Der EU Data Act bringt tiefgreifende Veränderungen für Unternehmen mit sich. Viele Organisationen konzentrieren sich primär auf die rechtlichen Anforderungen, übersehen dabei jedoch die ebenso entscheidenden Herausforderungen im Bereich des Datenmanagements. Die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben erfordert nicht nur juristische Expertise, sondern auch eine strukturierte Herangehensweise an die Verwaltung, Sicherung und Nutzung von Daten.
Der Autor: Daniel Esser ist Managing Consultant Data & Analytics Strategy bei der QUNIS GmbH.
(Bild: QUNIS GmbH)
Der EU Data Act soll den Zugang zu und die Nutzung von Daten innerhalb der Europäischen Union regulieren. Unternehmen werden verpflichtet, Daten transparenter zu verwalten, den Datenaustausch zu erleichtern und interoperable Datenstrukturen zu etablieren. Ziel ist es, Innovationen zu fördern und gleichzeitig klare Regeln für den Zugriff und die Nutzung von Daten zu schaffen.
Viele Organisationen konzentrieren sich zunächst auf die rechtlichen Auswirkungen dieser neuen Regelungen. Doch die wahre Herausforderung liegt in der praktischen Umsetzung: Unternehmen müssen ihre Datenprozesse hinterfragen, anpassen und effizient gestalten. Ohne eine fundierte Datenstrategie drohen nicht nur Compliance-Verstöße, sondern auch Ineffizienzen und Wettbewerbsnachteile.
Datenmanagement als zentrale Herausforderung des EU Data Acts
Die Umsetzung des EU Data Acts erfordert von Unternehmen eine umfassende Kontrolle über ihre Daten – organisatorisch, prozessual und technologisch. Das bedeutet, dass Unternehmen jederzeit wissen müssen, welche Daten wo gespeichert sind und wie sie hinsichtlich ihrer Relevanz für den EU Data Act zu klassifizieren sind – etwa nach geistigem Eigentum, personenbezogenen Informationen oder geschäftlicher Bedeutung.
Eine leistungsfähige Datenplattform ist essenziell, um Daten technisch zeitnah bereitzustellen. Zudem müssen klare Data-Ownership-Rollen im Unternehmen etabliert sein, um kurzfristige Anfragen effizient zu beantworten. Da die betroffenen Daten aus dem operativen Produktumfeld stammen und sich kontinuierlich verändern, muss die Umsetzung des EU Data Acts in einen dynamischen Regelprozess überführt werden. Dieser Prozess muss sich flexibel und kurzfristig an die sich wandelnde Produktlandschaft des Unternehmens anpassen.
➔ Kurz gesagt: Der EU Data Act zwingt Unternehmen dazu, genau zu wissen, welche Daten sie haben, wo sie liegen und wer darauf zugreifen darf. Ohne klare Strukturen wird es nicht möglich sein, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Es braucht eine Technologieplattform und klare Verantwortlichkeiten, um schnell reagieren zu können.
Die Notwendigkeit eines strukturierten Projektrahmens
Die Einführung des EU Data Acts kann nicht ad hoc erfolgen, sondern muss im Rahmen eines strukturierten Projekts umgesetzt werden. Das erfordert eine systematische Herangehensweise, klare Verantwortlichkeiten und eine schrittweise Implementierung, um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.
➔ Die Umsetzung des EU Data Acts ist kein einmaliges To-do, sondern ein langfristiges Projekt. Unternehmen müssen sich strategisch vorbereiten und Ressourcen dafür einplanen.
Datenreife und organisatorischer Wandel als kritische Erfolgsfaktoren
Aus der Sicht von Experten sind die wenigsten Unternehmen in Bezug auf ihre Data-Excellence so aufgestellt, dass eine reibungslose Umsetzung eines solchen Projekts möglich wäre. Vielmehr erzwingt die Einführung des EU Data Acts einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Daten, der tief in die bestehende Unternehmenskultur eingreift. Dieser Veränderungsprozess ist naturgemäß aufwendig und mit Herausforderungen verbunden.
➔ Viele Unternehmen sind noch nicht optimal aufgestellt, um ihre Daten effizient zu verwalten. Die Einführung des EU Data Acts zwingt sie dazu, ihre internen Prozesse zu überarbeiten – und das ist meist ein schwieriger und zeitaufwendiger Prozess.
Management-Unterstützung als unverzichtbarer Erfolgsfaktor
Ein solch tiefgreifender Wandel im Datenmanagement kann ohne ein klares Commitment des Managements nicht erfolgreich umgesetzt werden. Die Unterstützung durch die Führungsebene ist entscheidend, um Ressourcen bereitzustellen, Akzeptanz im Unternehmen zu schaffen und die organisatorischen Veränderungen nachhaltig zu verankern.
➔ Ohne Rückhalt vom Top-Management wird dieses Projekt nicht funktionieren. Führungskräfte müssen hinter der Veränderung stehen und sie aktiv unterstützen.
Nachhaltiger Erfolg nur durch ganzheitliche Betrachtung
Ohne Berücksichtigung der oben genannten Faktoren – ein durchdachtes Datenmanagement, ein strukturiertes Projektvorgehen, die Anpassung der Unternehmenskultur und das Engagement der Geschäftsführung – wird die Einführung des EU Data Acts nicht langfristig erfolgreich sein.
➔ Die Einführung des EU Data Acts ist keine reine Compliance-Frage. Unternehmen müssen das Thema ganzheitlich angehen, sonst wird es langfristig nicht funktionieren.
Wirtschaftliche Auswirkungen des EU Data Acts
Der EU Data Act ist nicht nur eine regulatorische Verpflichtung, sondern bietet auch wirtschaftliche Potenziale. Unternehmen, die ihre Daten effizient managen, können:
Neue Geschäftsmodelle entwickeln: Durch optimierten Datenaustausch lassen sich neue datengetriebene Dienstleistungen und Produkte schaffen.
Stand: 08.12.2025
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Die Wettbewerbsfähigkeit steigern: Firmen, die frühzeitig in transparente und interoperable Datenstrukturen investieren, haben langfristig Vorteile gegenüber der Konkurrenz.
Kosten senken: Ein strukturiertes Datenmanagement reduziert ineffiziente Prozesse, Doppelarbeit und Datenredundanzen.
Rechtliche Risiken minimieren: Unternehmen, die den EU Data Act proaktiv umsetzen, vermeiden hohe Strafen und Haftungsrisiken.
➔ Der EU Data Act ist nicht nur eine Pflicht, sondern auch eine Chance. Wer sich frühzeitig anpasst, kann sich als Vorreiter positionieren, Kosten senken und neue Marktpotenziale erschließen.
Fazit
Der EU Data Act stellt Unternehmen vor weitreichende Herausforderungen, die über rein juristische Fragestellungen hinausgehen. Vielmehr ist er ein Weckruf, die eigene Datenstrategie zu überdenken und nachhaltige Strukturen für das Datenmanagement zu schaffen.
Unternehmen, die frühzeitig in transparente Prozesse, klare Verantwortlichkeiten und moderne Technologien investieren, profitieren nicht nur von einer verbesserten Compliance, sondern auch von langfristigen Wettbewerbsvorteilen. Wer das Thema strategisch angeht, kann die neuen regulatorischen Anforderungen nicht nur als Pflichtaufgabe sehen, sondern sie als Chance nutzen, die eigene Datenlandschaft effizienter und zukunftsfähiger zu gestalten.