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Beginnen wir mit dem Punkt Multicore. Was ist das Revolutionäre an diesem unspektakulär klingenden Thema?
Kyte: Bis zum Jahr 2015 wird sich die Zahl der Kerne – also der Cores – pro Chip alle 18 Monate verdoppeln. Soweit, so gut. Doch bisher wurde eine Leistungssteigerung nach dem Moore’schen Gesetz dadurch erzielt, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem Chip in nicht ganz zwei Jahren jeweils verdoppelte. Das Ergebnis war jeweils eine noch heißere und hungrigere Prozessorgeneration. Dies änderte sich auch kaum, als die Transistoren so klein wurden, dass ein Prozessor auf einen Chip passte und damit die PC-Revolution in Gang kam.
Jahre später gingen die Designer von dedizierten Instruktionen und Schaltkreisen ab, um mehr Leistung ins Networking und Speichern stecken zu können. Das Ergebnis: reduced instruction set computing, kurz: RISC.
Jeder Designwechsel brachte zunächst eine größere Leistungsfähigkeit pro Transistor. Dann kam die Erkenntnis, dass zwei komplette, jedoch langsamere Kerne auf einem Chip mehr Leistung bringen als ein traditionell gebauter Prozessor. Nun erübrigen die einfacheren Kerne die meisten Transistoren, die bisher für dedizierte Aufgaben benötigt wurden, und das Verhältnis von Energiebedarf und Leistung verbessert sich.
Bisher konnten sich Anwender darauf verlassen, dass jede neue Chip-Generation eine Single-Thread-Applikation schneller abarbeiten konnte als die vorherige. Das neue Paradigma gibt dafür jedoch keine Garantien. Stellen Sie sich einen Haufen Steine vor, der von einem Ort zu einem anderen gebracht werden muss. Parabelhaft formuliert könnte ein einzelner schneller Gepard diese Aufgabe erledigen, indem er jeweils einen Stein ins Maul nimmt, diesen zum Zielort transportiert und viele Male schnell hin und her läuft, bis die Aufgabe abgearbeitet ist. Die Multicore-Architektur schickt dagegen viele langsame Schildkröten gleichzeitig ins Rennen, die die Aufgabe parallel erledigen. Der Steinhaufen ist in diesem Beispiel mindestens ebenso schnell abgetragen, wenn nicht sogar schneller. Das Problem besteht allerdings darin, dass IT-Probleme in der Regel nicht dem Steinhaufen gleichen.
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