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Technologie-Services Kyndryl bietet alles unter einem Dach

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Ende 2021 lagerte IBM seinen Bereich „Global Technology Services“ aus. Inzwischen ist das Unternehmen vollständig abgetrennt und wurde an die Börse gebracht. Ein Gespräch mit Stephan Hierl, CTO von Kyndryl Deutschland, über die neue Struktur, Kunden und das Portfolio.

„Wissen, Prozesse und Daten so zusammenbringen, dass die Kunden tatsächlich Innovatives mit Mehrwert aus ihren Daten machen können“, Stefan Hierl, Chief Technology Officer Kyndryl Deutschland.(Bild:  Kyndryl)
„Wissen, Prozesse und Daten so zusammenbringen, dass die Kunden tatsächlich Innovatives mit Mehrwert aus ihren Daten machen können“, Stefan Hierl, Chief Technology Officer Kyndryl Deutschland.
(Bild: Kyndryl)

Storage-Insider: Herr Hierl, warum hat IBM seinen Servicebereich 2021 ausgelagert?

Stephan Hierl, Kyndryl: Ich will nicht im Detail über die Gründe spekulieren. Doch unsere jetzige Aufstellung ist frei von Interessenskonflikten, die es vorher durchaus gab. Für uns ist das ein Fortschritt. Wir sind rund 90.000 Mitarbeiter in 60 Ländern und haben uns früh um nachhaltige Partnerschaften bemüht, als erstes mit Microsoft, dann auch mit allen anderen großen Hyperscalern wie Google Cloud und AWS. Bis heute arbeiten wir mit mehr als 25 Partnern zusammen. Und wir können unseren Kunden dadurch jetzt eine individuell zugeschnittene Lösung ganz nach ihren Vorstellungen bauen.

Wie groß ist Ihre deutsche Belegschaft?

Hierl: In Deutschland arbeiten rund 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dazu kommen etwa 3.500, die für Kunden mit deutschem Stammsitz anderswo aktiv sind.

Wer sind Ihre Kunden?

Hierl: Von den 100 größten Firmen arbeiten 75 bis 80 mit uns zusammen. Aber es gibt durchaus auch kleinere Firmen, die zu uns kommen.

Wie sind Sie auf den Namen Ihrer Firma gekommen?

Hierl: Das ist ein Kunstprodukt. Wir assoziieren mit dem ersten Namensbestandteil den englischen Begriff kin wie Familienverband oder Verwandtschaft, mit dryl eine Ranke oder ganz allgemein Wachstum. [Englisch tendril = „Ranke“] Wir wollen also zusammenhalten und gemeinsam mit unseren Kunden wachsen.

Frage: Wie sieht Ihre innere Struktur aus? Wie stellt sich Kyndryl auf?

Hierl: Zunächst mal teilen sich unsere Aktivitäten auf in das Managed-Services-Geschäft, also das klassische Outsourcing, und in Consulting, Implementierung und so weiter. Dabei machen die Managed Services rund drei Viertel aus und wachsen stark, der Rest entfällt auf den stärker beratungs- und implementierungslastigen Zweig. Zudem haben wir sechs Practises, also fachliche Bereiche.

Was ist ein Practise genau?

Hierl: Practises sind IT-Felder, auf denen sich die ihnen zugeordneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders auskennen und weiterbilden. Wir wollen durch die Practises in den betreffenden Märkten Verantwortung übernehmen, unsere Belegschaft weiterentwickeln und geeignete Partner finden. Es geht also bei den Practises nicht immer um den Kontakt zum Endkunden.

Welche Practises haben Sie eingerichtet?

Hierl: Am wichtigsten ist „Cloud“, wo wir auch Storage einsortieren. Damit meinen wir unsere eigenen Clouds, die Clouds der Hyperscaler, aber auch die Kunden-Rechenzentren, die in hybride Clouds eingebunden sind. Zusammen mit Netapp konnten wir über dieses Practise beispielsweise BMW von uns überzeugen. So wird die Deutsche Bank, ein langjähriger Kunde, jetzt mit uns Public-Cloud-Services einrichten und vertraut uns weiterhin das Management ihrer kritischen Infrastruktur an.

Sehr wichtig ist auch unser Practise „Core Enterprise/zCloud“. Hier geht es darum, dass Kunden ihre internen Mainframe-Lasten zunehmend auslagern möchten. Sie haben nämlich inzwischen Schwierigkeiten, die zu bedienen, weil beispielsweise das Personal fehlt, das sich damit auskennt. Das ist also ein sehr wichtiges Geschäftsfeld.

Unser Practise „Netzwerk“ steckt im Grunde in jedem Deal, schließlich müssen die unterschiedlichen Ressourcen miteinander verbunden werden. Als Geschäftsbereich von IBM hatten wir hier eine enge Verbindung zu AT&T, jetzt haben wir eigene Spezialisten. Das kommt letztlich den Lösungen unserer Kunden zugute.

In dem Practise Digital Workplace Services haben unsere Mitarbeiter schon vor der Loslösung von IBM die Herausforderungen durch Corona gemeistert. Es gibt ja dieses Kundenbedürfnis, sehr flexibel zu reagieren. Das können wir mit diesem Practice befriedigen. Viele Kunden haben in Office 365 investiert und möchten dazu zusätzliche Services, beispielsweise von MS Azure, mit dem wir eine Partnerschaft unterhalten. Ein Kunde, der hier mit uns zusammenarbeitet, ist Symrise. Bei diesem langjährigen Kunden verwalten wir mittlerweile rund 13.000 digitale Arbeitsplätze an mehr als 100 Standorten weltweit.

Das Practise „App/AI/Data“ befasst sich mit Software. Hier steht SAP im Mittelpunkt, aber auch andere Datenbanken, und natürlich alle Services der Hyperscaler in diesem Kontext. Der Bereich ist für viele Kunden ein guter Anfang für eine Gesamt-Cloud-Strategie.

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Schließlich gibt es noch „Security und Recovery“. Das Thema hat einen gewissen Charme: Bis zur Abtrennung haben wir hier viele Lösungen von IBM eingesetzt, jetzt suchen wir uns unsere Partner selbst oder nutzen eigene Ressourcen. In diesem Practice arbeiten wir zum Beispiel mit unseren Partnern Microsoft, Dell und Veritas zusammen.

Wie muss ich mir die Kooperation mit Ihnen als Kunde mit einer größeren Implementierung vorstellen? Habe ich dann direkt mit diversen Practises zu tun, was ja ziemlich aufwändig wäre?

Hierl: Nein. Unsere teilweise sehr langjährigen Mitarbeiter bleiben auf jeden Fall der Ansprechpunkt für die Kunden, mit denen sie bisher zu tun hatten. Wer vor der Loslösung für Kunden X gearbeitet hat, macht das noch heute und morgen. Wir zeigen den Kunden nur ein Gesicht. Die Practises sind insofern eher intern oder im Verhältnis zu Partnern bedeutsam; sie bauen gemeinsam die Lösung, die nötig ist. Davon sollte der Kunde nichts merken.

Aber die Kunden haben ja unterschiedliche Produkte und Services von Ihnen. Wie bewahren sie dann den Überblick?

Hierl: Hier hilft Kyndryl Bridge, unser neues Angebot. Bridge ist als ein zentrales Portal, eine zentrale Schnittstelle mit mehreren Funktionen konzipiert: Man kann dort schon bald alle Services bestellen, die man braucht, man sieht gleichzeitig, was man schon hat und wie das arbeitet. Schließlich sieht man das gesamte Angebot, auch so weit es von Partnern kommt.

Also noch eine API-basierende Integrationsplattform …

Hierl: Das kann man natürlich so sehen. Wir gehen aber weiter als andere. Wir integrieren unsere und die Produkte unserer Partner ohne Ballast und so weit wie möglich automatisch. Natürlich geht nicht alles, ohne dass Programmierer tätig werden, aber wir haben eine offene Systemarchitektur, das erleichtert vieles.

Wie muss ich mir dieses Portal am Bildschirm vorstellen: rechts das, was ich habe, links das, was ich noch bestellen könnte, und wenn ich links etwas anklicke, dann wandert es nach rechts und ich kann sofort loslegen?

Hierl: Ganz so einfach ist es nicht. Je nachdem, ob man einen Server bestellen oder komplexe Vorgänge integrieren möchte, kann eine Leistung sofort erbracht werden, oder es dauert eben etwas, bis alles implementiert ist. Im Moment stellen wir ohnehin erst die erste Stufe von Bridge bereit, AIOps, mit dem sich die bestehende Systemlandschaft auswerten lässt. Noch in diesem Quartal soll das Bestellsystem folgen, und als letztes kann man dann die gesamte Systemlandschaft mit allen verfügbaren Angeboten und Integrationen sehen.

Woher stammt das Know-how für diese Lösung?

Hierl: Unsere Mutterfirma IBM hat uns bei der Trennung der Systeme schon einige Monate vor dem betriebswirtschaftlichen Spin-off rund 3.000 Patente und auch einige Software-Lösungen mitgegeben. Damit können wir jetzt Bridge und auch ein weiteres neues Angebot, Kyndryl Vital, ein Verfahren zur Co-Creation mit dem Kunden, realisieren.

Mit Co-Creation und Design-Thinking sind Sie aber auch nicht die ersten am Markt.

Hierl: Das ist richtig. Aber wir verbinden den Gedanken der Co-Creation mit AIOps, unserem AI-Know how, unserer Betriebserfahrung und allen anderen Angeboten, die unter Kyndryl Bridge versammelt sein werden. Auch die gerade angelaufene Kooperation mit MS Azure, die wir unter anderem wegen der Daten-Pipelines von Azure abgeschlossen haben. Es geht uns bei Vital darum, zusammen mit den Kunden Wissen, Prozesse und Daten so zusammenzubringen, dass sie tatsächlich Innovatives mit Mehrwert aus ihren Daten machen können.

Herr Hierl, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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(Bild: Storage-Insider)

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