Industrie 4.0 braucht Big-Data-Sachverstand, Teil 2

Korrelation bei der Maschinenanalyse geht über Big Data hinaus

| Autor / Redakteur: Holm Landrock / Rainer Graefen

Holm Landrock, Experte für Big Data bei Experton
Holm Landrock, Experte für Big Data bei Experton (Foto: Experton)

Die Speicherindustrie "kommittet" sich gerade gegen alle frühere Zurückhaltung auf Hadoop -- als ob das der Weisheit letzter Schluss sei. Es wird versucht, eine Open Source Software zu etablieren, um vollendete Tatsachen zu schaffen. Anwender sollten beachten, dass das Framework zusammen mit HDFS nur eine nicht ganz fehlerfreie Jobverarbeitung ist.

Ähnlich wie bei der Analyse großer Datenmengen für die Gewinnung neuer Erkenntnisse für das gesamte Unternehmen, womöglich für die Eröffnung neuer Geschäftsfelder, geht es bei Industrie 4.0 nicht nur um verbesserte MSR (Mess-, Steuer- und Regelungstechnik), sondern um neue Fertigungskonzepte. Fertigungskonzepte, die heute allenfalls in Ansätzen existieren.

Für die Analyse der großer Datenmengen ist Hadoop ein Anfang: Die Open-Source-Variante von MapReduce ist eines der Werkzeuge, um die Sensordaten zumindest als Snapshot, als Situationsabbild, erst einmal zu speichern.

Jenseits von Hadoop

Für die Analyse dieser Daten – auf der Suche nach Spuren zu neuen Erkenntnissen – müssen dann allerdings Auswertungen entwickelt werden. Die ersten Praxisberichte zeigen hier auch Enttäuschungen, beispielsweise hinsichtlich der schnellen Verarbeitung kontinuierlicher Datenströme.

Selbstverständlich ist es legitim, (Advanced-) Analytics-Lösungen auch zur Verbesserung und Beschleunigung des aktuellen Geschäfts zu verwenden. Und: Hadoop und In-Memory sind aktuell wichtige, aber bei weitem nicht die einzigen Technologien für die Verarbeitung großer Datenmengen.

Wer sich mit Industrie 4.0 beschäftigt, kommt an den neuen Verfahren, die für Big Data entstehen, nicht vorbei. Die enge Verknüpfung dieser beiden Themenbereiche kommt auch darin zum Ausdruck, dass die entsprechenden Arbeitskreise des Bitkom eng miteinander zusammenarbeiten. Viele der Szenarien und Visionen sind noch Zukunftsmusik. Doch wie heißt es so schön: Visionen ohne Aktionen sind Halluzinationen.

Hannover ist wegweisend

Gerade deshalb ist die Initiative Industrie 4.0 aus Deutschland so wichtig. Dass Industrie 4.0 ein Zukunftsthema ist, zeigt auch ein kritischer Blick auf die Wirklichkeit auf der Hannover-Messe. Für den internationalen Maschinen- und Anlagenbauer, für globale Fertigungsunternehmen und für die Konstrukteure und Entwickler in der Welt spielt es vor allem eine Rolle, dass schlussendlich die Teile in der gewünschten Stückzahl und Qualität aus der Maschine fallen.

Einen kritischen Blick verdienen Demonstrationsobjekte und Exponate in jedem Fall. Ein Mitarbeiter eines Landmaschinenherstellers erläuterte gegenüber Experton Group beispielsweise, dass eine Landmaschine mit einem Pkw oder Lkw in keiner Weise vergleichbar sei, was die Auswertung von – zum Beispiel – akustischen Messfeldern für eine Wartungsprognose betrifft.

Akustische Wartung

Eine Landmaschine auf dem Feld, so der Landmaschinenbauer, rüttele und schüttele sich so heftig, dass es mit der heute verfügbaren Technik aussichtslos sei, eine Wartungsvorhersage für den Antriebsstrang zu berechnen. Dafür kann moderne Technik durch die genauere Analyse aller heute verfügbarer Daten durchaus zur Verbesserung der Logistik auf dem Feld verwendet werden.

Industrie 4.0 beschreibt vor allem die Konvergenz von Kybernetik und Informatik, die alle Fertigungsbereiche durchdringt und dabei intelligente, sich selbst konfigurierende und steuernde Produktionssysteme entstehen lässt. Hier fließt Wissen aus Fachgebieten wie dem Supercomputing, Advanced-Analytics, Manufacturing-Execution-Systems, Robotik und Automatisierungstechnik zusammen – und zeigt damit, dass Industrie 4.0 weit über das „Internet der Dinge“ oder das „Internet of Everything“ hinaus geht.

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