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Drei Technologietreiber: Rechenzentren, Cloud und KI Western Digital peilt 140-TB-Festplatten an

Von Michael Matzer 4 min Lesedauer

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Western Digital hat auf seinem „Investor Day 2026“ kürzlich Neuheiten und eine Roadmap bis zum Jahr 2029 vorgestellt. Im kommenden Jahr sollen demnach sowohl HAMR- als auch ePMR-Festplatten die 60-TB-Marke knacken. Mit neuen Technologien wie Dual Pivot will WD der Konkurrenz in Form von QLC-Flash-Drives Paroli bieten. Für 2028 und 2029 plant WD, Festplatten mit 14 Scheiben anzubieten, die eine Kapazität von 140 TB pro Laufwerk bieten sollen.

Durch Rechenzentren, Cloud und KI wird die technologische Weiterentwicklung traditioneller drehender Festplatten vorangetrieben.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Durch Rechenzentren, Cloud und KI wird die technologische Weiterentwicklung traditioneller drehender Festplatten vorangetrieben.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Es sind goldene, aber auch stressige Zeiten für Storage-Hersteller wie Western Digital. Irving Tan, der CEO von Western Digital, erwartet ein jährliches Umsatzwachstum von 25 Prozent jährlich in den kommenden zweieinhalb Jahren, also bis Mitte 2028. Doch die Kunden, die ihm quasi die Festplatten aus den Händen reißen, sind durch drei Faktoren selbst unter Druck geraten: Rechenzentren, Cloud und vor allem KI.

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„Diese drei Bereiche machen 90 Prozent unseres Umsatzes aus“, berichtet Tan. Die Kunden hätten feststellen müssen, dass besonders die Inferenz in der KI ungeheure Mengen an Speicherkapazität beansprucht. Der Grund ist simpel: Jede Antwort, die per Prompt angefragt wird, beruht auf großen Datenmengen, die vorgehalten werden müssen, um im Millisekundenbereich Ergebnisse zu liefern.

Dass dieser Vorgang immer größere Energiemengen verschlingt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Elon Musk will daher den Stromverbrauch ins All verlegen und die Kühlung dort praktisch eliminieren. Bis es so weit ist, will WD stromsparende Festplatten herstellen.

Höhere Kapazität und Leistung

Gerade die Cloud-Hyperscaler mit ihren großen Rechenzentren beanspruchen immer mehr Speicherkapazität, so Tan. „Die wichtigsten Treiber sind Videospeicherung, KI-Inferenz und Robotik, die multimodale LLMs nutzt.“ Um Steigerungen bei Kapazität und Performance zu erzielen, setzt WD auf verschiedene Innovationen.

Stand der Dinge ist heute eine Kapazität von 32 TB, mit 40-TB-Laufwerken bei zwei Evaluierungskunden. Solche HAMR- und ePMR-Festplatten sollen künftig austauschbar sein, kündigte der Chief Product Officer Ahmed Shihab an. „ePMR wird dabei das Arbeitspferd sein“, das sich in großen Stückzahlen produzieren lasse. Beide Modelle besitzen heute elf Scheiben für die Speicherung, aber schon bald sollen Laufwerke mit 14 Platten verfügbar werden. „Da 4 TB auf eine Platte passen, können Sie von 44 TB Kapazität ausgehen“, so Shihab. Ein ePMR-Laufwerk namens „Ultrastar 40 TB UltraSMR HDD“ schafft derzeit 290 MBps.

Aber das Ziel für 2029 seien bei den HAMR-Laufwerken 100 bis 140 TB: 10 TB pro Platte, bei 14 Platten pro Laufwerk. Das setze Laser-basierte HAMR-Technologie voraus. Bei ePMR seien 2027 bereits 60 TB auf 14 Platten möglich. Seagate bietet bisher 32 TB auf zehn Scheiben, also 3,2 TB pro Platte, will dies aber bald erhöhen. Technisch sollen bereits 7 TB pro Platte erreicht sein.

Rivale QLC-Flash-Memory

Der große Rivale, auf den Shihab immer wieder zu sprechen kam, ist QLC-Flash-Memory. Mehrere Aspekte sprächen gegen die Verwendung von QLC. „Erstens nutzt sich QLC ab, so dass es zur Zerstörung von Daten kommt“, konstatierte Shihab. Dieser Faktor ist ein No-go für alle Kunden. „Der Datendurchsatz ist bei QLC zwar höher als bei einer Festplatte, doch muss ein Datenbus die QLC direkt mit einer GPU verbinden.“ Dafür sei der Preis rund zehnmal höher als bei einer Festplatte, gemessen in Bits pro US-Dollar.

In puncto I/O will WD nun kräftig zulegen: Eine Verdopplung von Datendurchsatz und Bandbreite ist die Zielvorgabe. Die größere Bandbreite soll durch acht Datenbus-Spuren erzielt werden. Das Ergebnis könnten Laufwerke mit 50 TB Kapazität und 900 MBps sein.

Der zweite Schritt besteht in einer Weiterentwicklung des Schreib-/Lesekopfes, den WD als „Actuator“ bezeichnet. Das Design der Zukunft sieht die Kombination zweier Schreib-/Leseköpfe vor, um die Anzahl der Transaktionen pro Sekunde zu verdoppeln. Diese Technik der zwei separaten Leseköpfe bezeichnet WD als „Double Pivot“. Die damit verknüpfte Marke von 60 TB soll Ende 2027, Anfang 2028 erreicht werden. Shihab resümierte: „Eine HAMR- oder ePMR-Festplatte wird zehnmal günstiger sein als eine QLC.“

Als Abkürzung auf dem Weg dorthin biete WD nächstes Jahr den Hyperscalern, die seine Hauptkunden sind, eine „intelligente Plattform“ an, die sowohl Flash als auch HDD unterstütze. Das ist notwendig, weil ja auch WD mit seiner angekauften Marke Sandisk Flash-Memory-Disks produziert.

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Nachhaltigkeit

Hyperscaler haben in ihren Rechenzentren ein Energieproblem, wie oben erwähnt. Google denkt am Kernkraftwerke, Microsoft hat schon eines gekauft, nämlich das vorbelastete Three Mile Island in Harrisburg. Elon Musk will das Rechenzentrum in die Umlaufbahn der Erde verlegen. Dadurch wird das Problem der Kühlung auf einfachste Weise gelöst.

WD will seine Hauptkunden schon in der Technik unterstützen. Schon kommendes Jahr sollen Laufwerke qualifiziert werden, die 20 Prozent weniger Strom verbrauchen. Die Leistungseinbuße soll dafür höchstens fünf bis zehn Prozent betragen, der Zugewinn an Kapazität soll dennoch zehn Prozent ausmachen, kündigte Ahmed Shihab an. „So füllen diese Modelle die Lücke zwischen ‚kühlen‘ und ‚warmen‘ Speicherklassen.“ Er bezieht sich auf das kostensparende Tiering von Speicherklassen, bei dem „kühler“ Speicher, auf den am wenigsten zugegriffen wird, der kostengünstigste ist.

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