Backup im Mittelstand

On-Premises oder Colocation?

| Autor / Redakteur: Manuela Justus / Dr. Jürgen Ehneß

Colocation-Rechenzentren haben viele Vorteile.
Colocation-Rechenzentren haben viele Vorteile. (Bild: © Kamil - stock.adobe.com)

Die umfassende Digitalisierung des Mittelstandes ist nicht zu leugnen. Die Datenmengen, mit denen durchschnittliche Unternehmen täglich arbeiten, wachsen branchenunabhängig immer weiter an. Dadurch werden auch mehr und mehr Prozesse der täglichen Aufgaben davon abhängig, dass die hinterlegten Daten störungsfrei abrufbar verlustfrei hinterlegt sind.

Je wichtiger diese Daten werden, desto größer ist die Relevanz einer sicheren und verlässlichen Backup-Methode. In den meisten Fällen reicht ein einfaches, tägliches Abbild der Daten auf einem zweiten Speichermedium nicht mehr aus, um den Ansprüchen des modernen Branchenmarktes zu entsprechen.

Eigene Server für die Datensicherung

Ein vollständiger oder teilweiser Datenverlust ist der absolute GAU – keine Frage. Regelmäßige Backups der relevanten Daten sind also mit die wichtigste Absicherung, um die Wirtschaftsfähigkeit zu erhalten. Zuerst einmal stellt sich dann die Frage: Müssen es überhaupt gesonderte Server sein, oder reichen eine zusätzliche Festplatte und Software-Lösungen, die im Ernstfall Abhilfe versprechen wie etwa die Tools von Acronis?

Schon die absoluten Grundlagen dieser Fragestellungen stellen für viele Unternehmen eine Hürde dar. Es wird viel Grund- und Fachwissen vorausgesetzt, um die eigenen Anforderungen an die Backup-Strategie festlegen zu können. Um diese besser evaluieren zu können, ist ein guter Überblick über die verfügbaren Modelle und deren Vorteile in Hinblick auf die individuellen Anforderungen erforderlich.

Bei der Diskussion dieser Frage muss sich jedes einzelne Unternehmen verschiedene Fragen stellen, wie etwa nach der notwendigen Skalierbarkeit, den Zugriffsstrukturen innerhalb des Unternehmens und den voraussichtlich anfallenden Datenmengen. Da auch heute noch viele Firmen am Anfang eines umfassenden Digitalisierungsvorganges stehen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Komplexität weiter ansteigen wird.

Dazu kommt, dass die einmalige Einrichtung der Infrastrukturen für ordnungsgemäße Backups zwar mit Aufwand verbunden ist, jedoch verglichen mit dem Nutzen und der Sicherheit, die sie bringt, vernachlässigbare Ausgaben erfordert.

Da Cloud-Lösungen für Backups für manche ein zu großes Risiko in sich bergen, was Verantwortung der Sicherheit betrifft – insbesondere unter Beachtung der vielen neuen Angriffsvektoren, die stets auftauchen –, ist es für viele Unternehmen immer noch interessant, bei der Speicherung der Geschäftsdaten auf eigene Server zu setzen.

Problem Compliance

Gerade kleinere Unternehmen, die erst im Zuge der Digitalisierung vermehrt auf IT-Lösungen setzen, haben durchaus große Probleme mit dem Faktor Compliance. Spätestens seit der DSGVO hat so gut wie jeder Mitarbeiter in mittelständischen Unternehmen spüren können, wie schwierig die Umstellung auf bestimmte Sicherheitsstandards unter den Voraussetzungen in KMUs sein kann.

Ein nicht vernachlässigbarer Anteil – laut diversen Untersuchungen waren es in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres noch gut 30 Prozent – hatte es selbst einige Zeit nach Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung noch nicht geschafft, die neuen Anordnungen umzusetzen. Dazu kommen dann Anforderungen wie die Aufbewahrungspflichten über teilweise zehn Jahre, die für bestimmte Geschäftsunterlagen wie etwa Lieferscheine oder Rechnungen gelten.

Der Zwang, immer mehr Daten verlustsicher über lange Zeit aufzubewahren, dabei allerdings Datenschutzrichtlinien vollständig zu befolgen, kann schnell überfordern. Daher wird es gegebenenfalls als zu schwierig angesehen, eigene Server zu betreiben.

Anbieter von Colocation-Zentren helfen bei der gesetzestreuen Infrastruktur.
Anbieter von Colocation-Zentren helfen bei der gesetzestreuen Infrastruktur. (Bild: © Климов Максим - stock.adobe.com)

Colocation als Lösung für Compliance-Sorgen

Daher kommen an dieser Stelle Colocation-Anbieter ins Spiel. Die Unternehmensdaten auf eigene Server in Rechenzentren externer Dienstanbieter auszulagern, ist für viele kleinere Unternehmen eine sinnvolle Lösung. Da weiterhin die unternehmenseigenen Server für die Datenspeicherung genutzt werden, gibt man diese Informationen nicht vollständig aus der Hand, wie dies bei der Anmietung von Cloud-Speicher geschieht.

Doch die Vorteile, welche die Nutzung professioneller Rechenzentren bezüglich Ausfallsicherheit, Redundanzen und hochwertiger Infrastruktur mit sich bringt, kommen auch hier voll zum Tragen. Gerade die nötige Fläche für die Server, aber auch die Einrichtung der richtigen Kühlung, der Stromversorgung, einer mehr als stabilen Internetverbindung und der höchstmöglichen physischen Sicherheit sind Eintrittsbarrieren.

Zertifizierte Datensicherheitsstandards wie beispielsweise ISO 27001 werden zumeist von professionellen Anbietern erfüllt. All diese Sorgen fallen somit bei der Nutzung des so genannten Server-Housing in Colocation-Rechenzentren weg.

Der größte Vorteil jedoch, besonders für KMUs, die keine großen Ressourcen für die professionelle Implementierung einer eigenen Infrastruktur unter Beachtung sämtlicher Richtlinien haben: die hohe Compliance-Sicherheit, die von hochwertigen Rechenzentren für Server-Housing geboten wird.

Auch häufig übersehene Faktoren wie die Zutrittssicherheit von Serverräumen werden von professionellen Hostern meist auf einem hohen Niveau beachtet. Innerhalb der eigenen Geschäftsräume kann dies schwerfallen, wozu es zu Verletzungen der DSGVO kommen kann – denn diese sieht auch vor, dass die Daten vor menschlichen Fehlern oder mutwilligen Verletzungen durch unbefugten Zutritt geschützt sind.

Weitere Argumente für Colocation-Angebote

Darüber hinaus haben Nutzer dieser Möglichkeit auch den Vorteil, dass weitere Faktoren bezüglich der Sicherheit intensiver implementiert werden, als sie im eigenen Hause unter überschaubarem Budget realisierbar wären. Gerade die physische Sicherheit wird häufig von Inhouse-Lösungen übersehen, da es sich dabei um den Schutz vor Eventualitäten handelt, die häufig ignoriert werden.

Nahezu latenzfrei in der Cloud

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Wetterschäden und ähnliche äußere Einflüsse: Wasser- oder Sturmschäden an den Firmengebäuden sind häufig keine allzu große Sorge, da sie meist von der Versicherung getragen werden – doch wenn dadurch Geschäftsdaten verloren gehen, kann es die Existenz des Unternehmens gefährden.

  • Wetterschäden und ähnliche äußere Einflüsse: Wasser- oder Sturmschäden an den Firmengebäuden sind häufig keine allzu große Sorge, da sie meist von der Versicherung getragen werden – doch wenn dadurch Geschäftsdaten verloren gehen, kann es die Existenz des Unternehmens gefährden.
  • Georedundanz: Sichere Backups befinden sich nicht nur auf einem anderen Datenträger, sondern auch an einem anderen Ort. Ein äußerer Einfluss kann dann nicht gleichzeitig die Live-Plattform und die Backups gefährden.
  • Einbruchschutz: Kriminelle kümmern sich nicht um Schlüsselprivilegien und können somit auch den Servern hohen Schaden zufügen, wenn diese nicht mit extremen Sicherheitsmaßnahmen geschützt sind.
  • Unfallschutz: Eine Stolperfalle im Serverraum kann zu Beschädigungen führen, welche die Daten auf den Servern gefährden. Eine professionelle und sauber ausgeführte Einrichtung und Verkabelung sind daher wichtig.
  • Skalierbarkeit: Vielleicht reichen der Platz und die Infrastruktur heute noch für On-Premises-Server, doch schon bei geringfügigem Wachstum kann dies nicht mehr der Fall sein. Das Hinzufügen weiterer Server-Racks ist bei Colocation-Vertragspartnern meist kein Problem.

Doch das Vermeiden von Datenverlust zu jedem Preis sollte für Unternehmen jeder Größe und Ausprägung eine Priorität darstellen. Eine Unitrends-Studie von 2018 hat ergeben, dass immer noch etwa 30 Prozent aller Firmen mit dem Verlust wichtiger Geschäftsdaten zu kämpfen haben. Dass das hochgradig geschäftsschädigend und eventuell sogar existenzbedrohend sein kann, muss an dieser Stelle nicht betont werden.

Viele der Maßnahmen gegen oben aufgezählte Risiken sind natürlich im eigenen Haus möglich, jedoch mit hohen Umbaukosten verbunden. Daher ist es häufig günstiger, diese auf Dienstanbieter umzulegen, die eine hohe Sicherheit bieten können, da sie ihr Rechenzentrum für viele Kunden zur Verfügung stellen.

Ein beliebter Anbieter in Deutschland ist beispielsweise in einem ehemaligen Atombunker untergebracht, der zusätzlich zu den Vorteilen des Gebäudes wie Strahlensicherheit durch dicke Betonwände mit modernsten Sicherheitsmaßnahmen ausgestattet ist. Gerade wer die Sicherheit der eigenen Datenserver hoch bewertet, kann diesen Standard in eigenen Gebäuden kaum erreichen.

Auch die Einrichtung und die Verwaltung der Server auf dem eigenen Firmengelände haben Vorteile.
Auch die Einrichtung und die Verwaltung der Server auf dem eigenen Firmengelände haben Vorteile. (Bild: © zinkevych - stock.adobe.com)

Vorteile On-Premises

Colocation-Angebote sind also besonders interessante Lösungen gerade für KMUs, die zwar hohe Anforderungen an die Sicherheit ihrer wachsenden Datenmengen haben, jedoch ihre Daten nicht vollständig auf den Servern von Fremdanbietern lagern möchten. So erhalten sie das beste aus beiden Welten: eigene Server, die eigenverantwortlich verwaltet werden, und hochwertige Infrastrukturen, die auf dem Unternehmensgelände sehr aufwendig und teuer wären.

Doch das bedeutet nicht, dass On-Premises-Server keine Relevanz mehr haben. Gerade Unternehmen, die bereits über etwas IT-Know-how im Team verfügen, können viele der genannten Eintrittsbarrieren einfach meistern. Die fachgerechte Einrichtung und Wartung sind dann keine aufwendigen Aufgaben mehr.

Gerade wenn die hinterlegten Informationen besonders empfindlich sind – wie etwa Patientendaten in der Medizinbranche –, ist es unerwünscht, jeglichen Aspekt der Daten einer dritten Partei anzuvertrauen. Der eigens implementierten und überwachten Sicherheit kann dann am ehesten vertraut werden.

Auch ist häufig immer noch die firmeneigene Internetanbindung ein Hindernis. Nicht überall in Deutschland haben Unternehmen das Glück, eine extrem schnelle Verbindung ihr Eigen zu nennen. Was für Privatpersonen mehr als ausreicht, etwa eine 200-Mbit-Leitung, ist für größere Fileserver-Backups absolut untauglich. Stehen die Server auf dem eigenen Gelände, fließen die Daten schnell über das Firmennetzwerk.

Zuletzt ist die langfristige Nutzung von Colocation-Anbietern eben immer von diesen abhängig – wenn die Partner das Unternehmen schließen oder beispielsweise umziehen, so steht man plötzlich vor einem Unterbringungsproblem für die Server.

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