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DATA Storage & Analytics Technology Conference 2020 – Interview mit Kurt Gerecke „Tape bietet für Kapazitätssteigerungen das größte Potenzial“

| Redakteur: Dr. Jürgen Ehneß

Die DATA Storage & Analytics Technology Conference 2020, die aufgrund der Coronakrise am 30. April und 12. Mai dieses Jahres online sowie am 17. September in Würzburg und am 24. September in Neuss stattfindet, verspricht spannende „Keynotes“. Storage-Insider hat als Mitveranstalter und Medienpartner die Keynote-Speaker im Vorfeld zu ihren Vorträgen befragt. Hier im Interview: Kurt Gerecke von Tech Data, der seine Keynote zum Thema „Speichertechnologien unter der Lupe – wie geht es weiter?“ hält.

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Die DATA STORAGE & ANALYTICS Technology Conference 2020 findet am 30. April und am 12. Mai 2020 online statt und kommt im September nach Würzburg und Neuss.
Die DATA STORAGE & ANALYTICS Technology Conference 2020 findet am 30. April und am 12. Mai 2020 online statt und kommt im September nach Würzburg und Neuss.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Storage-Insider: Herr Gerecke, was sind aus Ihrer Sicht die aktuell größten Herausforderungen für Anwender und Unternehmen in Bezug auf Storage und Data-Analytics?

Kurt Gerecke, Tech Data: Am besten lassen sich die zukünftigen Anforderungen an Speicherinfrastrukturen anhand von KI-Projekten wie Machine- und Deep-Learning erklären, da bei solchen Projekten die unterschiedlichsten Anforderungen notwendig werden. Eines der wichtigsten Elemente liegt im Bereich der Skalierung, des Datenmanagements und der Leistungsfähigkeit.

Die Herausforderung ergibt sich aus der Datensammlungsphase, dem Aufbereiten der Daten und dem Training von neuronalen Netzen. Hier bedarf es Infrastrukturen der unterschiedlichsten Art. So können zum Beispiel für die Sammelphase der Daten aus den unterschiedlichsten Quellen Cloud-Speicherlösungen, Objektspeicher, Online-Archive und Filesysteme eine große Rolle spielen. Auch die Skalierbarkeit spielt hier eine wichtige Rolle.

Der Gesprächspartner: Kurt Gerecke, Storage-Berater, Tech Data Advanced Solutions.
Der Gesprächspartner: Kurt Gerecke, Storage-Berater, Tech Data Advanced Solutions.
(Bild: IBM)

Für das Kategorisieren und Aufbereiten der Daten werden ausreichende Bandbreiten, Random-IOs für Lesen und Schreiben und ein intelligentes Verschieben der Daten an die richtigen Speicherplätze erforderlich. Für die Trainingsphase selbst sind in der Regel hohe Durchsätze (Random Read), schnellste Antwortzeiten, lineare Skalierung, Workflow-Integration, verschiedene Versionen und verschiedene Varianten notwendig. Ist der Algorithmus fertig und einsetzbar, ist es für Compliance-Zwecke wichtig, die Rückverfolgbarkeit der für das Training verwendeten Daten, also eine entsprechende revisionssichere Archivierung, sicherzustellen. Für diese Archivierung wird mit absoluter Sicherheit das Medium Tape eine große Rolle spielen.

Die Daten-Pipeline vom Sammeln der Daten bis zum Training und danach spiegelt also die unterschiedlichsten Anforderungen wider, und dem vollständig gerecht zu werden, darin liegt die Herausforderung an Speicherinfrastrukturen, wie wir sie zukünftig benötigen.

Trotz der wachsenden Verbreitung von Flash-Speichern werden auch Festplatten noch in großen Stückzahlen vertrieben, und auch Tape ist noch lange nicht am Ende. In welche Technologie sollten Anwenderunternehmen heute investieren?

Gerecke: Wir werden in diesem Jahr große Weiterentwicklungen im Bereich 3D-TLC- und 3D-QLC-Flash-Technologien erleben, die eine Verdopplung der Speicherkapazitäten erlauben. Ebenso werden SCMs (Storage Class Memories) breitflächig zum Einsatz kommen. Ein gutes Beispiel ist die von Intel und Micron entwickelte 3D-XPoint-Technologie, die von Intel als Intel Optane vermarktet wird. Solche SCM-Technologien, die sehr nahe an das Antwortzeitverhalten der DRAM-Speicher herankommen und stromunabhängig sind, bieten sich an, als Cache-Speicher für langsamere Speicher wie zum Beispiel die Festplatten zu arbeiten, um in dieser Kombination eine wesentlich höhere kostengünstige Leistungsfähigkeit zur Verfügung zu stellen. Tape bietet das derzeit größte Potenzial, was die Möglichkeiten der Kapazitätssteigerungen angeht, und erlebt gerade eine Renaissance.

Cyberkriminalität, Malware, Ransomware – gespeicherten Daten drohen mannigfaltige Gefahren. Wie können Unternehmen ihre Daten wirkungsvoll schützen?

Gerecke: Absolute Sicherheit vor Cyberangriffen können nur Offline-Datenträger bieten! Old, but gold! Anfang der ’50er-Jahre hielt eine Speichertechnologie Einzug in die Rechenzentren, die heute mit zweistelligen Wachstumsraten gefragter denn je ist. Die Rede ist von Tapes, Bandkassetten. Diese bieten den einzigen ultimativen Schutz. Hochkapazitive Bandkassetten, einfach und kostengünstig, können ausgelagert werden und sind daher nicht mehr Bestandteil des Netzwerkes. Sie sind als „air gap“ – zu Deutsch „Luftspalt“ – im Einsatz, also gar nicht mit dem Internet verbunden. Neben überschreibbaren Kassetten gibt es auch zertifizierte WORM-Kassetten (Write Once Read Many), die eine Datenveränderung oder ein Überschreiben nicht erlauben. Keine Virensoftware oder andere bösartigen Schadprogramme können die Daten auf WORM-Kassetten zerstören.

Google machte dazu schon vor ein paar Jahren die treffende Aussage: „Tape ist the last line of defense“, zu Deutsch: „Tape ist die letzte Verteidigungslinie“. Zudem bietet Tape heute ein riesiges Potenzial, was die kapazitiven Wachstumsraten angeht, und wir können heute davon ausgehen, dass in circa acht bis zehn Jahren mehrere hundert Terabytes auf einer kleinen Bandkassette gespeichert werden können. Schon heute wird die Tape-Technologie den Nanotechnologien zugeordnet. Tape ist inzwischen eine High-Tech-Technologie geworden und hat mit dem Band vor 20 Jahren nichts mehr zu tun.

Zum Abschluss eine etwas provokante Frage: Warum sollten sich die Konferenzbesucher Ihren Vortrag anhören?

Gerecke: Weil der Vortrag kurz und bündig über den aktuellen Stand der heutigen Speichertechnologien informiert und dem Zuhörer einen Ausblick gibt, wie es in den nächsten Jahren technologisch weitergehen könnte, um den zukünftigen Anforderungen an Speicherinfrastrukturen gerecht zu werden.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Gerecke!

+++ Veranstaltungsupdate +++

Da für uns die Gesundheit und Sicherheit unserer Teilnehmer, Partner und Teammitglieder an erster Stelle steht, haben wir uns entschieden, die bisherigen Präsenztermine der DATA Storage & Analytics Conference 2020 in den Herbst zu verschieben. Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, jedoch ist es angesichts der aktuellen Situation rund um COVID-19 die einzig richtige. Zusätzlich bieten wir Ihnen die Teilnahme an unserer Virtual Conference an, welche am 30. April und am 12. Mai stattfinden wird.

Storage-Insider ist Mitveranstalter und Medienpartner der DATA Storage & Analytics Technology Conference 2020. Wenn Sie Kurt Gerecke und viele weitere interessante Speaker live erleben wollen, melden Sie sich hier zur virtuellen Konferenz oder zu den Konferenzterminen im September an:

► Zur Agenda & Anmeldung – DATA STORAGE & ANALYTICS Technology Conference 2020

 

 

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