Auf der Suche nach Alternativen

Was nach der Public-Cloud kommt

| Autor / Redakteur: Carsten Graf* / Dr. Jürgen Ehneß

In die Cloud und zurück: Viele Unternehmen holen ihre Daten zurück.
In die Cloud und zurück: Viele Unternehmen holen ihre Daten zurück. (Bild: ©BillionPhotos.com - stock.adobe.com)

Die Nachfrage nach Public-Clouds ist weiterhin ungebrochen: Laut Gartner wird der Markt 2019 um 17,3 Prozent auf 206,2 Milliarden US-Dollar wachsen. Viele Unternehmen lassen sich von den zahlreichen Vorteilen der Public-Cloud überzeugen.

Eine Public-Cloud kann die Skalierbarkeit bieten, die ein wachsendes Unternehmen benötigt, und Entscheidungsträger sind nicht gezwungen, eine eigene Infrastruktur zu betreiben und zu warten. Sie ist außerdem ideal für Situationen geeignet, in denen Nutzer aus verschiedenen Teilen der Welt miteinander kommunizieren müssen und die Verbindungsqualität dabei schwankt.

Der Datenweg nach Hause

Allerdings erzählt die bloße Betrachtung der Akzeptanz der Public-Cloud nicht die ganze Geschichte. Sie erklärt nicht, warum laut IDC 80 Prozent der IT-Manager in Unternehmen im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben Workloads wieder aus Public-Cloud-Umgebungen zurückverlagert haben. Offensichtlich überdenken derzeit viele Unternehmen ihren Ansatz für den Umgang mit Daten – und entscheiden sich für eine Konsolidierung und bringen ihre Daten „nach Hause“.

Das bekannteste Beispiel für eine solche Rückführung ist der Speicherdienst Dropbox, der bei Amazon Web Services (AWS) seinen Anfang nahm. Seit die meisten Aktivitäten von der Public-Cloud in Rechenzentren verlegt wurden, die Colocation-Services bereitstellten, konnte Dropbox seine operativen Kosten erheblich senken.

Während das Unternehmen immer noch rund zehn Prozent seiner Daten in der AWS-Cloud speichert, wurde Dropbox durch die Umstellung zu einem Aushängeschild für die Vorteile der Datenrückführung.

Warum Unternehmen Cloud-Daten zurückführen

In der IDC-Umfrage kristallisierten sich Sicherheit, Leistung und Kosten als die drei wichtigsten Anliegen von IT-Managern heraus. Und wenn man sich die aus der Umfrage resultierenden Statistiken ansieht, kann man verstehen, warum genau diese Anforderungen sie dazu bringen, alternative Lösungen für die Public-Cloud in Betracht zu ziehen. Entsprechend verlegen sich Unternehmen zunehmend auf Hybrid-Cloud-Lösungen, die eine Vielzahl von On-Premise-, Private- und Public-Clouds nutzen, um die jeweils beste Lösung zu bieten. Untersuchungen zeigen, dass sogar 91 Prozent der Unternehmen diesen Ansatz verfolgen. Ob Kosten- oder Sicherheitstransparenz, es gibt immer mehr Gründe, warum Hybrid-Cloud-Lösungen neben der Public-Cloud zunehmend Aufmerksamkeit bekommen.

Kostentransparenz

Kostentransparenz ist ein Dauerthema der Public-Cloud. 33 Prozent der IT-Endanwender verstehen ihre Cloud-Kosten nicht oder wissen nicht, ob sie die Kosten unter Kontrolle haben, so die Studie „Voice of the Enterprise“ von 451 Research. Häufig erweisen sich Cloud-Kosten als höher als zunächst vermutet: Viele Anbieter von Public-Clouds verlangen erhebliche Summen, um Daten aus der Cloud zu entfernen, was zu unangenehmen und unerwarteten Rechnungen führen kann.

Einige Anbieter berechnen auch gemäß Nutzung und wenden eine gestaffelte Preisstrategie an, bei der die Kosten ab einem bestimmten Nutzungsgrad steigen. Für bestimmte Arten von Unternehmen, bei denen die Einnahmen mit der Datennutzung skalieren, mag das akzeptabel sein. Andere kann dies jedoch über den Rand ihres hart erkämpften IT-Budgets hinauskatapultieren.

Auswirkungen auf Sicherheit und Compliance

Es wäre eine übertriebene Vereinfachung zu sagen, dass die Public-Cloud von Natur aus unsicher ist, aber sie birgt ohne Zweifel einige Sicherheitsprobleme. Je mehr Personen beispielsweise auf eine Public-Cloud zugreifen und diese konfigurieren, desto höher sind die Risiken: Der Zugriff auf Daten, die in einer Public-Cloud gespeichert sind, kann von überall auf der Welt gewährt werden, der Anbieter kann auch anderen Mandanten den physischen Zugriff auf die Website gewähren, und nicht zuletzt ist man auf einen Drittanbieter angewiesen, um sicherzustellen, dass die richtigen, für die Sicherheit der Daten erforderlichen Verfahren eingehalten werden.

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Compliance kann ein weiteres wichtiges Thema bei der Bereitstellung der Daten in einer Public-Cloud sein. Mit der Verabschiedung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) haben sich zuletzt die Anforderungen an IT-Infrastruktur und -Prozesse deutlich verkompliziert. Doch neben der DSGVO gibt es noch einige weitere wichtige Vorschriften, die Unternehmen beachten müssen, um keine unnötigen Geldbußen zu riskieren. So besagt beispielsweise der U.S. Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act, dass alle Cloud-Anbieter verpflichtet sind, auf entsprechende Anforderung Daten an die US-Behörden weiterzugeben. Dies wäre allerdings ein Verstoß gegen die DSGVO und könnte hier zu einer Klage führen.

In einem solchen Umfeld bietet eine Private-Cloud-Lösung Unternehmen die Sicherheit, dass sie nicht gegen EU-Recht verstoßen. Mit einer On-Premise-Lösung kann auch einfacher nachgewiesen werden, wo sich die Daten genau befinden. Das ist für Compliance-Zwecke von unschätzbarem Wert. On-Premise-Lösungen eignen sich daher ideal für Workloads mit sensiblen Informationen wie Regierungs-, Bildungs-, Finanz- oder Gesundheitsakten, die ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, Sicherheit und Compliance erfordern.

Die Zukunft der Cloud-Konsolidierung

Unternehmen werden sich in Zukunft auf ausgereiftere und pragmatischere Ansätze für die Einführung der Cloud verlegen und den für ihre Speicheranforderungen am besten geeigneten auswählen, statt sich kopfüber für ein bestimmtes Konzept zu entscheiden.

Carsten Graf, Sales Director DACH bei Cloudian.
Carsten Graf, Sales Director DACH bei Cloudian. (Bild: Cloudian)

Jedes Unternehmen ist anders, und seine Cloud-Strategie sollte das widerspiegeln.
Auch wenn sich die wirtschaftlichen Vorteile der Public-Cloud kaum leugnen lassen, wäre es überraschend, wenn sich der aktuelle Trend zur Cloud-Rückführung nicht fortsetzen würde.

*Der Autor:
Carsten Graf, Sales Director DACH bei Cloudian.

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