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Auszug aus dem IBM Storage System Kompendium

1962 bis 1974 – die Epoche der Wechselplatten und die Winchester-Zeit, Teil 2

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Das Dateivolumen wächst dramatisch

1974: Im Zuge des verstärkten Übergangs der mit dem System/370 begonnenen Direktverarbeitung mit preisgünstigen Terminals zur Programmentwicklung und Problemlösung (VM/370, APL) wuchs die Zahl der Dateien bei Benutzern großer Systeme dramatisch. Anders als bei den mit wenigen großen Dateien und ausgefeilten Sicherungsverfahren arbeitenden Datenbankanwendungen (IMS, CICS) wurde es immer schwieriger, speziell die vielen kleinen, unregelmäßig benutzten Bestände unter manueller Verwaltung zuverlässig zu sichern und zu archivieren. Um diese Aufgabe zu lösen und um kostengünstigeres Speichern von Daten unter Systemkontrolle zu ermöglichen, führte IBM neue Hardware und Software ein.

Mass Storage System IBM 3850

Der Massenspeicher MSS (Mass Storage System) IBM 3850 bildete auf zwei speziellen zylinderförmigen Magnetbandpatronen den Inhalt eines Datenträgers des Magnetplattenspeichers IBM 3330 ab. Man kann ihn als ersten virtuellen „Plattenspeicher“ bezeichnen, der gleichzeitig ein automatisches Bandarchiv darstellte. Alle aktiven Patronen lagerten in einem Schrank mit einander gegenüberliegenden Regalen in wabenförmigen Zellen. Bei Anforderung durch die Programme bewegte eine sinnreiche Konstruktion einen sogenannten Picker automatisch zur richtigen Patrone.

Der Picker hielt den Datenträger im Gegensatz zu späteren mechanischen Greifern elektromagnetisch fest und brachte ihn zu einer Schreib-/Lesestation, von der die gewünschten Daten zum Verarbeiten auf bestimmte Magnetplattenlaufwerke (Staging Devices) übertragen wurden oder umgekehrt. Nach Ablauf der Operation brachte die gleiche Vorrichtung die Patronen an ihren Lagerort zurück. Der Bediener war nur noch mit den Patronen befasst, die der Massenspeicher nach Programmvorgaben über entsprechende Stationen aussteuerte oder die er von außen anforderte.

Der Massenspeicher konnte bis zu 236 Gigabyte im Zugriff der Prozessoren halten. Die technische Entwicklung der Magnetspeicher – Platte, Band – ließ keinen sinnvollen Nachfolger zu, während die zugehörige Software bis heute, im Jahr 2006, hochaktuell blieb.

Weiter mit: ILM gab es bereits 1974

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