Beispielen sieht man: Quesma kooperiert häufig mit den Anbietern der Alternativen zu Elastic, die mit Hilfe des Gateways Zugang zu einem neuen Kunden-Account bekommen, der heute Elastic nutzt.

Gateways für andere Datenbanken geplant

Perspektivisch ist geplant, auch Gateways für andere Datenbanken zu entwickeln. „Wir konnten nicht mit sehr verbreiteten großen DBs wie DB2 anfangen. Denn Kunden, die solche DBs nutzen, wollen in der Regel große Referenzen sehen, die wir noch nicht hatten“, erklärt Migdal. Das sei aber perspektivisch durchaus geplant.

Die Engine von Quesma wurde komplett neu programmiert. Mit ihr entwickelt man mit Hilfe von KI ein regelbasiertes System, nach dem die Statements von der einen Datenbank in Statements, die von der anderen verstanden werden, transformiert werden. „Wir nutzen dafür derzeit bis zu fünf unterschiedliche LLMs“, sagt Migdal.

Next Step: eine Query-Engine

Dass mit KI gearbeitet wird, bedeutet aber auch, dass der Aufwand mit jedem programmierten Gateway geringer wird, da das System stetig dazulernt. Außerdem wird die Lösung um eine Query-Engine erweitert, die angeschlossenen Systeme gemeinsam nach denselben Fragen zu durchsuchen und Antworten geben wird, die auf allen verfügbaren Daten basieren.

„Weil wir eine Brücke zwischen Alt und Neu bilden, können Kunden ihre Daten jetzt ganz nach ihren Wünschen Schritt für Schritt migrieren, ohne Angst vor Funktions- oder Datenverlusten zu haben“, sagt Migdal.

Kubernetes: Problem Stateful-Daten

Ebenfalls schwierige Verhältnisse gibt es im Bereich Kubernetes. Das unterstützt nativ aber nur Stateless-Daten. Um stateful, also dauerhaft in Kubernetes-Umgebungen vorzuhaltende Daten zu verwalten, braucht man Expertise und darf einem gewissen Aufwand nicht scheuen.

Das betrifft alle wichtigen Themen: Implementierung und Konfiguration von Stateful-Datenbanken unter Kubernetes, Backup und Recovery, Sicherheits- und User-Management sowie den Cluster-übergreifenden Datenzugriff.

AppSense: Daten-Tools für Kubernetes-Umgebungen

Auf diese Situation reagiert AppSense. Das 2016 gegründete Start-up, das sich ebenfalls auf der IT-Press-Tour in London präsentierte, hat inzwischen vier Tools entwickelt. Sie sollen die Handhabung von Daten und Datenbanken unter Kubernetes erheblich vereinfachen.

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Wichtigste Lösung ist KubeDB. Dieses Tool managt mit hohem Automatisierungsgrad und clusterübergreifend Datenbanken in Kubernetes-Umgebungen. Das reicht von der Bereitstellung bis zu allen üblichen Wartungsaufgaben.

KubeDB: ein Tool für alle Kubernetes-Datenbanken

KubeDB ist zu allen wichtigen Datenbanken, die unter Kubernetes einsetzbar sind, kompatibel. Das Gleiche gilt für die wichtigsten Kubernetes-Plattformen in der Cloud und On-Premises. Wird eine Datenbank nicht unterstützt, gibt es Support für die Entwicklung von Plug-ins.

Anwender können über ein intuitives Dashboard mit wenigen Klicks die Datenbanken, die sie brauchen, per Definition einiger Grundmerkmale anfordern, sichern und überwachen. Die Software übernimmt einen Großteil der Arbeit, unter anderem Skalierung und Konfiguration. Danach liefert KubedB Einblicke in die Betriebsdaten und loggt alle Vorgänge.

Funktionen von KubeDB

Zu den Funktionen gehören Hochverfügbarkeit und Resilienz, eingebautes Prometheus-Management samt Benachrichtigungen, horizontale und vertikale Skalierung sowie die Erweiterung von Volumes im laufenden Betrieb. Das System übernimmt auch das TLS-Management und fällige Schlüsselerneuerungen. Mit GitOPs ist KubeDB integriert.

Anwender nutzen ein Selbstbedienungsportal und können im Rahmen ihrer Berechtigungen selbst Datenbanken aufbauen. Jede Datenbank „gehört“ genau einer Person, die für sie zuständig ist.

Weitere Tools

Dazu kommen weitere Werkzeuge: KubeStash ist ein Tool für die automatisierte Sicherung und Wiederherstellung von Datenbanken, vielfältiger Workloads und persistenter Volumes unter Kubernetes. Inkrementelle und differentielle Backups sind möglich. Backup-Ziel sind S3-Targets und andere Block-Storage.

Weiter hat AppSense zwei Tools aus dem Bereich Sicherheit im Programm: Voyager sichert den Datenzustrom unter anderem durch automatisiertes SSL/TLS-Management, HAProxy-Integration und dessen kundenspezifisch anpassbare Konfiguration. KubeVault automatisiert die Bereitstellung und das Management von HashiCorp Vault, einem System, in dem Geheimnisse sicher aufbewahrt werden können. Sie werden für identitätsbasierende Sicherheitssysteme benötigt.

Vorteile gegenüber anderen Optionen

Tamal Saha, Gründer und CEO des Unternehmens, sieht in seiner Lösung naturgemäß viele Vorteile gegenüber den bisherigen Optionen für das Stateful-Datenmanagement unter Kubernetes. Das waren bisher Services von Cloud-Providern und Datenbankherstellern.

Erstere, so kritisiert Saha, beförderten unter anderem eine sklavische Bindung an den jeweiligen Provider, schränkten die Datensouveränität ein und erzeugten bei Abläufen, die mehrere VPCs (Virtual Private Circuits, also Kunden-Standorte) übergreifen, erhebliche Latenzen. Außerdem sei die Kundenanpassbarkeit beschränkt. Ganz ähnlich seien die Probleme mit den Lösungen der Datenbankanbieter.

Gegenüber RDS auf AWS beispielsweise hebe sich KubeDB auf EKS durch bessere Packung der Binärdateien, Spot-Instanzen, weniger Managementgebühren und insgesamt geringere Kosten ab. „Wer nur einen Test-Cluster braucht, zahlt bei uns nichts“, verspricht Saha beispielsweise. Außerdem sei die Struktur übersichtlicher, und KubeDB werde im Gegensatz zu vielen anderen Datenbankservices aus der Cloud vom Hersteller gewartet und aktualisiert.

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Fazit

Datenbank-Management wird immer eine herausfordernde Aufgabe bleiben. Doch entwickeln sich mit den Anforderungen fast unvermeidlich auch neue Werkzeuge, die diese Herausforderungen zu meistern helfen. Dabei muss es nicht immer der hauseigene Service eines großen Cloud-Providers sein.

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Im Zuge der Digitalisierung ändern sich die Anforderungen an Storage-Systeme. Sie müssen leistungsfähiger, skalierbarer und insgesamt flexibler sein. Unternehmen führen neue Systeme wie etwa All-Flash-Arrays ein, verlagern Dienstleistungen der IT-Abteilung in die Public- oder Hybrid-Cloud, ziehen sogar das Rechenzentrum um und erkennen möglicherweise die Chance oder die Notwendigkeit, IT-Services und Storage-Infrastruktur zu konsolidieren.

Die Themen im Überblick:

  • Operation am offenen Herzen – Einleitung
  • Wann eine Datenmigration nötig und sinnvoll ist
  • Was bei der Datenmigration zu beachten ist
  • Die konkrete Umsetzung der Datenmigration
  • Sonderfälle und Fallstricke

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