Ein modernes Backup definieren und implementieren

Moderne Lösungen für Backup-Herausforderungen unserer Tage

| Autor / Redakteur: Sabine Schilg* / Dr. Jürgen Ehneß

Mit modernen Backup-Lösungen arbeiten Endnutzer auch dann weiter, wenn die Haupt-Server ausgefallen sind.
Mit modernen Backup-Lösungen arbeiten Endnutzer auch dann weiter, wenn die Haupt-Server ausgefallen sind. (Bild: Carbonite)

Es gibt nicht die eine perfekte Backup-Lösung für alle IT-Umgebungen. Moderne Backup-Lösungen bieten jedoch Datenreduktion, Ausfallsicherung auf Knopfdruck, Schutz von Endgeräten und mehr. Selbst bei mehreren Plattformen und Altsystemen können IT-Profis die größten IT-Herausforderungen mit modernen Daten-Backup-Lösungen bewältigen.

Unternehmen erstellen, sammeln und speichern heute enorme Datenmengen. All diese Informationen erschweren natürlich das Backup. Für IT-Manager ist dies nichts Neues. Immer größere Datenvolumen zu verwalten und zu schützen, ist seit langem eine große IT-Herausforderung. Dennoch gibt es einige neue Faktoren, die das stetige Datenwachstum beeinflussen. Hierzu zählen:

  • leistungsfähige Prozessoren und mehr Netzwerkbandbreite,
  • anspruchsvollere Anwendungen und Dienste,
  • zunehmende Nutzung von Rich Media wie Videos und hochauflösende Bilder,
  • Langzeitdatenspeicherung aus Compliance- und Analysegründen,
  • Maschinelles Lernen und KI.

Die Wiederherstellung von Daten kann eine noch größere Herausforderung sein. Mit traditionellen Backup-Tools ist die Wiederherstellung großer Datensätze (wie etwa des Inhaltes eines kompletten Servers) unter Umständen zeitaufwendig und kostenintensiv. Dies ist mehr als nur eine Unannehmlichkeit. Wenn Mitarbeiter keinen Zugang zu wichtigen Daten und Anwendungen haben, können sie nicht produktiv arbeiten. Es drohen Umsatzverluste.

Gewachsene Infrastruktur

Darüber hinaus erschwert die IT-Infrastruktur in vielen Unternehmen die Datensicherheit noch zusätzlich. Ein Unternehmen kann beispielsweise wesentliche Daten auf physischen und virtuellen Servern, auf mit dem Netzwerk verbundenen Speichern und auf alter Hardware gespeichert haben. Hinzu kommen zahlreiche verschiedene Anwendungen und in einigen Fällen mehrere Betriebssysteme. Diese Komplexität kann den Zeit- und Ressourcenaufwand zur Verwaltung des Backups und der Wiederherstellung erhöhen.

Glücklicherweise stehen Produkte und Dienste zur Verfügung, um diese Herausforderungen zu mindern. Diese Tools werden oftmals als „moderne“ Backup-Lösungen bezeichnet. Doch was genau bedeutet das?

Da die Anforderungen an die Datensicherheit je nach Unternehmen variieren, gibt es kein universelles Merkmal, das eine modern Backup-Lösung beschreibt. Folgende Eigenschaften können helfen, die oben beschriebenen Backup-Herausforderungen unserer Tage zu meistern:

Datenreduktion

Moderne Backup-Lösungen reduzieren die Menge der zu schützenden Daten und die damit verbundenen Speicherkosten auf verschiedene Arten. Betrachten wir zunächst Datenreduktionstechnologien wie Deduplizierung und Komprimierung.

Deduplizierung funktioniert auf Byte-Ebene und identifiziert und entfernt redundante Informationen in einer Datei, die dann durch Pointer ersetzt werden, um die Datei wieder aufzubauen, wenn sie wiederhergestellt werden muss. Komprimierung hingegen codiert Daten mit einem Algorithmus, der zu weniger Bits als in der Originaldatei führt.

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Eine weitere Option besteht darin, ältere Daten einfach aus dem Backup-Datensatz zu entfernen. Dies ist nicht neu; die Speicherung von Backups für einen begrenzten Zeitraum (60 bis 90 Tage) ist ein Industriestandard und kann helfen, bestimmte Datenschutzanforderungen zu erfüllen. Wenn Backup-Daten jedoch beispielsweise aus Compliance-Gründen für einen längeren Zeitraum gespeichert werden müssen, können sich die Backup-Speicherkosten schnell erhöhen.

Um dieses Problem zu lösen, können moderne Backup-Lösungen Informationen automatisch von einem ortsnahen Backup-System auf ein weniger teures Speichermedium verschieben (typischerweise Cloud oder Magnetbänder). Dies wird oftmals als „richtlinienbasierte Archivierung“ bezeichnet. Diese Lösung ist ideal für Unternehmen, die Datenaufbewahrungsfristen einhalten müssen, weil die Kosten der Speicherung älterer Daten reduziert werden und die Administration erleichtert wird.

Schnelles Backup und schnelle Wiederherstellung

Zusätzlich zu den oben beschriebenen Datenreduktionsmethoden sind moderne Tools teilweise in der Lage, Backups und Wiederherstellungen zu beschleunigen. Um Backups zu beschleunigen, nutzen die meisten Tools eine Form des inkrementellen Backups. Bei diesem Ansatz wird zunächst ein vollständiges Backup erstellt. Bei jedem anschließenden Backup werden dann jeweils nur die Änderungen der Daten gegenüber dem vorherigen Backup kopiert.

Diese Methode ermöglicht schnelle Backups, weil im Vergleich zum vollständigen Backup nur eine relativ kleine Datenmenge kopiert wird. Backups können häufiger ausgeführt werden (einmal pro Stunde ist üblich), sodass das Risiko des Verlusts von zwischen den Backups erstellten Daten erheblich reduziert wird.

Bei der Wiederherstellung nimmt die Übertragung großer Datensätze über das Netzwerk unweigerlich viel Zeit in Anspruch. Um dieses Problem zu umgehen, bieten moderne Data-Protection-Lösungen Benutzern die Möglichkeit, den Geschäftsbetrieb auf ein sekundäres System zu verlegen, während der Hauptserver repariert oder ausgetauscht wird.

Dies kann auf verschiedene Weisen geschehen. Einige Produkte sehen einen eigenen Ausfallsicherungs-Server vor, während andere den Betrieb auf eine virtuelle Maschine auf der Backup-Hardware verschieben. Ungeachtet des gewählten Ansatzes kann der Betrieb schnell wiederhergestellt werden, und die Ausfallzeiten in Verbindung mit langsamen Wiederherstellungen werden erheblich reduziert oder eliminiert.

Breiter Plattform-Support

Unternehmen kombinieren physische und virtuelle Geräte und nutzen häufig eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungen, Betriebssysteme und Hardware. Bisher erforderte dies die Verwendung einer Vielzahl von Backup-Produkten. Dies ist äußerst ineffizient, erhöht die IT-Komplexität und kann irgendwann untragbar werden.

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Um dieses Problem zu lösen, bieten moderne Backup-Tools integrierte Application-Awareness und unterstützen eine Vielzahl von Hardware-Plattformen. Darüber hinaus sind einige Produkte in der Lage, physische und virtuelle Computer zu schützen. All dies kann das Backup-Management vereinfachen.

Die Bedrohungslage

Bedrohungen für Daten verändern sich, nehmen zu und sind komplexer als jemals zuvor. IT-Profis wissen natürlich, dass die häufigsten Bedrohungen menschliche Fehler und Hardware-Ausfälle sind. Auch Stromausfälle stellen eine Gefahr dar. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass IT-Teams Meldungen über verlorene oder gestohlene Laptops oder Tablets erhalten – und diese Endgeräte enthalten oftmals kritische Unternehmensdaten. Darüber hinaus sehen sich Unternehmen auch weiterhin Ransomware und anderen Arten von Malware ausgesetzt. Die Fähigkeit, Dateien und Systeme auf der Grundlage eines bestimmten Zeitpunkts vor einem IT-Vorfall, einem Diebstahl oder einem Angriff wiederherzustellen, ist wesentlich für die Business Continuity.

Entwickeln der richtigen Strategie für IT-Anforderungen

IT-Entscheider sollten bei der Auswahl einer Data-Protection-Lösung die bestehende IT-Umgebung genau analysieren, um zu verstehen, was in welchem Umfang geschützt werden muss. Die folgenden Fragen könnten helfen:

6 Fragen zur Analyse der IT-Umgebung

  1. Müssen Sie alle Backup-Daten lokal speichern?
  2. Könnten Sie ältere und weniger wichtige Daten in die Cloud verlagern?
  3. Wie lange würde es dauern, kritische betriebliche Abläufe wiederherzustellen, wenn Haupt-Server ausfielen oder zerstört würden?
  4. Wäre eine Lösung mit hoher Verfügbarkeit, die IT-Ausfallzeiten minimiert, besser geeignet?
  5. Sind unsere Endgeräte wie Laptops und Tablets durch ein zentralisiertes Backup geschützt?
  6. Schützen Sie Office 365?

Sabine Schilg, Vice President EMEA bei Carbonite.
Sabine Schilg, Vice President EMEA bei Carbonite. (Bild: Copyright 2018 HeadShot Factory | http://www.headshot-factory.ch)

Letztlich gibt es keinen Königsweg für Datensicherheit. Was für ein Unternehmen funktioniert, kann für ein anderes völlig ungeeignet sein. Die gute Nachricht ist, dass moderne Backup-Produkte besser für die Bewältigung aktueller Herausforderungen geeignet sind als noch vor ein paar Jahren. Es gibt also Optionen. Dieser Artikel kann als hilfreicher Leitfaden für die Auswahl einer modernen Backup-Lösung dienen.

*Die Autorin: Sabine Schilg, Vice President EMEA bei Carbonite. 

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