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Halbleitermarkt wächst langsamer Die fetten Jahre sind vorbei

| Redakteur: Michael Eckstein

Die Elektronikbranche spürt die Folgen des US-chinesischen Handelskriegs und die weltpolitische Unsicherheit. Nach zwei starken Jahren in Folge erwarten Marktbeobachter ein gebremstes Wachstum für 2019. Immerhin eine Branche boomt.

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Lichtblick Automobilmarkt: Während die Nachfrage nach Halbleitern in Schlüsselmärkten wie dem Smartphone-Segment sinkt, legt sie im Automotive-Sektor schnell zu.
Lichtblick Automobilmarkt: Während die Nachfrage nach Halbleitern in Schlüsselmärkten wie dem Smartphone-Segment sinkt, legt sie im Automotive-Sektor schnell zu.
(Bild: Micron Technology )

Der Betrag ist enorm: Im letzten Jahr wurden weltweit Halbleiter im Wert von rund 474 Milliarden US-Dollar verkauft. Das hat der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI) errechnet – ein Plus von gut 15 Prozent gegenüber 2017.

Andere Auguren wie WSTS ermitteln die Zunahme etwas konservativer mit etwa 12,5 Prozent. Mit 60 Prozent verbuchte die Region Asien/Pazifik im Jahr 2018 den größten Anteil am Halbleiter-Weltmarkt. Allein auf China entfielen 33 Prozent. Nord- und Südamerika legten leicht auf 21 Prozent zu. Japan und EMEA waren mit jeweils neun Prozent die umsatzschwächsten Regionen.

Schwächere Entwicklung in Deutschland

Der deutsche Halbleitermarkt wuchs um etwa 8 Prozent und trug fast 16 Milliarden US-Dollar zum Gesamtergebnis bei. "Im Vergleich zum europäischen und weltweiten wächst der deutsche Halbleitermarkt jedoch schwächer", sagt Stephan zur Verth, Vorsitzender der Fachgruppe Halbleiter-Bauelemente im ZVEI-Fachverband Electronic Components and Systems bei der Präsentation der Zahlen in München. Für 2019 rechnete er mit einem Inlandswachstum von etwa vier Prozent.

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Voraussichtlich einsetzender Abwärtstrend

Einmal mehr waren Speicher der Wachstumstreiber Nummer eins: "Wie im Vorjahr ist die hohe Nachfrage nach Speichern ursächlich für das deutliche Wachstum des weltweiten Halbleitermarktes", erläutert zur Verth. Ohne Speicher würde es lediglich 8 Prozent betragen.

Massiv ausgebaute Fertigungskapazitäten für Flash und DRAM und weltweit nachlassende Nachfrage in Kernbereichen wie Smartphones könnten in diesem Jahr dazu führen, dass die Speicherpreise bröckeln. Nicht nur der ZVEI, sondern auch andere Auguren wie IDC und Trendforce rechnen in den kommenden Jahren tatsächlich mit einem Abwärtszyklus für Speicher.

Unwägbarkeiten setzen dem Markt zu

Vorhersagen sind im stark volatilen Halbleitermarkt schwierig, doch zur Verth hält einen Rückgang des Gesamtumsatzes auf nur noch drei bis fünf Prozent in diesem Jahr für möglich. Tatsächlich ließ der Umsatz bereits im dritten Quartal 2018 spürbar nach. Insgesamt lag er im letzten Jahr satte sieben Prozentpunkte unter den 22 Prozent, die der ZVEI Ende 2017 für 2018 prognostiziert hatte. Als primäre Ursachen sieht er die anhaltenden Zollstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie die enormen Unsicherheiten für die Makroökonomie durch den bevorstehenden Brexit.

"Durch die großen Unwägbarkeiten kann der weltweite Umsatz mit Halbleitern 2019 auch in den negativen Bereich abrutschen", warnt zur Verth. Dabei blickt er zurück auf den Beginn des 21. Jahrhunderts: Kurz nach dem Millennium rechneten viele Auguren die enormen Umsatzsteigerungen der vorangegangenen Jahre auf die nächsten Jahre hoch und prognostizierten astronomische Zuwächse von 40 Prozent und mehr.

Es kam anders: Spätestens mit den Einschlägen der Terrorflieger in die Zwillingstürme des WTC in New York 2001 platzte die Blase. Während der folgenden Rezession brachen die Umsätze mit Halbleitern um den Rekordwert von 32,5 Prozent ein. Erst nach rund vier Jahren erreichten sie wieder das Niveau von 2000. Viele Unternehmen gingen mit hohen Verlusten in ein langes Tal der Tränen, einige kamen nicht mehr heraus.

Schnell wachsende Nachfrage im Automotive-Sektor

Andererseits durchdringt die Elektronik immer weitere Lebensbereiche, ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Das bedeutet: Auch in den nächsten Jahren wird es eine hohe Nachfrage nach Halbleitern geben. Derzeit macht besonders der Automotive-Sektor Hoffnung: Während der Halbleiteranteil in Smartphones, Tablets, PC und TV laut ZVEI in den kommenden Jahren zunehmend stagnieren werde, nehme der Einsatz von Halbleitern im Automotive-Bereich durch drei Megatrends stark zu.

Erstens Konnektivität, das heißt der Einbau von Premium-Infotainment im Fahrzeug, zweitens autonomes Fahren beziehungsweise der Einsatz von Fahrerassistenz-Systemen und drittens die Elektrifizierung und die steigende Produktion von Elektrofahrzeugen. "Im Jahr 2030 werden circa 50 Prozent aller Fahrzeuge mit einer Form eines elektrischen Antriebsstrangs ausgestattet sein", schaut zur Verth in die Zukunft. Der Durchschnittswert der in einem Auto verbauten Halbleiter könnte von derzeit 350 auf knapp 2.000 US-Dollar wachsen.

* Diesen Beitrag haben wir von unserem Partnerportal Elektronipraxis übernommen.

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