Datenrettung nach Brandschäden

Dem Datenträgerinferno entronnen

| Autor / Redakteur: Conrad Heinicke* / Dr. Jürgen Ehneß

Auch in scheinbar hoffnungslosen Fällen können oft noch Daten gerettet werden.
Auch in scheinbar hoffnungslosen Fällen können oft noch Daten gerettet werden. (Bild: ©weerapat1003 - stock.adobe.com)

Wenn Festplatten, USB-Sticks oder SSDs nach einem Brand aus den Trümmern geholt werden und ihre Inhalte nirgends anders gesichert waren, ist noch nicht alle Hoffnung verloren. Erfahrene Spezialisten wie CBL Datenrettung können in vielen Fällen auch dann noch Daten rekonstruieren, wenn Datenträger schwer durch Feuer und Löschmittel beschädigt sind.

Es war eine gewaltige Brandkatastrophe: Das Feuer, das am 6. Februar 2019 in einem Kühlhallenkomplex auf der französischen Karibikinsel St. Martin ausbrach, ließ sich drei Tage lang nicht löschen, obwohl die Feuerwehren aus Guadeloupe und vom niederländischen Teil der Insel zu Hilfe kamen.

Der Geschäftsführer des betroffenen Logistikunternehmens hatte früher in Europa gearbeitet und kannte aus dieser Zeit die Firma CBL Datenrettung. So kam es, dass eine große Ladung verkohlter und halb geschmolzener Elektroschrott seinen Weg von den Antillen nach Kaiserlautern fand. Die Datenretter entfernten jede Menge Asche, verglühtes Metall und sogar geschmolzenes Glas, um an die Datenträger zu kommen. Die Diagnose: Die Festplatten eines Servers waren komplett geschmolzen, aber bei zwei Notebookfestplatten bestand Hoffnung. Nach einer aufwändigen Prozedur konnten hier tatsächlich die Daten gerettet werden.

Schadensbilder und Verfahren

Meist werden die verbrannten Reste eines PCs oder Notebooks komplett an CBL geschickt, und die Datenträger müssen zunächst geborgen werden. Die Schwere des Schadens ist abhängig von der Höhe der Temperaturen, der Dauer der Erhitzung und einem eventuellen Löschmittelkontakt. Bei brandgeschädigten Festplatten können im Wesentlichen die folgenden Schadensbilder unterschieden werden.

Ist die Platine zu heiß geworden, so dass elektronischen Bauelemente geschmolzen oder verkohlt sind, so ersetzen die Datenretter die Patine durch eine baugleiche. Das allein reicht aber nicht, um an die Daten zu kommen, denn in modernen Laufwerken ist die Elektronik mit Hilfe der eingebetteten Firmware detailliert auf die physischen Komponenten eingestellt – angefangen bei der Liste der während der Herstellung entstandenen fehlerhaften Sektoren auf dem Datenträger, die von Anfang an ausgespart werden. Die Kunst ist hierbei, die Firmware in einer Weise zu modifizieren, dass – bildlich gesprochen – die Elektronik die implantierte Hardware nicht abstößt. In manchen Fällen ist auch der Motorchip beschädigt – ihn auszutauschen, ist sehr aufwändig, aber ebenfalls möglich.

Platten putzen, Firmware hacken

Der nächste typische Brandfolge ist die Beschädigung der Festplattenscheiben durch eingedrungene Rauch- und Aschepartikel. Solange das Trägermaterial der Magnetscheiben aus Aluminium oder Glas noch nicht verglüht oder geschmolzen ist, besteht Hoffnung. Die Datenträgeroberfläche muss gereinigt werden. Diese Arbeit, für die Datenretter proprietäre Methoden entwickelt haben, muss zwingend in einem Reinraum vorgenommen werden.

Auch die Schreib-/Leseköpfe müssen in diesen Fällen üblicherweise ersetzt werden. Ein weiteres Schadenszenario ist die Beschädigung durch Löschmittel und Löschwasser. Löschmittelpartikel, die in die Festplatte eindringen, müssen ebenfalls im Reinraum entfernt werden. Löschwasser wiederum fügt den Brandfolgen die Auswirkungen eines Wasserschadens hinzu: die Zerstörung von Elektronikbauteilen und Schreib-/Leseköpfen durch Kurzschluss sowie Korrosion. Hier werden wiederum der Austausch der Platine mit Firmware-Modifikation und der Austausch der Schreib-/Leseköpfe im Reinraum nötig.

SSD geringfügig hitzebeständiger

An Fällen, in denen aus einer Brandkatastrophe eine SSD und eine HDD zur Datenrettung kommen, hat sich gezeigt, dass SSDs im Allgemeinen etwas feuerbeständiger sind. Teilweise können hier noch Daten ausgelesen werden, auch wenn sich Kunststoffummantelungen bereits verformt haben. Entscheidend ist, ob die NAND-Chips ausgelesen werden können. CBL Datenrettung hat spezielle Methoden entwickelt, um bei zerstörtem Controller-Chip aus den Rohdaten, die ähnlich zerstückelt vorliegen wie bei einem RAID, nutzbare Daten zu rekonstruieren.

Vorgehen im Ernstfall

Werden IT-Systeme ein Raub der Flammen, gilt es im Brandschutt, die Datenträger, auf denen unersetzliche Daten ohne Backup liegen, zu lokalisieren und zu bergen. Die verkohlten und geschmolzenen Geräte können komplett an CBL Datenrettung zur kostenlosen Diagnose geschickt werden. Die Datenretter weisen darauf hin, dass die Materialien durch die Hitzeeinwirkung sehr spröde sind; die Versandverpackung sollte deshalb gut gepolstert sein. Sind Datenträger zusätzlich nass geworden, sollten sie vor dem Versand, so wie sie sind, luftdicht verpackt werden, um die Korrosion zu verlangsamen.

Fazit

Wer mit Datenverlust durch Feuer konfrontiert wird, versteht, warum räumlich getrennte Datensicherung so wichtig ist. Doch wenn diese fehlt, bleibt immer noch eine Chance. Die Fähigkeit, schwer beschädigte Datenträger so weit wiederherzustellen, dass sie noch einmal ausgelesen werden können, sowie spezielle Reinigungsmethoden und Verfahren zur Manipulation der Firmware ermöglichen es CBL Datenrettung, auch in den scheinbar hoffnungslosen Fällen verbrannter Rechner an Daten zu kommen. Da CBL nur im Erfolgsfall eine Rechnung stellt, ist der Versuch einer Datenrettung für den Kunden ohne finanzielles Risiko.

*Der Autor: Conrad Heinicke, Projektmanager bei CBL Datenrettung.

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