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Blickpunkt Medizin Datenspeicher für Röntgenbilder

Autor / Redakteur: Detlef Borchers / Bernd Schöne, Dipl. Phys. Bernd Schöne

Der Röntgenfilm hat ausgedient, denn digitale Aufnahmeverfahren setzen sich durch. Damit wächst in den Praxen der Datenberg in Schwindel erregende Höhen. Acht Terabyte (TByte) pro Jahr und Praxis sind die Regel, wobei der Gesetzgeber lange Aufbewahrungsfristen und kurze Zugriffszeiten vorschreibt. Die Mediziner sehen sich mit beträchtlichen Herausforderungen konfrontiert. Auf der Messe Medica in Düsseldorf stellten etliche Anbieter ihre Lösungen vor. Storage-Insider hat sich dort umgesehen und unter anderem einen neuen 400 TByte Datenfresser von Hitachi gefunden, der ausreichend Platz für die Patientendaten der nächsten Jahre bieten soll.

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In einer durchschnittlichen radiologischen Praxis fallen bis zu acht TByte Daten pro Jahr an, das ergab jüngst eine Untersuchung von T-Systems. Doch damit nicht genug: während die „normalen“ medizinischen Daten, Laborbefunde und Gutachten in der Regel 10 Jahre lang aufbewahrt werden müssen (Betriebsunfälle und Nuklearverletzungen 20 Jahre), gilt für Röntgenbilder die Aufbewahrungsfrist von 30 Jahren. Diese Frist ist für herkömmliche Röntgenfilme genauso gültig wie für digitale Bilder nach dem medizinischen Standard PACS (Picture Archiving and Communication System). Für PACS-Bilder gilt obendrein, dass sie fälschungssicher und zusammen mit einer digitalen Signatur abgespeichert werden müssen. Nur so können sie über ein Datennetz von Arzt zu Arzt wandern, etwa wenn der Patient einen Spezialisten konsultiert oder ins Krankenhaus überwiesen wird.

Üblicherweise wird die Signatur eines abzuspeichernden Röntgenbildes an einen Zeitstempeldienst geschickt, wie er von Trustcentern angeboten wird. Da kryptografische Verfahren veralten können, etwa wenn ein Mathematiker sie bricht, müssen sich diese Signaturen erneuern lassen. Das Fraunhofer-Institiut für sichere Informationstechnologie (SIT) stellte mit Archisoft eine Lösung vor, die den Zeitstempel nutzt, um alle Dokumente im Bedarfsfall zur Neusignierung aufzurufen. Diese Lösung kann man, nach Angaben des Institutes, in jedes Speicher-Szenario und Dokumenten-Management-System einbinden.

Dabei werden alle Bilder, die das System in einem definierten Zeitraum speichert, in einer Baumstruktur (etwa Tage und Wochen) abgelegt, wobei über jede Verästelung eine kryptografische Quersumme gebildet wird. Diese Summe schickt das System zum Zeitstempeldienst, der damit alle Dokumente des definierten Zeitraumes erfasst.

Aktives Archiv

Anschließend muss der Mediziner die gestempelten Röntgenbilder nur noch dauerhaft archivieren. Hitachi Medical Systems stellte in Düsseldorf die 400 Terabyte fassende Hitachi Content Archive Plattform (HCAP) vor, eine richtlinienbasierte, objektorientierte Lösung für Krankenhäuser und große Gemeinschaftspraxen. Sie kann 350 Millionen Dateien pro Archiv speichern und soll mit allen im medizinischen Betrieb anfallenden Daten fertig werden, von der Patientenakte über die Laborbefunde bis hin zu Röntgenbildern, Tomographie- und Ultraschall-Dateien. Jedes Speicherobjekt umfasst den eigentlichen Datensatz, die dazugehörenden Metadaten sowie Richtlinien für die Authentifizierung, die Aufbewahrung und den Schutz der Daten.

Nach Angeben der Firma skaliert die Plattform bei Bedarf bis in den Bereich von mehreren Petabyte, wenn man das Array mit entsprechend großen Disks bestückt. Dies geht dann allerdings auf Kosten der Performance.

Laut Hitachi ist die HCAP ein „aktives Archiv“. Schon bei der Anfrage nach einer Patientenakte lädt es im Hintergrund die Bilddateien oder die Mail-Kommunikation mit dem Patienten. Basis des Systems ist das Tagma Store Workgroup Modular Storage (WMS), das Hitachi zusammen mit der Trusync-Technik als Speicherlösung für kleine und mittlere Firmen entwickelt hat. Die Content-Plattform arbeitet mit einer SAN-Cluster-Architektur und unterstützt RAID-5 und, wenn mehr Sicherheit gefordert ist, auch RAID-6.

Das Basismodell besteht aus zwei Zellen, die jeweils zwei Knoten beinhalten. Über Fibre-Channel sind sie mit dem Tagmastore WMS100 Speichersystem verbunden. In einen 19-Zoll-Schrank mit 42 Höheneinheiten passen 40 Zellen.

Am kanadischen Gemeinschaftsstand gab es eine Alternative zur Hitachi-Lösung. Klinik- und niedergelassene Ärzte in der Provinz „British Columbia“ speichern ihre Röntgenbilder auf einem Storage-Grid, das in mehrere Ebenen aufgeteilt ist. Die aktuellen Aufnahmen liegen auf schnellen und damit teuren Storage-Systemen, ältere Befunde sind auf preiswertem Equipment archiviert. Hergestellt wurde das Grid-System von Hewlett-Packard. Die Medical Archiving Solution archiviert zurzeit rund 36 Terabyte Daten.

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