Wenige Public-Cloud-Dienstleister können sich mit dem umfangreichen Portfolio von Amazon Web Services (AWS) messen. Viele Vorteile locken – einige kritische Hürden lauern. Spezialisierte Dienstleister unterstützen bei allen notwendigen Schritten und bieten Zugriff auf nützliche Zusatzservices.
Unternehmen, die sich auf die komplexe Workload-Migration auf AWS einlassen wollen, sollten gründlich prüfen, wie gut sie darauf vorbereitet sind, Daten und Anwendungen in die Cloud zu verschieben.
(Bild: immimagery - stock.adobe.com)
Ohne Cloud geht nichts mehr. 84 Prozent der deutschen Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern haben laut dem Cloud-Monitor von Bitkom die Cloud-Migration zumindest teilweise vollzogen. Wenn der Wechsel einmal beschlossen ist, kommen viele neue Fragen auf. Umzugswege gibt es viele. Manche Firmen setzen auf das Lift-and-shift-Verfahren, bei dem Anwendungen und Daten auf eine Cloud-Infrastruktur migriert werden, andere wiederum nutzen eines der zahlreichen Platform-as-a-Service-Angebote. Eine Cloud-native Neugestaltung von Applikationen ist ebenfalls denkbar.
Als allererstes sollte jedoch im Zentrum der Überlegungen die sorgfältige Wahl des Cloud-Dienstleisters stehen. Als Marktführer mit einem umfangreichen Portfolio von über 200 Services und einer globalen Infrastruktur kann Amazon Web Services (AWS) in vielerlei Hinsicht punkten. Die komplexe Workload-Migration auf AWS ist aber keine triviale Angelegenheit. Planung, Betrieb und Aufbau einer langfristig leistungsfähigen Cloud-Infrastruktur erfordern spezialisiertes Know-how sowie eine gut durchdachte Strategie. Ansonsten geraten komplizierte Lizenzsysteme sowie Compliance-Fallstricke schnell zu Kostenfallen. Am besten ist es, mit einer umfangreichen Bestandsaufnahme zu starten.
Startklar für die Cloud?
Wie gut ist mein Unternehmen auf die Migration vorbereitet? Diese Frage gilt es in jedem Fall zu klären, bevor Daten und Anwendungen in die Cloud verschoben werden. Hier kommt das Migration Readiness Assessment (MRA) ins Spiel. Der Workshop behandelt Tool-basiert alle kritischen Themen zu den sechs Bereichen: Business, People, Governance, Platform, Security und Operations. Auf Grund dieser Analyse wird am Ende ein individueller Score erstellt, der die Bereitschaft des Unternehmens für die Cloud-Migration widerspiegelt.
Zudem lassen sich anhand der Daten potenzielle Hürden auf dem Weg in die Cloud vorab erkennen. Letztlich werden alle diese Erkenntnisse in Form eines konkreten Migrationsplanes gebündelt. Da ein solches Unterfangen äußerst komplex und zeitaufwendig ist, übernimmt das in der Regel ein spezialisierter IT-Dienstleister.
Neben der Überprüfung der Cloud-Bereitschaft ist noch ein Kosten-Assessment zu empfehlen. Im Zuge dieses Assessments werden die IT-Infrastruktur auf Herz und Nieren überprüft und alle Lizenzgebühren systematisch erfasst. Als erstes erfolgt wiederum eine Tool-basierte Analyse der Leistung der bestehenden On-Premises-Infrastruktur. Dabei wird die tatsächliche Rechenleistung festgestellt, die im System über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen anfällt. Auf Grundlage dieser Daten lässt sich dann erschließen, wie viel es kosten würde, diese Workloads über die Cloud abzuwickeln. Im Anschluss vergleicht man anhand einer externen Kostenanalyse Angebote und Migrationsmöglichkeiten verschiedener Cloud-Anbieter. Das Unternehmen bekommt übersichtlich verschiedene Optionen aufgelistet und kann den passenden Hyperscaler auswählen.
Das Assessment dient dabei nicht nur der Kostenoptimierung, sondern auch der Analyse rechtlicher Hürden und der Compliance. Bei Public-Cloud-Anbietern gilt immerhin die sogenannte Shared Responsibility. Das heißt, dass der Cloud-Anbieter rechtlich für die Sicherheit der Cloud selbst verantwortlich ist. Der Kunde hingegen übernimmt die Verantwortung für Sicherheitsmaßnahmen innerhalb der Cloud. Die IT-Umgebung muss also sorgfältig im Voraus geplant und die Anforderungen müssen genauestens festgelegt werden. Ansonsten können Sicherheitsschwachpunkte in der Infrastruktur entstehen, die wiederum zu rechtlichen Konsequenzen führen.
Mit dem Control-Tower den Überblick behalten
Sobald die Bestandsaufnahme abgeschlossen wurde und die Migrationskosten feststehen, können erste Workloads in die Cloud verschoben werden. Dabei gilt es vorab festzustellen, welche Nutzer auf welche Dienste zugreifen dürfen. Eine Multi-Account-Umgebung vereinfacht diesen Prozess deutlich. Innerhalb dieser Umgebung lassen sich unterschiedlichen Usergruppen die jeweils notwendigen Berechtigungen zuweisen. Eine Cloud-Umgebung entwickelt sich dabei stets dynamisch mit den Anforderungen des Unternehmens weiter. Mit einer Multi-Account-Umgebung können aber jederzeit Regeln und Limits der Nutzerprofile angepasst werden.
Dafür gibt es in AWS-Umgebungen den sogenannten Control-Tower, dem ein Landing-Zone-Konzept zugrunde liegt. Diese standardisierte Multi-Account-Infrastruktur lässt sich automatisiert aufsetzen und je nach Bedarf ausbauen. Das Grundmodell beinhaltet dabei Funktionen wie Identitäts- und Zugriffsmanagement, Governance, Datensicherheit, Netzwerkgestaltung und Protokollierung.
Stand: 08.12.2025
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Sollte ein Unternehmen nur wenige Accounts in ihrer Infrastruktur verwalten, genügt die Funktionalität des Controls-Towers in den meisten Fällen. Je mehr Accounts jedoch hinzugefügt werden, desto schneller steigt die Komplexität der Verwaltung und desto mehr zusätzliche Features und Dashboards werden benötigt. Zu diesem Zweck haben enge AWS-Partner wie SoftwareOne eigene Landing-Zone-Ansätze erstellt, die die Funktionen des Control-Towers um weitere vorkonfigurierte, parametrisierbare Module erweitern. Die integrierte Architektur der unterschiedlichen Module sowie der Einsatz von Terraform als Infrastructure-as-Code-Lösung gewähren langlebige Upgrade-Cycles.
Weniger Last für die eigene IT-Abteilung
Spezialisierte und erfahrene IT-Dienstleister bieten beim Einstieg in die komplexe Welt der AWS-Cloud wertvolle Hilfe. Sie unterstützen bei Planung, Umsetzung und Betrieb und greifen bei der Weiterentwicklung der Umgebung unter die Arme. Das ist eine große Entlastung für interne IT-Abteilungen, sodass sie sich auf das eigentliche Tagesgeschäft konzentrieren können und sich nicht extra mit dem Hosting der Applikationen beschäftigen müssen. Die Cloud-Migration wird somit zu einem großen Effizienzgewinn, während sich langwierige Beeinträchtigungen des normalen Betriebs vermeiden lassen.
* Über den Autor Dominik Reichel ist Solution Sales Specialist für AWS bei der SoftwareOne Deutschland GmbH. Bereits seit 2013 ist er für das Unternehmen tätig. Zuvor hat er eine Ausbildung zum Informatikkaufmann absolviert und war dann für verschiedene IT-Dienstleister tätig. Heute kann der zertifizierte AWS Solution Architect Professional auf 20 Jahre Erfahrung im Bereich Virtualisierung zurückblicken.