Lünendonk-Studie

Keine Krise in der Cloud

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

IT-Dienstleister erwarten einen besonders starken Nachfrageanstieg bei Themen rund um agiles Software-Engineering, Cloud-Orchestrierung sowie den Aufbau einer flexiblen IT-Landschaft mit Hilfe von Microservices und APIs.
IT-Dienstleister erwarten einen besonders starken Nachfrageanstieg bei Themen rund um agiles Software-Engineering, Cloud-Orchestrierung sowie den Aufbau einer flexiblen IT-Landschaft mit Hilfe von Microservices und APIs. (Bild: gemeinfrei, geralt / Pixabay)

Konjunkturelle Abschwächung ja, Krise nein: IT-Dienstleister wie Cloud Provider und Managed-Service-Anbieter rechnen weiterhin mit einer hohen Nachfrage. Das sagt uns die Lünendonk-Studie „Der Markt für IT-Beratung und IT-Service in Deutschland“.

Während die von Lünendonk untersuchten IT-Dienstleister für das laufende Geschäftsjahr 2019 ein Umsatzwachstum von 10,6 Prozent erwarten, blicken sie hoffnungsfroh in das Jahr 2020 und rechnen mit 10,8 Prozent Umsatzsteigerung.

Trendthemen 2020

Die Marktforscher zeigen in der Studie zudem auf, welche Themen 2020 an Bedeutung gewinnen werden. Einen besonders starken Nachfrageanstieg erwarten die IT-Dienstleister demnach bei Themen rund um Big-Data-Analytics, IT-Security, agiles Software-Engineering, Cloud-Orchestrierung, Aufbau einer flexiblen IT-Landschaft mit Hilfe von Microservices und APIs sowie Anwendungen auf Basis der Künstlichen Intelligenz (KI). Insgesamt soll sich die Zahl der Software-Produkte 2020 deutlich erhöhen.

„Vor allem Embedded Systems machen immer häufiger Hardware-Produkte zu Smart Products“, beobachtet Mario Zillmann, Partner und Autor der Studie. Infolge der steigenden Zahl an neu entwickelten Software-Lösungen und digitalen Produkten nimmt der Integrationsbedarf in die bestehende IT-Landschaft (Backend-IT) massiv zu. So erwarten 89 Prozent der befragten IT-Dienstleister eine starke Nachfrage ihrer Kunden nach Implementierungsservices.

Bei der Software-Entwicklung gehe ein klarer Trend in Richtung agile Entwicklungsmethoden. Dadurch sollten Entwicklungszeiten reduziert und Qualität sowie User Experience erhöht werden. In vielen Unternehmen seien jedoch das erforderliche Know-how, Erfahrungswerte sowie die Firmenkultur noch nicht ausreichend vorhanden oder erst im Aufbau. Daher vergeben Unternehmen zahlreiche Aufträge zur agilen Anwendungsentwicklung an externe Beratungs- und IT-Dienstleister, die über langjährige Erfahrungen und Fachkräfte in diesem Bereich verfügen.

„In immer mehr Fällen wird die (agile) Software-Entwicklung und -integration als Gesamtpaket an einen Dienstleistungspartner vergeben, um Schnittstellenbrüche zu vermeiden und die Umsetzungsgeschwindigkeit hoch zu halten“, so Zillmann. „Davon profitieren besonders die führenden IT-Dienstleister, die Software-Entwicklungsaufträge mit Hilfe von internationalen Liefermodellen (Near-/Offshore) umsetzen können.“

Neue Anforderungen an IT-Dienstleister

Nicht nur Anwenderunternehmen unterziehen sich einem Wandel, auch IT-Beratungshäuser müssen den Anforderungen der digitalen Transformation gerecht werden. Endverbraucher fordern Transparenz, Personalisierung, Einfachheit und ein nahtloses Zusammenspiel der Online- und Offline-Welt. Das Thema Customer Experience spielt an dieser Stelle eine große Rolle. Bereits heute verzeichnen IT-Beratungen knapp ein Drittel ihres Umsatzes durch CX-Services – Tendenz steigend. So machen die IT-Dienstleister 28 Prozent ihres Umsatzes mit der Entwicklung kundenzentrischer Software-Produkte. Darüber hinaus werden vor allem Leistungen zur Automatisierung kundennaher Prozesse und dem Aufbau digitaler Kundenschnittstellen nachgefragt.

CX-Services werden für IT-Beratungen vor allem deshalb immer wichtiger, da für immer mehr Kunden die Vernetzung von digitalen Frontend-Lösungen wie Apps und Webportalen mit der Prozesslandschaft und dem IT-Backend an Bedeutung gewinnt, um eine hohe User-Experience in der Omni-Channel-Interaktion zu ermöglichen. „Die Ansprüche vieler Endkunden an ein digitales Kommunikations- und Einkaufserlebnis sind in vielen Branchen mittlerweile so hoch, dass digitalisierte und kanalübergreifende Prozessketten vorausgesetzt werden“, beschreibt Zillmann die veränderten Anforderungen der Endkunden. „Beispielsweise erwarten Kunden heute, dass Prozesse wie zum Beispiel E-Commerce und Kundenservice einen nahtlosen Wechsel zwischen mehreren Mobile Devices zulassen und alle relevanten Kundendaten aus den ERP- und CRM-Systemen abrufbar sind.“

Die Lünendonk-Studie zeigt zudem, dass 76 Prozent der IT-Dienstleister diese neuen Anforderungen durch den Aufbau eigener Kompetenzen im CX-Bereich bewältigen wollen. Der Aufbau von Partnerökosystemen sowie Kooperationen mit Digitalagenturen und Technologieanbietern stellen zwei weitere Strategien dar.

Zur Studie

Für die Studie wurden neben rund 70 IT-Dienstleistungsunternehmen knapp 150 IT-Verantwortliche aus dem gehobenen Mittelstand sowie aus Großunternehmen und Konzernen befragt. Die Studie ist mit Unterstützung der Beratungs- und IT-Dienstleister BridgingIT, Lufthansa Industry Solutions, NTT Data, Pentasys, Senacor und Sycor entstanden und kostenfrei verfügbar.

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