Storage-Insider Service: Ein Blick unter die Haube von Synology DSM 6.0, Teil 2

Der Praxistest zum Synology DSM 6.0

| Autor / Redakteur: Thomas Niedermeier* / Tina Billo

Angetestet: Synology DSM 6.0.
Angetestet: Synology DSM 6.0. (Bild: Synology)

Im zweiten Teil unserer Serie berichtet Experte Thomas Niedermeier über die Migration der Festplatten auf ein neues NAS-Modell.

Nachdem wir im ersten Teil unseres Synology-Tests bereits ausführlich auf die theoretischen Vorteile und Neuerungen des Betriebssystems eingegangen sind, muss es sich nun in der Praxis beweisen. Denn Docker auf dem NAS, das Dateisystem Btrfs und die vielen anderen neuen Features hören sich zwar verlockend an. Doch ob sich die Umstellung deshalb lohnt, zeigt sich erst im Test.

Eingesetzte Testsysteme und Upgrade-Szenario

Um das Betriebssystem DSM 6.0 zu testen, stehen zwei NAS-Geräte zur Verfügung: zum einen die Synology DS1513+ aus dem Jahr 2013 und zum anderen der Nachfolger, die DS1515+. Die DS1513+ als zu ersetzendes Gerät verfügt über einen installierten DSM 5.2, die DS1515+ als neues Gerät ist initial ebenso mit dem DSM 5.2 ausgestattet.

Um DSM 6.0 auf dem neuen Synology NAS zu testen, werden die Festplatten des Altgeräts ausgebaut und ohne weitere Modifikationen in das neue NAS eingesetzt. Der Migrationsprozess erfolgt anschließend bequem über die Weboberfläche. Um den nachträglichen Konfigurationsaufwand so gering wie möglich zu halten, wird die Konfiguration des alten Gerätes so vollständig wie möglich übernommen.

Parallel zur Migration wird das Betriebssystem auf DSM 6.0 aktualisiert. Die Umstellung des Dateisystems von ext4 auf das neue Btrfs muss anschließend manuell vorgenommen werden. Danach erfolgt die Wiederherstellung der vorab gesicherten Daten.

Migrationsvorgang

Der Migrationsprozess wird ganz einfach durch einen Klick auf den Punkt „Migration“ in der Weboberfläche gestartet. Möchte man noch weitere Informationen über das neue Gerät aufrufen, stellt Synology mittels Mouse-Over-Effekt wichtige Daten der neuen Hardware zur Verfügung.

Nach dem Start des Migrationsvorgangs muss der Installationstyp ausgewählt werden. Neben „Meine Daten und die meisten Einstellungen behalten“ gibt es die Möglichkeit der völligen Neuinstallation, wobei auch hier die Daten behalten werden.

Für den Test des Systems wählen wir die erste Option, alle Daten und die meisten Einstellungen sollen erhalten bleiben. Anschließend muss DSM 6.0 heruntergeladen werden. Dabei kann das Image des DSM entweder manuell oder automatisch heruntergeladen werden. Falls verfügbar, wird es dabei gleichzeitig auf die neueste Version aktualisiert.

Der Installationsprozess erfolgt, der User wird mittels Fortschrittsanzeige über den Aktualisierungsstatus auf dem Laufenden gehalten. Abschließend wird ein Neustart durchgeführt, erst danach ist eine weitere Administration möglich.

Was dabei zu beachten ist: nach dem Neustart ist das NAS nicht mehr unter der vorherigen DHCP-Adresse erreichbar, stattdessen greift die feste IP-Adresse aus der Wiederherstellung der Konfiguration bereits. Die entsprechende IP-Adresse muss deshalb neu eingegeben werden, anschließend erscheint der bekannte Login-Bildschirm des nun bereits auf die Version 6.0 aktualisierten DSM. Wichtig ist außerdem, dass die Konfiguration der HTTP-Einstellungen durch den Migrationsprozess bereits übernommen wurde.

Während des Tests müssen die installierten Pakete aufgrund eines Fehlers entfernt und neu installiert werden, die Konfigurationen der installierten Pakete bleiben aber erhalten. Dennoch ist es zu empfehlen, ein aktuelles Backup der Daten in der Hinterhand zu haben - generell lohnen sich regelmäßige Sicherungen mittels eingebauter Backupfunktion immer.

Insgesamt lässt sich der Migrationsvorgang per Webbrowser absolut intuitiv und problemlos durchführen. Zu beachten ist lediglich, dass sich die Netzwerkkonfiguration initial im DHCP-Modus befindet, ein DHCP-Server muss deshalb unbedingt im LAN aktiv sein. Erst nach vollständiger Migration können die ursprünglichen Netzwerkeinstellungen übernommen werden.

Wechsel von ext4 auf Btrfs

Um alle Features des DSM 6.0 nutzen zu können, wird ein Dateisystem-Wechsel durchgeführt. Da das bestehende Filesystem ext4 vollkommen anders funktioniert als das neue Btrfs, ist es mit einer einfachen Umwandlung nicht getan. Stattdessen muss das bisherige Dateisystem aufgelöst und Btrfs-formatiert neu angelegt werden. Nach dem Wechsel können die Daten über ein Backup wiederhergestellt werden.

Eine Koexistenz beider Dateisysteme ist natürlich möglich, wenn man nicht sofort gänzlich zu Btrfs wechseln möchte. Das bestehende Volume kann im Storage Manager des DSM ganz einfach entfernt werden. Aber Achtung: dabei werden auch die vom Volume abhängigen Dienste gelöscht. Dieser Vorgang ist aus Sicherheitsgründen nur mit dem Administrator-Passwort auszuführen.

Das Btrfs-Dateisystem wird ebenfalls mittels des Storage Managers erstellt. Benutzerdefiniert können dabei „mehrere Volumes auf RAID“ ausgewählt werden, da vorab schon eine Diskgruppe erstellt wurde. Die Größe des Volumes kann angepasst werden, es können aber auch mehrere Volumes angelegt werden.

Nach der Neuanlage des Volumes muss das Paket Hyper Backup mittels Paketzentrum neu installiert werden, die Daten aus einem Backup werden damit wiederhergestellt. Sofern die Systemkonfiguration und Anwendungsdaten Bestandteil des Backups sind, lassen sie sich auf diesem Weg ebenfalls wiederherstellen. Der Migrationsvorgang inklusive Btrfs-Umstellung ist damit abgeschlossen.

Erkenntnisse

Insgesamt ist der Migrationsvorgang in von Synology gewohnt schneller und einfacher Weise durchzuführen. Die bestehenden Konfigurationen wurden ohne größere Probleme übernommen, auch die angelegten Backup-Aufgaben im bisherigen Datensicherungs- und Replikationspaket wurden ohne weiteres in das neue Hyper Backup umgezogen.

Da das NAS in unserem Test als Backup-Ziel fungierte, wurde das Paket Hyper Backup Vault praktischerweise automatisch mitinstalliert. Die Backup-Daten der Clients konnten durch den neuen Backup Explorer um einiges bequemer administriert werden. Auffallend war, dass die Pakete aufgrund von Fehlern deinstalliert, neu heruntergeladen und anschließend wieder installiert werden mussten. Dazu war es erforderlich, das Zertifikat der OpenVPN-Verbindung neu vom OpenVPN-Server zu laden und auf den Clients zu installieren. Erst danach war eine Verbindung wieder möglich.

Unbedingt beachten sollte man, dass bei der Migration auf ein neues Gerät zwar die meisten Einstellungen übernommen werden, jedoch nicht alle. Ausnahmen sind beispielsweise E-Mail-Server-Einstellungen, Photo Station- und Blog-Inhalte,eine Neuindizierung der Mediendateien war erforderlich.

Fazit

Ob es nötig ist, sich ein neues Synology NAS zuzulegen, um dann Features wie das neue Dateisystem nutzen zu können, ist fraglich. Allerdings bietet DSM 6.0 andere Vorteile, die eine Neuanschaffung rechtfertigen können. Gerade für User, die zukünftig virtualisieren möchten, ist es ratsam, sich ein neues NAS anzuschaffen. Denn dann wird ohnehin mehr Speicher benötigt, als die älteren Modelle zu bieten haben. Die vielen Features für Virtualisierung, etwa der Virtual DSM Manager, können dann auch genutzt werden.

Wie meistens bei Neuerungen in der IT-Branche liegt somit auch das Für und Wider eines neuen Synology NAS und damit des DSM 6.0 eindeutig in der individuellen Anwendungssituation des Nutzers.

* Thomas Niedermeier ist bei der Thomas-Krenn.AG unter anderem zuständig für NAS-Anwendungen.

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