Kontrolle behalten, Vorteile nutzen Private Cloud bevorzugt – auch als Service

Autor: Elke Witmer-Goßner

Deutsche Unternehmen haben eine klare Präferenz für private Clouds, die von den Firmen selbst oder exklusiv für sie betrieben werden. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage von HPE und YouGov zur aktuellen Cloud-Nutzung in Pandemiezeiten.

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Auch wenn seit Beginn der Corona-Pandemie die Cloud-Nutzung insgesamt zugenommen hat, wollen deutsche Firmen die Kontrolle über ihre IT nicht aus den Händen geben.
Auch wenn seit Beginn der Corona-Pandemie die Cloud-Nutzung insgesamt zugenommen hat, wollen deutsche Firmen die Kontrolle über ihre IT nicht aus den Händen geben.
(Bild: © Laymanzoom – stock.adobe.com)

Somit bestätigt die Umfrage auch, dass der mit GreenLake eingeschlagene Weg für HPE richtig ist. Denn das vorherrschende Bild, dass Unternehmen in ihrer Cloud-Strategie vorwiegend auf Hybrid- oder auch Multi-Cloud-Szenarien setzen, lässt sich mit den YouGov-Ergebnissen nicht untermauern. Stattdessen bevorzugen sie noch immer den IT-Betrieb im eigenen Rechenzentrum – wenn auch als Cloud.

Ulrich Seibold leitet den Geschäftsbereich HPE Greenlake für die DACH-Region.
Ulrich Seibold leitet den Geschäftsbereich HPE Greenlake für die DACH-Region.
(Bild: Gudrun de Maddalena/HPE)

Und damit lag HPE mit seiner GreenLake-Strategie – dahinter steht der Everything-as-a-Service-Gedanke – goldrichtig, was Ulrich Seibold, Vice President HPE GreenLake Cloud Services DACH, besonders erfreut: „GreenLake hat ungeahnte Potenziale eröffnet“, sagt er. So eine Dynamik habe er in seiner ganzen Karriere noch nicht erlebt. „Es ist fantastisch“, denn nahezu Dreiviertel der HPE-Großkunden im DACH-Raum nutzten bereits GreenLake-Services für ihre geschäftskritischen Anwendungen.

Außerdem könne man erkennen: „Cloud ist eben nicht synonym zu Public Cloud“, sagt Seibold, auch wenn die „cloud-like experience“, nämlich das Gefühl, mit Public-Cloud-Anbietern die Cloud-ähnlichsten Strukturen zu nutzen, am verbreitetsten gewesen sei – zumindest habe man das in den Anfangszeiten der Cloud-Nutzung noch so geglaubt.

Das eigene Rechenzentrum als Cloud

Doch nun zeichnen die YouGov-Zahlen ein verändertes Bild: Unternehmen bevorzugen die Private Cloud. Man empfindet noch immer Unwohlsein bezüglich Datenkontrolle, digitaler Souveränität sowie Compliance. Das spricht hauptsächlich gegen die Public-Cloud-Nutzung. Doch warum dann der Aufbau privater Cloud-Strukturen? Warum nicht alles lassen, wie gehabt? Unternehmens-IT in eigenen Rechenzentren mit Legacy-Systemen?

Die Antwort auf diese Fragen ist fast banal: Prozessoptimierung. Dass sich etwas ändern muss in den Strukturen und Prozessen, hätten viele Unternehmen nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie gelernt. Die Cloud – insbesondere die private Cloud – bietet hier die Möglichkeit, interne Geschäftsprozesse umzustellen, ohne die Kontrolle über die eigene IT aus der Hand geben zu müssen. Hätten Unternehmen anfangs nur „einfache“ Anwendungen in die Cloud verlagert – und da wurden und werden Public-Cloud-Services gerne genommen –, geht es inzwischen immer mehr um die geschäftskritischen Applikationen und Prozesse. Und hier erscheint die Private Cloud, betrieben in eigenen Rechenzentren, vielen die sicherere Bank zu sein.

Mischmodell bevorzugt

Ein Mischmodell, bei dem eine private Cloud von einem Dienstleister exklusiv betrieben und nach Verbrauch abgerechnet wird (Private-Cloud-as-a-Service), kommt für fast 50 Prozent der deutschen Firmen in Frage.
Ein Mischmodell, bei dem eine private Cloud von einem Dienstleister exklusiv betrieben und nach Verbrauch abgerechnet wird (Private-Cloud-as-a-Service), kommt für fast 50 Prozent der deutschen Firmen in Frage.
(Bild: HPE/YouGov)

Dabei zeigt sich ein relativ junges Angebot als zunehmend erfolgreich: Private-Cloud-as-a-Service. Laut YouGov nutzen bereits gut ein Drittel der befragten Unternehmen diese Möglichkeit, dass ihre private Cloud für sie exklusiv, aber dann doch „fremd“ beim Anbieter gehostet wird. Auch für Ulrich Seibold „überraschend“ im Ergebnis, dennoch ein Zeichen dafür, dass man mit dem Pay-per-use-Modell einen guten Riecher bei HPE gehabt habe.

Aus den Studienergebnissen, so Seibold, sei deutlich herauszulesen, dass deutsche Firmen sehr reflektiert mit dem Thema Cloud umgingen: Sie wüssten genau, dass die Cloud ein Motor für ihre digitale Transformation sei. „Gleichzeitig wollen sie Herr im eigenen Hause bleiben.“ Daher sei es an der Zeit den Begriff Cloud neu, und zwar ortsunabhängig, zu definieren: „Der Schlüssel zur Erhöhung des Cloud-Nutzungsgrades sind die eigenen Rechenzentren der Firmen.“ Diese könnten selbst zu Clouds werden, die über hybride Plattformen oder künftige Infrastrukturen wie GAIA-X miteinander und mit der Public Cloud verknüpft werden.

Die Studienergebnisse im Einzelnen

Umfang des Cloud-Ausbaus: Knapp die Hälfte der befragten Firmen in Deutschland hat ihre Cloud-Nutzung seit Beginn der Pandemie ausgebaut. Demnach nutzen 44 Prozent der Unternehmen heute mehr Cloud-Dienste als zu Beginn der Corona-Krise, davon hat der Großteil (68 %) die Cloud-Nutzung um bis zu 30 Prozent gesteigert. Die Hälfte setzt dabei ausschließlich (28 %) oder vorwiegend (23 %) auf private Clouds. Dagegen setzt nur ein Siebtel der Befragten ausschließlich (5 %) oder vorwiegend (10 %) auf das Public-Cloud-Modell, bei dem eine Cloud-Infrastruktur von vielen Firmen gemeinsam genutzt wird. 27 Prozent der Firmen setzen etwa zu gleichen Teilen auf Private und Public Cloud.

Am liebsten betreiben Firmen in Deutschland ihre IT noch selbst im eigenen Rechenzentrum.
Am liebsten betreiben Firmen in Deutschland ihre IT noch selbst im eigenen Rechenzentrum.
(Bild: HPE/YouGov)

Welche Clouds in Frage kommen: Über die Hälfte der Befragten gibt an, dass die IT ihres Unternehmens ausschließlich (35 %) oder vorwiegend (19 %) in ihrem eigenen Rechenzentrum betrieben wird – ein Achtel nutzt ausschließlich (5 %) oder vorwiegend (8 %) externe Clouds. Der Public Cloud stehen die befragten Manager dabei zwiespältig gegenüber. Einerseits sehen sie die Vorteile in Merkmalen wie einfacher Bedienung, standortübergreifender Vernetzung und schneller Skalierbarkeit. Gegen die Public Cloud sprechen dagegen vor allem drei Gründe: Kontrollverlust, Verlust digitaler Souveränität und Compliance-Probleme.

Cloud-Strategien: Um diesem Dilemma zu entkommen, kombinieren viele Firmen das Beste aus beiden Welten oder wollen es tun. Dabei zeigen sich zwei potenzielle Strategien. Zum einen zöge knapp die Hälfte (47 %) der Befragten als Alternative zur Public Cloud ein Mischmodell vor, bei dem eine private Cloud von einem Dienstleister exklusiv für sie betrieben und nach Verbrauch abgerechnet wird (Private-Cloud-as-a-Service). Dabei gibt es eine klare Präferenz (67 %) für offene Modelle mit möglichst großer Wahlfreiheit und Kombinierbarkeit unterschiedlicher Cloud-Software. Zum anderen verteilen die Unternehmen ihre Anwendungen auf private und öffentliche Clouds. Rund ein Viertel der Befragten (27 %) gibt an, dass ihre Firma etwa zu gleichen Teilen auf öffentliche und private Clouds setzt. Insgesamt präferieren 60 Prozent eine Kombination der beiden Modelle in unterschiedlichen Anteilsverhältnissen.

Zur Studienmethode
Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 827 Personen zwischen dem 11. und 16. Februar 2021 teilnahmen. Befragt wurden deutsche Führungskräfte von der Geschäftsführung bis zum mittleren Management quer über Funktionsbereiche, Branchen und Unternehmensgrößen hinweg.

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Über den Autor

 Elke Witmer-Goßner

Elke Witmer-Goßner

Redakteurin, CloudComputing-Insider.de