Hochverfügbare Infrastrukturen

Virtuelle SANs als Basis für industrielles IoT

| Autor / Redakteur: Hans O’Sullivan* / Rainer Graefen

Beispiel einer typischen SvSAN-Architektur mit zwei Knoten.
Beispiel einer typischen SvSAN-Architektur mit zwei Knoten. (Bild: Stormagic)

Unternehmen, die auf industrielle IoT-Anwendungen setzen, sind an jedem der von ihnen betriebenen Standorte auf hochverfügbare Infrastrukturen angewiesen. Unter Kostenaspekten betrachtet bieten sich gerade für kleinere Firmen mit vielen Niederlassungen hierfür virtuelle SANs anstelle schwierig zu verwaltender und zudem teurer klassischer Speichernetzwerke besser an.

Vernetzte und als Vorläufer des IoT geltende Prozessüberwachungssysteme gibt es schon lange. Vor dem Einzug der Digitalisierung und dem damit einhergehenden Übergang hin zu standardisierten x86-Plattformen kamen sie meist in der Industrie für die Verwaltung und Automatisierung produktionsentscheidender Abläufe zum Einsatz. Das Management der oftmals voneinander isolierten Lösungen gestaltete sich allerdings aufwändig: tatsächlich musste der zuständige Administrator noch von einem zum anderen System gehen, um nach roten Lämpchen Ausschau zu halten.

Inzwischen stehen auch für diese Anwendungsfälle Applikationen zur Verfügung, mit denen sich von mehreren Systemen stammende Daten in Echtzeit konsolidieren sowie analysieren und in einem einzigen Dashboard zusammenführen lassen. Dadurch kann ein Administrator Warnhinweise mehrerer Bestandteile eines Prozesses nun auf einmal beobachten und direkt darauf reagieren, anstatt durch die Produktionshalle zu laufen und nach Fehlerzuständen zu suchen – und das prinzipiell auch von jedem Ort der Welt aus. Die Verwendung moderner IT hat hier, wie in vielen Fällen, bestehende Lösungen vorteilhaft ersetzt.

Virtualisierung legt den Grundstein für eine zentrale

Verwaltung

Hinzu kommt, dass der Einsatz von Virtualisierungstechniken die IT in Zweigniederlassungen stark vereinfacht. Mittels Hypervisoren lassen sich die dort betriebenen Infrastrukturen zentral überwachen, sodass an diesen weniger oder gar keine IT-Mitarbeiter mehr vor Ort sein müssen. Das Internet macht es prinzipiell möglich, Sensoren, Geräte oder komplett automatisierte Prozesse von jedem beliebigen Punkt aus zu steuern. Die Voraussetzung hierfür schafft die heutzutage eigentlich schon überall vorhandene virtualisierte IT plus der entsprechenden Infrastruktur an jedem Standort.

Die Realität sieht bei geografisch weit verteilten Unternehmen mit Produktionsstätten in Regionen mit geringer Bandbreite jedoch noch anders aus. Um Prozesse in Echtzeit aus der Zentrale steuern zu können, wäre eine schnelle und vor allem zuverlässige Internetverbindung vonnöten. Diese ist vor allem in wenig entwickelten Ländern oftmals nicht vorhanden. Systeme laufen hier also häufig auf der Infrastruktur vor Ort, die natürlich auch in diesem Fall hochverfügbar sein muss.

Ganz gleich, ob im Hauptrechenzentrum oder in den Niederlassungen: IoT-Anwendungen müssen jederzeit funktionieren. Für moderne Systeme bedeutet dies, dass die Infrastruktur, auf der eine Anwendung läuft, hochverfügbar sein muss. Auf der Hardwareebene sind hierfür teure und zudem aufwändig zu verwaltende Speicherarrays erforderlich, deren Anschaffung sich bislang meist nur größere Unternehmen leisten konnten. Softwaredefinierte Technologien ändern diese Situation, da sich mit ihrem Einsatz Kosten senken lassen. Hochverfügbare IoT-Anwendungen zur Prozessoptimierung geraten damit nun auch für kleinere Unternehmen in Reichweite.

Virtuelle SANs garantieren Hochverfügbarkeit

Die mit klassischen SANs verbundenen Kosten und deren komplexe Verwaltung gehören zu den größten Hürden, die vor allem kleinere Firmen nehmen müssen, um Hochverfügbarkeit zu garantieren. Vor allem, wenn eine hohe Zahl ihrer Niederlassungen sich nicht über ausreichend schnelle Internetverbindungen ansprechen lässt. Theoretisch müssten sie an jedem Standort ein eigenes SAN einrichten und betreiben, um die Infrastruktur und Prozesse lokal hochverfügbar zu halten. Ein Unterfangen, dass für viele Unternehmen sehr schwer realisierbar ist.

Eine mögliche Lösung des Problems kann die Einführung eines virtuellen SANs darstellen, das per automatischem Failover ebenfalls für Hochverfügbarkeit sorgt. Im Gegensatz zu einem traditionellen Speichernetzwerk jedoch ohne physische Arrays, Kabel und Switches auskommt und damit sowohl von den Primär- als auch den Verwaltungskosten günstiger ist.

In der Regel beruht ein virtuelles SAN auf einer softwaredefinierten Speicherlösung, die in Kombination mit hyperkonvergenten Systemen teure SANs ersetzen kann. Zu Datenspiegelungszwecken kommen zwei miteinander verbundene Server zum Einsatz, die interne Festplatten und Flash-Speicher nutzen. Dadurch verringert sich die Zahl an erforderlichen Komponenten, sodass die Anfangsinvestionen um gut 30 Prozent niedriger ausfallen. Des Weiteren entstehen weder Kosten für die Inanspruchnahme von Rackfläche, noch für den für Betrieb oder Kühlung ansonsten erforderlichen Strom.

Einsatzszenarien für virtuelle SANs

Heute sind für unterschiedlichste Anwendungsfelder geeignete softwaredefinierte Speicherlösungen am Markt erhältlich. Mit virtuellen SANs steht Unternehmen zudem eine kostengünstigere Alternative zum klassischen, teuren SAN zur Verfügung, die ebenso Schutz vor Systemausfällen bietet. Zahlreiche Branchen sind für den Einsatz dieser Technologie prädestiniert, insbesondere wenn sie sehr viele Standorte mit hochverfügbarer Infrastruktur ausrüsten müssen.

Ein Beispiel hierfür sind Einzelhandelsfirmen, die zahlreiche Filialen betreiben. Da im Normalfall an den verschiedenen Standorten genutzte Anwendungen auf standardisierter Infrastruktur ausgeführt werden müssen, setzt ein Großteil der in diesem Zweig tätigen Unternehmen bereits auf virtuelle SANs. Anders sieht es noch in industriellen Fertigungsbetrieben aus. In ihren Niederlassungen kommen nach wie vor sehr viele Anwendungen auf proprietären Systemen mit spezifischen Schnittstellen und APIs zum Einsatz. Hier wird zukünftig eine ähnliche Konsolidierung wie bei der zuvor genannten Prozess- und Automatisierungsverwaltung stattfinden, die alle Systeme auf die x86-Plattform überführen wird.

Virtuelle SANs senken Kosten für industrielles IoT

Das industrielle Internet der Dinge fordert, dass alle Systeme an jedem Standort unterbrechungsfrei laufen. Eine hochverfügbare IT-Infrastruktur ist daher mittlerweile für jedes moderne Unternehmen ein Muss. Führte bislang kein Weg an einer teuren SAN-basierten Infrastruktur vorbei,können sie jetzt auf virtuelle SANs zurückgreifen und damit Investitionen in weitere Hardware vermeiden.

Dennoch stehen ihnen dank der Kombination von SDS und Hyperkonvergenz die gleichen Funktionalitäten wie bisher zur Verfügung, allerdings zu einem Bruchteil der Kosten. Damit bietet sich dieser Ansatz für Unternehmen an, die zahlreiche Standorte vernetzen und industrielle IoT-Anwendungen konsolidieren möchten.

* Hans O’Sullivan ist Mitbegründer und CEO von Stormagic

Kommentare werden geladen....

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44473112 / Virtuelle Systeme)