Interview zum Thema Big Data

„Die Bearbeitung gigantischer Datenmengen ist große Herausforderung und Chance zugleich“

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Vor welche Herausforderungen stellt Big Data Unternehmen?

Stelz: Die Bearbeitung gigantischer Datenmengen ist große Herausforderung und Chance zugleich. Entscheidend sind hierbei die passenden Strategien und Lösungen. Die größte Herausforderung ist es in meinen Augen, die Daten in eine Form zu bringen, die eine effektive Analyse zulässt und diese dann auch noch in einer annehmbaren Zeit durchführen zu können. Herkömmliche Verfahren sind dabei an ihre Grenzen gestoßen: Bestehende Formen der Datenhaltung und Analyse versagen bei der geforderten Geschwindigkeit. Selbst Real-Time ist oft noch nicht genug. Mammutprojekte, wie beispielsweise die Koordination des weltweit modernsten Verkehrsleit- und Steuerungssystems von Tokyo, erfordern mittlerweile „echte“ Echtzeit.

Martin: Für mich ist die erste und zunächst einmal wichtigste Herausforderung zu verstehen, welche Potenziale und welchen Nutzen Big Data meinem Unternehmen bietet. Der Nutzen, der heute bei den Big Data-Pionieren wie Amazon, eBay, Facebook und Google erreicht wird, betrifft vor allem die Bereiche Kundenorientierung, Customer Relationship Management und Customer Experience Management.

Bange: Auf Anwendungsseite werden analytische Applikationen eingesetzt oder geschaffen, welche die Big Data Datenwelten nutzbar machen. In vielen Unternehmen wird inhaltlich daran gearbeitet, Kennzahlen für neue Analysebereiche zu entwickeln oder Prozesse einzuführen, die gewonnenen Erkenntnisse auch sinnvoll zu nutzen und in einen Wettbewerbsvorteil umzusetzen.

Stelz: Gerade der Bereich Marketing kann im Moment stark davon profitieren, unstrukturierte Datenquellen jenseits der ERP- und CRM-Systeme – beispielsweise aus Facebook, Twitter, Blogs oder Foren – einzubeziehen und die Erkenntnisse daraus in Wettbewerbsvorteile zu verwandeln. Big Data erlaubt dem Marketing, die 360-Grad-Kundensicht zu einer 360-Grad-Marktsicht zu erweitern. So ermöglicht Big Data verborgene Trends sichtbar zu machen und liefert Informationen darüber, was den Kunden bewegt und wie wir besser und zeitnaher auf Kundenwünsche eingehen können. Das ist ein spannender Punkt, der in der nächsten Zeit mit Sicherheit immer weiter ausgebaut werden wird.

Welche Rolle spielt Information Governance vor dem Hintergrund von Big Data und welchen Nutzen haben Unternehmen davon?

Martin: Hier lässt sich ganz simpel sagen, dass mit der Menge der Unternehmensdaten – wenn ich also meine Unternehmensdaten um Big Data ergänze, anreichere oder auch nur Big Data ins Unternehmen für Pilotierungen hole – Information Governance immer wichtiger wird. Einfach gesagt sind immer mehr und mehr Daten zu speichern, zu verwalten und zu managen.

Stelz: Den Nutzen von Information Governance bestätigt auch das Ergebnis der Marktbefragung zu diesem Thema, die Dr. Martin zusammen mit Uniserv durchgeführt hat. Insgesamt gaben 52 Prozent der Befragten an, dass das Thema Information Governance große bis sehr große Bedeutung in ihrem Unternehmen habe, nur sechs Prozent schätzen die Bedeutung als gering oder sehr gering ein. Bei der Frage nach den Treibern von Information Governance stellten die Befragten Datenqualität, Steigerung der Prozess-Qualität, Erfüllung von Compliance-Anforderungen und Schaffen vertrauenswürdiger Daten auf die Spitzenplätze.

Bange: Neben den üblichen Governance-Aufgaben spielt es bei Big Data eine wesentliche Rolle, einen Überblick über die Systeme, Prozesse und Nutzer zu behalten. Das wird tendenziell schwerer für Unternehmen, da die Heterogenität von Daten und Technologien wächst. Big Data erfordert an einigen Stellen ein Umdenken. Die gewohnte relationale Datenbank reicht für Big-Data-Anforderungen in der Regel nicht mehr aus, sodass technologisch auch der Einsatz von analytischen Datenbanken oder NoSQL-Technologien sinnvoll sein kann. Skalierbarkeit und Parallelisierung von Prozessen müssen von Anfang an für alle Systeme konzipiert sein.

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