Die Storage-Industrie versucht die Kostenvorteile der Cloud mit dem ganz spitzen Bleistift auszurechnen

Das rechtliche Länderrisiko der Cloud

10.03.2011 | Autor / Redakteur: Bernd Schöne / Rainer Graefen

Welches IT-Betriebsmodell reduziert die Kosten? (Quelle: Fujitsu)
Welches IT-Betriebsmodell reduziert die Kosten? (Quelle: Fujitsu)

Rechenleistung grenzenlos skaliert aus der Wolke beziehen und anschließend wie Strom abrechnen, klingt höchst verlockend. Doch Kostenbetrachtungen wie auch die Rechtslage sind derzeit im ständigen Fluss und machen aus einem wohlklingenden Angebot leicht ein Vabanque-Spiel.

Unter dem Stichwort Cloud werden höchst unterschiedliche Angebote zusammengefasst, bei der das betreffende Unternehmen immer mehr technische bzw. wirtschaftliche Kompetenz und Kontrolle abgibt, die juristische Verantwortung aber behält.

Anhängig von Art und Umfang der Dienstleistungen unterscheidet man drei Formen der Cloud: Infrastruktur-as-a-Service (IaaS), Plattform-as-a-Service (PaaS) und Software-as-a-Service (SaaS). Zug um Zug trennt sich ein Unternehmen dabei von Kompetenz und Einfluss, spart dadurch aber nach Ansicht vieler Experten Geld.

Die Cloud nivelliert Spitzenlasten

Folgt man den internen Zahlen eines großen IT-Anbieters, ist das aber nicht in jedem Fall sicher. Unbestritten ist, dass ein Großteil der in den Unternehmen massenhaft angeschafften Server, höchst mangelhaft ausgelastet ist.

Hier setzt die Argumentation pro Cloud ein. Warum teuren und knappen Strom für Betrieb und Kühlung sinnlos verschwenden, wenn ein durchschnittlicher Server nur rund 10 Prozent seiner Betriebszeit nützlichen Arbeiten nachgeht?

In virtualisierten Umgebungen kann man die Hardware deutlich besser auslasten und Spitzen problemlos abfahren. In einem virtualisierten Rechenzentrum mitteln sich viele Spitzen heraus, da das Rechenzentrum ja eine große Menge an Kunden bedient, die zu unterschiedlichen Zeiten Rechenleistung benötigen.

Die massenhaft vorhandenen, virtuellen Maschinen werden bei Bedarf von einem Aufgabengebiet zum nächsten verschoben. Der Kunde zahlt stets nur für die tatsächlich in Anspruch genommene Rechenleistung und kommt, so die IT-Berater, trotz Marge des Cloud-Providers, unterm Strich günstiger weg.

Mit dem Picocent rechnen

Dies setzt allerdings Rechenzentren einer entsprechenden Größe voraus, und die befinden sich meist an weit entfernten Orten, nicht selten in anderen Erdteilen. Den Ersparnissen bei der Rechenpower stehen dann die Kosten für den Datentransfer gegenüber.

Dieser sollte zudem verschlüsselt ablaufen, was zusätzliche Hardware erfordert und zusätzliche Kosten für Betrieb und Lizenzen erzeugt. Ein weltweit operierender IT-Konzern hat zusammen mit einer amerikanischen Universität folgendes Szenario durchgespielt: Ein und dieselbe IT-Leistung wird

  • durch dedizierte Systeme lokal im Unternehmen vorgehalten, oder
  • extern via Cloud.

Rechengrundlage ist dabei der Picocent (ein billionstel Cent), der milliardste Teil eines tausendstel Cent.

Kosten pro Zyklus

Nimmt man diese winzige Geldmenge als Maßstab, lassen sich IT-Kosten pro CPU-Zyklus berechnen. Pro Zyklus entstehen bei einer klassischen RZ-Lösung Kosten von 6 bis 27 Picocent, in der Cloud sinkt dieser Betrag deutlich auf 0,6 Picocent ab.

Die Cloud-Lösung wäre demnach um den Faktor 10 bis 50 billiger. Dem gegenüber stehen allerdings erheblich höhere Ausgaben für den Datentransfer, der um den Faktor 100 bis 1000 auf circa 800 bis 6000 Picocent pro übermitteltes Bit steigt.

Erstaunlich neutral verhalten sich die Kosten für den Speicher. Ob Cloud oder nicht, spielt kaum eine Rolle. In beiden Fällen sind rund sechs Picocent pro Bit und Jahr zu veranschlagen.

Ob und wann sich die Cloud rechnet, ist bis auf Weiteres ein Rechenexempel, bei dem die Kosten für das WAN und deren zukünftige Entwicklung die alles entscheidende Berechnungsgrundlage spielen werden.

weiter mit: Extraterritorialer Schutz privater Daten

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